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Archiv des Autors: Sophie Aduial

Chamäleon

Chamäleon

Ein paar Aschen rieselten langsam in den Aschenbecher, als er die Zigarette antippte. Erneut nahm er einen tiefen Zug und behielt den Rauch kurz im Mund, bevor er ganz langsam wieder ausatmete. Er wollte keinen Moment vergeuden, jeden Zug voll und ganz auskosten, denn nichts würde je in der Form, wie es sich ihm in dem Moment offenbarte, zurückkommen. Während er zuschaute, wie der Rauch sich in der Luft kräuselte und sein kurzes Kunstwerk formte, bevor er langsam entschwand, fraß die Glut sich weiter zum Filter hin. In dem Aschenbecher auf dem Tisch vor ihm häuften sich die Zigarettenstummeln, abgebrannt, wie von der Glut langsam verzehrte Persönlichkeiten, aus denen man nichts mehr extrahieren konnte, ausgebrannt.

Er hatte die Zigarette nun fast zu Ende geraucht, ihm blieben nur noch ein paar kleine Züge. Er wusste nicht, ob er sie zu Ende rauchen sollte, denn gegen Ende nahmen Zigaretten für ihn stets einen bitteren Geschmack an. Dann konnte er sich dem, was der Filter nach außen hin versteckte, nicht mehr entziehen. Doch eine genaue Auseinandersetzung mit den Substanzen, die sich darunter verbargen, war ihm zuwider. Während er noch überlegte, ob es sich lohne, spürte er, wie das Verlangen in ihm hochstieg, die Zigarette auszudrücken, um den Gedanken, die ihn einholten, zu entfliehen. Er wollte nicht nachdenken, er wollte ihre Wahrheiten nicht, er wollte die Inhaltsstoffe nicht kennen, die drohten, ihn umzubringen. Also warf er die Zigarette zu den anderen und während sie sich mit deren aschenem Kunstwerk vermischte, hatte er schon die nächste Zigarette angesteckt, diesmal eine andere Marke. Er hatte viele verschiedene Marken, da er sich nicht gerne beschränken ließ in seiner Auswahl und die Vielfalt der Möglichkeiten liebte.

Diese schmeckte anders, frisch, befreiend und er spürte wie sich sein Kopf zu entleeren schien. Zufrieden nahm er einen tiefen Zug und schloss genüsslich die Augen, bevor er sich in den Rauch hüllte.  Ein Zitat Fernando Pessoas kam ihn in den Sinn: „Erste Regel: Alles auf alle Weisen zu fühlen. Abschaffung des Dogmas der Persönlichkeit; jeder von uns sollte viele sein.“ Erneut nahm er einen tiefen Zug und ein angenehmer Geschmack breitete sich in seinem Mund aus. Die Zigarette schmeckte nach dieser süßen Freiheit, sich nicht festzulegen auf ein Individuum, sich  nicht einkerkern zu lassen in den Erfahrungen und Gedanken einer Person, sondern ständig im Wandel begriffen zu sein. Doch er hatte kein Interesse daran, auf alle Weisen zu fühlen. Alles zu fühlen, das klang durchaus verlockend für ihn, doch auf alle Weisen, das bedeutete auch, sich dem bitteren Geschmack einer Zigarette auszusetzen. Er blies den Rauch in die Luft hinaus und beschloss, seine Gedanken mit ihm ziehen zu lassen. Andere strömten auf ihn ein, während er den nächsten Zug nahm, doch anstatt sie festzuhalten, ließ er sie vorbeifließen.

Er wollte keine Gedanken, denn Gedanken bedeuteten Ideen und Ideen formten sich stets unweigerlich zu Meinungen, die bedeuteten, sich auf etwas festzulegen. Er wollte flüchtige Momente der Sinneswahrnehmung, die ihn streifen würden wie ein vorüberziehender Windhauch, denn „Fühlen bedeutet

Denken ohne Ideen, und

Fühlen bedeutet daher Verstehen,

da das Universum schließlich             keine Vorstellungen hat. Das Fühlen öffnet die Türen des Gefängnisses,

in dem das Denken

die Seele einschließt.

In den Vorräumen des Fühlens

ist Deutlichkeit verboten.

 

Zu verstehen, was eine andere

Person fühlt,                               bedeutet, sie selbst zu sein.“

 

Zufrieden gab er sich dem Fluss der rasch vorüberziehenden Eindrücke hin, doch versuchte er keinen davon festzuhalten. Während er eine neue Zigarette anfing, schloss er erneut genüsslich die Augen. Er würde wohl noch die ganze Nacht durch rauchen. Er wollte das Universum noch als viele weitere fühlen.

„Das Paradox ist

die charakteristische Ausdrucksweise der Natur.            Insofern nimmt

die gesamte Wahrheit eine paradoxale

Form an.

