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Archiv der Kategorie: Gastbeiträge

Beiträge von Gastautoren.

Dem Poli säi Pefferkär – Gastbäitrag vum roude Poli

Dem Poli säi Pefferkär – Gastbäitrag vum roude Poli

Léif Lieserinnen a Lieser vun „just thoughts“,

et ass mer een Freed fir iech kënnen en neien Gastautor op iisem Blog virzestellen !

Ënnert seinem Pseudonym „De roude Poli“ wäert dësen Auteur iech a méi oder manner regelméissegen Ofstänn mat neie lëtzeborreger Léidertexter versuergen. Dës si gire mol kritesch, wann Dir also keen Kritik un ärem schéine Lännche verdrot, dann ass dës Kolumne wuel leider näischt fir Iech…

All deenen aneren (a mir selwer) wënschen ech awer vill Freed mam Poli seinen Texter !

Den Ufank mëscht haut een Ëmdichtung vum Poutty Stein seinem „Nationalmarsch“. D’Melodie ass déi nämlecht, wie séngt mat ?

– V.V.


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Verfasst von - 12. Juli 2017 in Gastbeiträge

 

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Viva la Revoluciòn ! – Ein Gastbeitrag von C.

Welche Richtung für die Politik der kommenden Jahre ? Sind wir überhaupt noch zu retten ? Warum wir trotz allem politischen Unsinn dennoch nicht resignieren sollten erklärt C. in einem weiteren seiner Gastbeiträge hier auf just thoughts.

Wo soll das nur hinführen? Diesen Gedanken haben wir eigentlich alle. Warum auch nicht? Man schaltet die Nachrichten an und sieht Krieg und Terror, die auf einmal vor unserer Tür stehen. Man sieht eine Gesellschaft, die in immer mehr Randgruppen zerfällt. Man sieht eine Ungleichheit auf der Welt, die mittlerweile absolut lächerliche Außmaße annimmt. Egal wo man letztendlich hinschaut, die Welt hat eine surreale Absurdität angenommen. 
Bevor wir ernst werden, kommt zuerst noch eine Anekdote: denken wir mal ein paar Jahre zurück an die XXIII. Wrestlemania (ja, wirklich). Da sieht man nämlich, wie der Mann, der heute die Kontrolle über das größte Atomwaffenarsenal der Welt, vor laufender Kamera, einem gewissen Vince McMahon den Kopf rasiert. Dieser Herr McMahon ist nicht nur Milliardär und Chef der WWE, sondern auch mit Linda McMahon, der heutigen amerikanischen Mittelstandsministerin verheiratet. Was es nicht für Zufälle gibt! 

Beim den brisanten Themen kann man jedoch nicht dauerhaft vom Ernst der Lage ablenken. Wo soll man anfangen? Flüchtlingskrise, Aufstieg der neuen Rechten, Vermögensschere, weltfremde Politiker, Fake News… 

Zum Ersten merken wir also, dass Probleme aus allen Ecken der Welt bis zu uns durchsickern können. Wir können uns nicht einfach so in der Festung Europa verstecken, auch wenn der Ruf nach verschlossenen Grenzen laut ist. Jeder Asylsuchende ist eine stille Erinnerung hieran und verkleinert die Distanz zwischen uns und den Brennpunkten. 

Jeder Flüchtling ist auch ein stiller Appell an unser Gewissen, weil unsere westlichen Staaten direkt oder indirekt an seinem Leid verantwortlich sind. Die Probleme, vor denen wir uns verstecken, sind letztendlich zum Teil selbstverantwortet, sei es durch vergangene Kriege, aktuelle Waffenexporte, ungleich ausgehandelte Handelsabkommen oder schlichtes Schweigen und Zuschauen. 

Wir werden also nicht nur mit unserer Verletzlichkeit, sondern auch mit unserem schlechten Gewissen konfrontiert. Angesichts dieses unangenehmen Zustandes ist es nur menschlich, ihm mit einer gewissen Wut und Verdrängung entgegen zu treten. 

