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Eine Generation von postmodernen Taugenichtsen – Ein Gastbeitrag von C.

06 Nov

Diese Woche überlasse ich das Wort wieder einmal meinem guten Freund C. für einen weiteren seiner Gastbeiträge auf diesem Blog.

Kann man die Jugendlichen bzw. die jungen Erwachsenen von heute als Taugenichtse bezeichnen? Vielleicht. Wir wissen zumindest weder, wie wir in dieser Welt etwas zu Stande bringen können, noch was wir eigentlich erreichen sollen.
Das Problem ist eine der großen Errungenschaften des vergangenen Jahrhunderts. Nämlich hat jeder die Möglichkeit alles zu studieren. Deshalb haben wir zu viele Studenten. Ich gebe zu, das Problem ist schwer zu sehen, vor allem wenn man bedenkt, dass der freie, bedingungslose Zugang zu jeder Art von Bildung eigentlich überall gegeben sein soll. Jedoch, wenn ein Studium den Standard darstellt, ist jeder, der eine eigene Zukunftsvision hat, in einer veralteten, sozialen Hierarchie gefangen. Beispiel: wenn sich ein Gymnasiast nach frisch bestandenem Abitur beschließt Schreiner zu werden, stößt er wohl auf Unverständnis in seinem Bekanntenkreis, vielleicht sogar in seiner Familie.

Warum? Es ist heute ziemlich eindeutig, dass geistige Arbeit besser bezahlt und mehr geschätzt wird als körperliche. Genau das gilt es jetzt zu hinterfragen.

Vielleicht ist es bloß ein Relikt unserer bäuerlichen Tradition, weil Bildung früher gleichbedeutend mit einer steilen Karriere war. Dieses wichtige Detail hat sich heute geändert. Ein Studium ist heute keine Fahrkarte mehr ins Glück und wirft die Leute in einen unausgeglichenen Arbeitsmarkt. Was heute zählt, ist nicht mehr simples Wissen, sondern es sind Fertigkeiten, die man in keinem Hörsaal vermittelt bekommt. Der heutige Arbeitnehmer braucht eher Menschen- als Fachkenntnis. Ein Paar Kontakte und eine Portion Glück machen natürlich auch einen nicht unbedeutenden Unterschied.

Folglich muss man sich fragen, warum man sich dann überhaupt noch in einem Studium, das einen nicht interessiert, irrelevantes Wissen für einen nicht existierenden Bürojob anhäufen soll. In dieser Studieninflation darf man nicht vergessen, dass es noch andere Bildungswege gibt. Man darf diese getrost einschlagen, vielleicht sogar in Richtung eines Berufsfeldes, das einen wirklich interessiert.

Mit welcher Begründung kann das Handwerk dann eigentlich noch immer bildungstechnisch belächelt werden? Wenn die Arbeitswelt immer mehr Eigeninitiative von dem Einzelnen verlangt, sind die, die gelernt haben, selbst etwas mit ihren eigenen Händen
zu erschaffen, nicht im Vorteil?

Es ist also falsch, eine Generation von Akademikern heranziehen zu wollen. Reines Wissen reicht heute nicht mehr aus und es taugt auch nicht jeder zu theoretischer Arbeit, wofür die Burn-Out Rate ein Indiz ist. Doch solange die handwerklichen Berufe schulisch und gesellschaftlich vernachlässigt werden, trauen sich die Jugendlichen nicht, ihren wahren Interessen nachzugehen. Unsere Arbeitswelt könnte ungleich erfüllender für jeden sein, wenn wir diese veraltete Ansicht verwerfen und die Talente jedes Einzelnen nutzen würden.

– C.

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