Die Charakteristiken der Objektivität

sind die Vielfalt, da ich,                                                                      während ich mich selbst

 

als EINER fühle,

das Universum als viele fühle.(…)“

Copyright Sophie Modert 2018

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Verfasst von - 9. Mai 2018 in Literatur

 

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Das Schreiben als Kampf: ein Versuch

Das Schreiben als Kampf: ein Versuch

„Gustav Aschenbach war der Dichter all derer, die am Rande der Erschöpfung arbeiten, der Überbürdeten, schon Aufgeriebenen, sich noch Aufrechthaltenden, all dieser Moralisten der Leistung.“

Wohl kaum eine literarische Figur versinnbildlicht die Züge des Kampfes, die das Schreiben annehmen kann, so deutlich wie der alternde Künstler Gustav Aschenbach in Thomas Manns Novelle „Der Tod in Venedig“. Betrachtet man das Schreiben aus der Perspektive Aschenbachs, so zieht man ihm die Maske ab, die es allein als Weg der Befreiung preist und erblickt die ambivalente Natur des Schreibprozesses. Denn das Schreiben vereint beides in sich, Befreiung sowohl wie einen existentiellen Kampf.

Befreiung bedeutet es insofern, als es einem erlaubt, in Ideen zu schwelgen und diese sich weiterentwickeln zu lassen. Der kreative Prozess des Schreibens beinhaltet stets eine Exkursion in die eigene Gedankenwelt sowie ein Umherschweifen in dieser. Denn am Anfang jedes Textes steht die Idee, ein abstrakter Entwurf, dem eine materielle Form verliehen werden muss. Doch Schreiben bedeutet mehr, als dem Papier eine Idee einzuhauchen. Es bedeutet auch, ein sprachliches Gefäß für den Inhalt, dem man Ausdruck verleihen will, zu erschaffen, das dessen würdig ist. Das Schreiben korrespondiert selten mit der romantischen Vorstellung der Schreibfeder, die wie von selbst übers Papier tanzt und dabei sprachliche Gebilde erschafft, sondern es verlangt Werkzeuge und Arbeit. Mit Hammer und Meißel trotzt man dem Felsen der Sprache Wort für Wort ab.

In unserem heutigen literarischen Verständnis zeichnet sich ästhetische Vollkommenheit jedoch nicht mehr durch reine stilistische Perfektion aus, sondern vor allem dadurch, inwiefern die Form dem Inhalt entspricht. Wenn Tom Weber zum Beispiel in seinem Gedicht „freier fall“ schreibt:

„manchmal ver

schön ert

rägt man den

zerfall (s)einer

 

welt“

 

so ist diese Form genauso gerechtfertigt, um die Verzweiflung und die Leere, die aus diesen Versen schreien, auszudrücken, wie Baudelaires von Stilfiguren gespickte Alexandriner, mit denen er dem Spleen Gestalt verleiht. Die Rolle des Schriftstellers hat sich also verändert, denn neben stilistischen Fertigkeiten muss er heute vor allem literarisches Feingefühl mitbringen. Somit hat der Kampf des Schreibens, wenn auch die Ansprüche sich gewandelt haben, keineswegs an Komplexität verloren, sondern sich viel mehr mit der Literatur weiterentwickelt.

 

Copyright Sophie Modert 2018

 
 

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Patrie

Un concept, une idée

Qui n’obtient sa forme matérielle

Que par les lettres

Qu’on lui a assignées.

Mais hors du récipient linguistique

Des concepts abstraits,

Elle s’habille dans toutes les couleurs

Qui naissent et qui meurent

Selon le spectateur.

Nos fragments de conceptions

Se lancent dans une danse fragile

Avec les lettres qui leur donnent

Une forme solide et durable,

Une signification objective

Pour des perceptions subjectives.

Ainsi le sourire des personnes aimées,

Les paysages et les voyages admirés,

Nos angoisses et nos désirs,

L’ensemble entier de nos souvenirs

Sont libérés de leur existence

Dispersée dans nos esprits

Et réunis sous un seul nom : Patrie.

 

Mais si les fragments sont unis

Par des forces d’autrui

Et prennent une dimension collective,

Le jeu des couleurs

Ne s’adapte plus au spectateur,

Mais rejoint la palette définie

De drapeaux et de nationalités

Et les lignes des frontières dessinées.

La danse fragile des fragments

Gagne désormais en solidité

Et suit le rythme ordonné

Par la volonté d’une identité prétendue.

Cependant elle ignore la litanie

De ses victimes muettes,

Jouant les notes les plus faibles

Dans un concert qui réunit

Toute la joie et le bonheur,

Toute la misère et l’horreur

Qui peuvent être provoqués

Par une idée,

Formée de six lettres : Patrie.