Das ist eine mögliche Erklärung dafür, dass politische Parteien das eigentlich schon längst überwundene Übel des Fremdenhasses ausgraben. Man sehnt sich nach der „ach, so guten alten Zeit“, die ein Gefühl der Sicherheit und der Geborgenheit vermittelt. Auch wenn man dafür gewisse Details an politischen Programmen ausklammert, die es einen doch unwohl werden lassen. 

Zum Nächsten merken wir, wie sich eine so hoch gepriesene Marktwirtschaft, das goldene Kalb des Wachstums, gegen uns wendet. Der Durchschnittsarbeitnehmer sieht sich mit der absurden Situation konfrontiert, dass er trotz immer weiter steigender Produktivität des Einzelnen seinen Lohn zumindest stagnieren, wenn nicht sogar fallen sieht. Die einzige, logische Schlussfolgerung ist, dass die Arbeitgeber einen immer größer werdenden Teil des Gewinns für sich beanspruchen können. 

Man kann also behaupten, das Kapital sitze am längeren Hebel als die Arbeiter. Das war schon immer so und wird wohl auch immer so bleiben, aber ein entscheidender Faktor muss sich auf die Seite der Benachteiligten stellen, nämlich die Politik. Politik, die sich nicht nur um Wachstum kümmert, die frei vom Einfluss von Lobbyisten ist, die einzig und allein um das Glück der großen Zahl und nicht nur der „Großen“ besorgt ist, könnte dieser Ungleichheit entgegesteuern. 

Letztendlich muss man sich jedoch auch noch fragen, wem man in dieser Welt überhaupt noch vertrauen kann, anscheinend kann ja jede Meldung „Fake-News“ sein. Es entwickelt sich plötzlich ein Bewusstsein dafür, dass Medien die Wahl darüber haben, wie sie ein Ereigniss darstellen, welche Ereignisse sie überhaupt verbreiten und sogar, wenn gerade nichts in das Weltbild des Chefredakteurs passt, ob sie nicht einfach zur Fiktion übergehen. 

Dieses Bewusstsein nimmt den Leuten das Vertrauen in Institutionen die seit Jahrzehnten und teilweise seit Jahrhunderten die Wahrheit verbreiten sollen. Dieses Grundprinzip der Ehrlichkeit, welches auch ein Grundpfeiler einer Gesellschaft sein muss, verschwindet zusehends.

Allerdings, das einzig Neue an dieser Entwicklung ist das Bewusstsein der Leser, Zuhörer und Zuschauer. Diese Manipulation ist so alt wie der Journalismus selbst und hat sich am Anfang schon aus der Subjektivität heraus entwickelt, die jedes Wort in sich trägt. Jedes Wort beeinflusst die Gedanken und Meinungen eines Lesers. Dass man auch nicht über jedes Ereignis auf der ganzen Welt in 15 Minuten Sendezeit berichten kann, ergibt sich auch schon von selbst. Das heißt, Objektivität ist in Medien einfach nicht möglich und trotzdem ist es erschreckend. 

Was bringt das alles jetzt mit sich? Worauf laufen diese verschiedenen Aspekte hinaus? Wir haben Angst. Das ist auch eigentlich verständlich. Wir haben uns zunehmend in einer Blase aus Ignoranz eingeschlossen, die jetzt geplatzt ist. Wir haben uns eingebildet, die Welt würde bloß für uns existieren, ein Planet würde sich um die heimische Stube drehen und das gesellschaftliche Leben wäre so durchsichtlich wie man sich es früher gerne ausgemalt hat. 

Die Menschen sind gerade dabei, sich von alten Illusionen zu befreien und sich erneut zu emanzipieren. Der Wille, der diese Veränderungen antreibt, steht allerdings noch immer zwei Hindernissen gegenüber. 

Zum Einen, der vorhin genannten Angst. Wenn die Welt aus den Fugen zu geraten scheint, bringt gesellschaftliche und politische Veränderung noch zusätzliche Unsicherheit mit sich, gegen die man sich gerne abschirmt. Man schaut dadurch eher in eine verklärte Vergangenheit, anstatt sich den neu anfallenden Problemen zu stellen. 

Hier muss man jedoch mal klarstellen: die Vergangenheit ist unwiederbringlich weg. Der einzige Weg zu einer Verbesserung der Gesamtsituation ist keine Nostalgie, sondern die tägliche Konfrontation mit der Zukunft, die voraussetzt, dass die Wähler und Konsumenten eigenständige Entscheidungen zu ihrem eigenen Wohl fällen und nicht bloß, wie Schafe, der Herde folgen. 

Das zweite Hinderniss zu positiver Veränderung ergibt sich auch schon aus diesem Vergleich. Man hat den Eindruck, als seien viele Leute, vor Allem auch zu viele Jugendliche und Studenten, die eigentlich die soziale Sprengkraft bilden sollen, in einem komatösen Zustand der Passivität und Gleichgültigkeit. Das große politische Thema unter jungen Leuten scheint die Legalisierung von Cannabis zu sein, wenn man sich nicht sowieso komplett von der Politik abgewendet und jeden Glauben an Veränderung verloren hat. 

Auch hier muss einmal deutlich gesagt werden: wenn man nicht einmal versucht, etwas zu erreichen, kann man nur verlieren. Man kann durch Wahlen und Petitionen die Politik nach seinen Vorstellungen umformen, man muss jedoch darum kämpfen. 

Um diese Hindernisse zu überwinden ist eine Rückbesinnung nötig, weil es heute schon fast absurd wirkt, hohe Ansprüche an sich und die Regierenden zu stellen. Das, was fehlt, ist der Glaube an Ideale. Das Ideal des Politikers, der zugunsten des Volkes handelt, das Ideal des Bürgers, der seine Interessen kennt und diese gegen ungerechte Gesetze verteidigt und schließlich das Ideal, des „Erdenbewohners“, das heißt des Individuums, das weiß, dass seine alltäglichen Handlung nicht nur einen Einfluss auf das direkte Umfeld, sondern auf die ganze Welt haben. 

 
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Verfasst von - 30. April 2017 in Gastbeiträge

 

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Politik von heute (oder: warum es unsere Regierungsparteien nicht verdienen, wiedergewählt zu werden) – Ein Gastbeitrag von C.

In diesem Gastbeitrag widmet sich C. unter anderem dem Wesen des „idealen” Politikers resp. des „idealen” Bürgers.

Die meisten Staaten würden sich heute als Demokratien und Republiken bezeichnen und knüpfen dadurch an antike Idealbilder an. Man stellt sich sofort ein transparentes System vor, in dem jeder einzelne Bürger die Machtstrukturen mitgestaltet. So schön wie diese Überlieferungen auch sind, wir scheinen heute diesen roten Faden verloren zu haben und jegliche ethischen Wegweiser werden ignoriert.

Der moderne Politiker kann nur noch über jene alten Deppen lachen. Denken wir nur mal an die römischen Gebrüder Gracchus die sich doch nicht wirklich meucheln ließen, nur weil sie eine lächerliche Landreform durchbringen wollten, die den Ärmsten der Gesellschaft ein Stückchen Ackerboden zugestanden hätte. Da führen Ideale hin! Man stirbt und hat trotzdem nichts erreicht, warum soll man dann überhaupt noch für etwas eintreten?

Die heutige Politik findet sich hingegen in Situationen wie dem Syrien-Konflikt vollendet. Man sieht, wie sich die gesamte politische Klasse darauf geeinigt hat, die Interessen des Volkes getrost zu ignorieren und einen lukrativeren Weg einzuschlagen. Es ist schon erstaunlich, dass die größten Waffenproduzenten der Welt keinen Krieg beenden können, der auf konstanten Nachschub ihrer eigenen Munition angewiesen ist?

Der moderne Politiker kennt keine Ideale, sondern nur noch simple Rechnungen. Einerseits ist natürlich eine Flüchtlingskrise ausgebrochen, die Milliarden kostet. Andererseits gibt es jedoch einen verlässlichen Absatzmarkt für Kriegsgerät, der noch mehr Milliarden in die Kassen spült. Unwichtige Details wie der Wert von unschuldigen Menschenleben werden gar nicht erst in die Waagschale gelegt. Emotionales Gepimper ist kein Bestandteil der Rechnung.

Was ergibt sich als Konsequenz hiervon? Der moderne Politiker trägt Blutschuld. Mit jedem Tag füllen sich die Särge und die radikale Reaktionlosigkeit beweist deutlich, dass der Bürger nicht mehr zählt. Mit jedem frischen Kindergrab wird auch das Erdloch des Idealbildes des Politikers tiefer. Wir, die Wähler, müssen jetzt entscheiden, ob wir unsere Stimme wirklich Mördern anvertrauen wollen.

Was macht man aber, wenn die größte Alternative aus Rechtsradikalen besteht? Eine Protestwahl würde schon einleuchten, aber hier nimmt man nicht die Skrupellosigkeit einzelner Akteure, sondern gleich den angesammelten Wahn der Zeit in Kauf. Hier dürfte man das Übel wohl noch ein Mal abstufen können.

Gibt es überhaupt noch eine moralisch vertretbare Partei in Europa (oder in der westlichen Welt, wenn man zum Beispiel den „Falken“ Hillary Clinton betrachtet)? Ich fürchte, wir kennen alle die Antwort. Aber, ist das ein Grund aufzugeben? Nein. Neben dem mittlerweile komatösen Ideal des Politikers steht nämlich noch ein weiteres: das des idealen Bürgers. Dieses lebt noch weiter, auch wenn es ebenfalls schwächelt.

Was muss man hierunter verstehen? Die Bürger können das politische Geschehen noch immer selbst bestimmen, auch wenn es uns nicht mehr ganz klar ist. Wir leben in einer repräsentativen Demokratie, die das Volk zumindest aus dem politischen Tagesgeschehen ausschließt. Dieses Prinzip hat sich ganz einfach nach der französischen „Terreur“ entwickelt, um andauernde Spannungen zwischen Mehr- und Minderheiten zu verhindern. Des Weiteren vereinfacht es uns schon das Leben, wenn nicht mehr jeder Einzelne auf dem Laufenden über jede noch so belanglose politische Angelegenheit sein muss. Man muss an dieser Stelle aber auf ein ziemlich bekanntes Zitat von dem irischen Politiker John Philpot Curran (1750-1817) eingehen: „It is the common fate of the indolent to see their rights become a prey to the active. The condition upon which God hath given liberty to man is eternal vigilance“. Unsere heutige Freiheit fällt uns also nicht einfach zu, sondern wir müssen sie ständig behaupten. Bei wichtigen Themen wie Kriegen oder Handelsabkommen ist es also unsere Pflicht als Bürger, uns Gehör zu verschaffen. Wir können ganz altmodisch auf die Straße gehen um unsere Meinung auszudrücken (friedlich versteht sich, sonst werden wir nur eine weitere Parodie auf die Meinungsfreiheit). Auch die Petitionen sind im Zeitalter des Internets ein starkes Druckmittel, vor Allem wenn die Politiker um ihre Wiederwahl fürchten müssen.

Es klingt simpel, ist es aber trotzdem nicht. Bevor man seine Meinung kundtuen kann, muss man sich nämlich zuerst eine eigene bilden (ohne auf den Slogan eines wohlbekannten, journalistischen Witzblattes anspielen zu wollen). Der ideale Bürger muss seine Augen für die Missstände in der Welt öffnen und sich nicht vor ihnen verstecken. Er wird nicht versuchen, sich selbst etwas einzureden, um sich den Problemen nicht stellen zu müssen. Der ideale Bürger versucht ständig, die politische Welt zu durchleuchten. Er muss seinen „Feind“ ja schließlich kennen. Allerdings steht der ideale Bürger auch ständig im Dialog mit Andersdenkenden, um seine Meinung entweder fundieren oder schlichtweg ändern zu können. Nur der verbale Streit kann wirklich die Gedanken eines Menschen weiterbringen. Auch ist es hier essentiell, ernsthafte Arbeit zu betreiben, um Fakten von verschiedenen Quellen, sprich Blickwinkeln, zusammenzutragen. Kurz, der ideale Bürger kennt seine Pflicht, bei den großen Veränderungen in der Welt, das letzte Wort haben zu müssen.

Wenn wir unseren Einfluss auf das politische Geschehen zurücknehmen wollen, führt nichts um den Kampf herum. Ein Kampf gegen anonyme Machtstrukturen, die ohne unser Mitwissen, geschweige denn unser Mitwissen regieren (Ceta/TTip). Aber auch ein Kampf mit unserem tiefsten Innern, weil, bevor wir Ideale in die Welt tragen können, müssen wir alles tun, um diesen selbst zu entsprechen. Man muss sich immer wieder mit kalter Objektivität selbst anklagen und verbessern.

Vielleicht wird die Parteienlandschaft eines Tages von Leuten bevölkert, die die Ideen dieses Textes begriffen haben. Vielleicht werden die wenigen Menschen mit einer unumstößlichen Moral nicht mehr von der Politik abgestoßen, sondern sie verspüren den unbedingten Drang, etwas zu verändern. Vielleicht wird das Idealbild des Politikers wieder ein Mindestmaß an Bedeutung wiedererlangen: Menschen aus dem Volk, die im Namen des Volkes regieren.

Doch zuallererst, bevor sich die Herrschenden verändern, muss sich eben dieses Volk verändern.

– C.

 
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Verfasst von - 4. Dezember 2016 in Gastbeiträge, Politik

 

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Eine Generation von postmodernen Taugenichtsen – Ein Gastbeitrag von C.

Diese Woche überlasse ich das Wort wieder einmal meinem guten Freund C. für einen weiteren seiner Gastbeiträge auf diesem Blog.

Kann man die Jugendlichen bzw. die jungen Erwachsenen von heute als Taugenichtse bezeichnen? Vielleicht. Wir wissen zumindest weder, wie wir in dieser Welt etwas zu Stande bringen können, noch was wir eigentlich erreichen sollen.
Das Problem ist eine der großen Errungenschaften des vergangenen Jahrhunderts. Nämlich hat jeder die Möglichkeit alles zu studieren. Deshalb haben wir zu viele Studenten. Ich gebe zu, das Problem ist schwer zu sehen, vor allem wenn man bedenkt, dass der freie, bedingungslose Zugang zu jeder Art von Bildung eigentlich überall gegeben sein soll. Jedoch, wenn ein Studium den Standard darstellt, ist jeder, der eine eigene Zukunftsvision hat, in einer veralteten, sozialen Hierarchie gefangen. Beispiel: wenn sich ein Gymnasiast nach frisch bestandenem Abitur beschließt Schreiner zu werden, stößt er wohl auf Unverständnis in seinem Bekanntenkreis, vielleicht sogar in seiner Familie.

Warum? Es ist heute ziemlich eindeutig, dass geistige Arbeit besser bezahlt und mehr geschätzt wird als körperliche. Genau das gilt es jetzt zu hinterfragen.

Vielleicht ist es bloß ein Relikt unserer bäuerlichen Tradition, weil Bildung früher gleichbedeutend mit einer steilen Karriere war. Dieses wichtige Detail hat sich heute geändert. Ein Studium ist heute keine Fahrkarte mehr ins Glück und wirft die Leute in einen unausgeglichenen Arbeitsmarkt. Was heute zählt, ist nicht mehr simples Wissen, sondern es sind Fertigkeiten, die man in keinem Hörsaal vermittelt bekommt. Der heutige Arbeitnehmer braucht eher Menschen- als Fachkenntnis. Ein Paar Kontakte und eine Portion Glück machen natürlich auch einen nicht unbedeutenden Unterschied.

Folglich muss man sich fragen, warum man sich dann überhaupt noch in einem Studium, das einen nicht interessiert, irrelevantes Wissen für einen nicht existierenden Bürojob anhäufen soll. In dieser Studieninflation darf man nicht vergessen, dass es noch andere Bildungswege gibt. Man darf diese getrost einschlagen, vielleicht sogar in Richtung eines Berufsfeldes, das einen wirklich interessiert.

Mit welcher Begründung kann das Handwerk dann eigentlich noch immer bildungstechnisch belächelt werden? Wenn die Arbeitswelt immer mehr Eigeninitiative von dem Einzelnen verlangt, sind die, die gelernt haben, selbst etwas mit ihren eigenen Händen
zu erschaffen, nicht im Vorteil?

Es ist also falsch, eine Generation von Akademikern heranziehen zu wollen. Reines Wissen reicht heute nicht mehr aus und es taugt auch nicht jeder zu theoretischer Arbeit, wofür die Burn-Out Rate ein Indiz ist. Doch solange die handwerklichen Berufe schulisch und gesellschaftlich vernachlässigt werden, trauen sich die Jugendlichen nicht, ihren wahren Interessen nachzugehen. Unsere Arbeitswelt könnte ungleich erfüllender für jeden sein, wenn wir diese veraltete Ansicht verwerfen und die Talente jedes Einzelnen nutzen würden.

– C.

 
 

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Was wir wollen – Ein Gastbeitrag von C.

Heute ist es mir eine große Freude euch einen Gastbeitrag meines guten Freundes C. präsentieren zu können.

Was will ich? Wie will ich mein Leben gestalten? Diese Fragen bringen wohl jedem jungen Erwachsenen schlaflose Nächte. Unzählige sogar.

Warum ist das so? Heute steht man der absoluten Wahlfreiheit von Studien, FSJ und Ausbildung gegenüber. In dieser Hinsicht war es früher einfacher: den elterlichen Hof übernehmen und das Leben ist in geregelten Bahnen. Diese Fatalität war gewissermaßen angenehm, weil der Einzelne ohne eine Wahl auch nichts falsch machen konnte. Kierkegaard hatte Recht: Freiheit macht uns anfangs Angst. Es geht uns nicht anders als einem Kind, das die ersten Schritte machen muss.

Es ist natürlich schwierig, Entscheidungen zu treffen, wenn man während fast zwei Jahrzehnten nur einen strikten Lehrplan befolgt hat. Solange bulimisches Lernverhalten recht gute Noten erzielt, läuft Etwas in der Schule falsch. Das wäre allerdings noch eine andere Problematik. Jedenfalls, sobald es plötzlich keinen vorgeschriebenen Text mehr gibt und das wahre Leben vor der Tür steht, verliert man schnell die Orientierung. Man ist einfach damit überfordert, plötzlich, auf eigene Verantwortung, selbst den Text zu schreiben.

Allerdings muss man sich auch mal fragen, ob diese eine Entscheidung ihrer Bedeutungsschwere gerecht wird. Diese meistens überstürtzte, früherwachsene und hormonüberladene Entscheidung darf nicht so ernst genommen werden.

Es hält sich die härtnäckige Idee, das Leben sei eine heilige Dreifaltigkeit aus Kindes-, Erwachsenen- und Greisesalter. Jeder Abschnitt sei zudem eine untrennbare Einheit. Eine neue Perspektive ist nötig: Das Arbeits- und Erwachsenenleben kann nämlich ein steter Wandel sein. Ein einziger Beruf, eine einzige Laufbahn ist keiesfalls bindend. Man kann und muss sich immer wieder zwischendurch fragen: Ist es das, was ich will? Was mach überhaupt hier?

Diese Überlegung nimmt viel Druck von den eh schon chronisch überforderten Abiturienten. Egal, was sie nach der Schule machen, es ist nicht falsch. Hauptsache nicht zuhause rumsitzen. Bevor man sich entscheiden kann, wo in die Welt man zieht, muss man sie erst kennen lernen. Und wenn man all diese Möglichkeiten gesehen hat, muss man
zuerst noch sich selbst noch kennen lernen. Eine Diskussion über Nosce te ipse führt vielleicht wieder vom Thema weg, vor Allem wenn man bedenkt, dass sich das eigene Ich auch verändern kann.

Deshalb, anstatt Alles auf eine Karte zu setzen und mehr als 40 Jahre lang den Preis dafür zu zahlen, darf man den Ernst und die Verantwortund getrost verschieben. Das Zukunfts-Ich darf nicht vergessen, dass es noch selber die Kontolle über sein Leben hat. Es darf sich nicht auf die Panikentscheidung eines Spätpubertierenden Wesens verlassen, das sich hauptsächlich durch Pizza, Kaffee und Vodka ernährt. Nach einer gewissen Zeit darf man nicht vergessen, feststehendes zu revidieren.

Letztendlich gibt es unzählige Wege durchs Leben zu kommen. Das Wichtigste ist bloß, sich bewusst, Tag für Tag, für Einen zu entscheiden.

– C.

 
 

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