 

Copyright Sophie Modert 2018

 

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Promenade de nuit

La nuit est sombre,

mais par un regard tendre

elle remplit mon esprit

d`une douce mélancolie.



La lune jette ses rayons

et je me sens emportée

par une profonde passion

pour le goût de la liberté.



Le monde se retire

et je me donne aux rêves

que la lune m`inspire.



Peu à peu je m`enfuis,

un sourire sur les lèvres

et je disparais dans la nuit.


Copyright Sophie Modert 2015

Promenade de nuit
 
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Verfasst von - 13. Februar 2018 in poèmes français

 

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Venezianischer Sonnenaufgang

Venezianischer Sonnenaufgang

„Langsam steigt die aufgehende Sonne empor, ganz als ob sie nach der dunklen Nacht wieder ihren rechtmäßigen Platz im azurnen Himmelszelt einnehmen wolle, und taucht die impressionistische Morgenlandschaft Venedigs in ein blutrotes Licht.“

Zitat aus „Charons Barke“

Zur Feier der baldigen Veröffentlichung von Toms Novelle „Charons Barke“, möchte ich heute ein Gedicht mit euch teilen, das ich während einer Venedigreise geschrieben habe, die maßgeblich zur Inspiration dieser Novelle beigetrgagen hat. Der Sonnenaufgang, der das Cover der Novelle ziert, nimmt einen besonderen Platz in dieser Reise ein und somit erscheint er mir als passender Beitrag, um das Erscheinen von Toms erster Novelle zu zelebrieren.

 

Venezianischer Sonnenaufgang

 

Von blau ein blasser Hauch,

noch in fahle Farbe getaucht,

dies sind der Bühne Kulissen,

von einem roten Vorhang umrissen.




Ein silberner Schleier von Schlaf

hält die Stadt noch umarmt

und ein kleines Publikum allein

kostet des Morgen süßen Wein.




Einzelne Strahlen schickt sie voraus,

die durch des Vorhang weiße Falten

Zutritt zur weiten Welt erhalten,

doch zögert sie ihren Auftritt hinaus.




Immer kräftiger werden die Farben

als der Vorhang sich zieht zurück

und das stille Bild das sie malen,

ist in morgendliche Schönheit gerückt.




Als die Sonne feierlich die Bühne betritt

wird ein schwankendes Orchester ihr gewährt

durch der Gondeln plätscherndes Konzert

und von Säulen empfangen ihr Auftritt.




Noch ist die Bühne des Himmels Eigentum,

doch als die Stadt aus dem Schlaf erwacht,

wird das Schauspiel des Lebens neu entfacht.

Die Bühne gehört nun dem Publikum.

 

Sophie Modert 2016

 

 

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Creation

As the night is descending

And I feel its gentle touch

Embrace me once more,

I want to run and fade into

The tender nothingness

Of the darkness, whispering

My poetry to the wind,

So I may lose my consistency

And fall apart,

To merge with everything

I have never known

And leave nothing

But a fluent memory,

A shadow

Of a wandering soul.

 

Nevertheless I remain

To face a new reddening

Of the horizon.

The only witness

Of my inner dematerialization,

The only ocean which

Absorbs me every night,

Is the black ink

That drops down

From my feather

Onto the fragile innocence

And fading pureness

Of white paper.

Sophie Aduial

 

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Bubbles

Fast auf den Tag genau ein Jahr ist es nun her, dass ich in Benin das erste Gedicht geschrieben habe, zu dem mir die Idee kam, es mit einem Foto zu verknüpfen, was schlussendlich zu dem Buch „The Colours of Benin“ geführt hat. Da dies eine große Bedeutung für mich hatte, möchte ich dieses Gedicht und den Moment, in dem mir die Idee dazu kam, noch einmal mit euch teilen.

Falls ihr mehr über meine Zeit in Benin wissen wollt, könnt ihr euch meine anderen Blogbeiträge anschauen oder euch in meinem Buch „The Colours of Benin“ in meine anderen Gedichte über Benin reinlesen.

 

Bubbles

They are blown into the air

As the material visualisation

Of the hopes and dreams

Living inside an innocent head

And colouring this interior world.

But getting in contact

With the outside world,

Reality`s cruel touch

Demonstrates their fragility.

They are shattered

By the ceiling of poverty

And they cannot pass

The wall of borders,

Revealing themselves as illusions

And falling to the ground

Like raindrops and tears.

But some find their way

Into the air,

Ready to be transported

Across the world

By the winds of Africa.

 

Imago de Sophie Modert.

Copyright 2016 Sophie Modert

 

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Kunst trifft Poesie

Malerei ist Sprache für die Augen, Sprache ist Malerei für das Ohr.

the chronicles of An Overthinker

.thinking.reading.writing.

saminana

Human Rights, Literature and much more

Lyrifant

Wortgeweb & Sinngespinn

Knight Owl

I'd risk the fall, just to know how it feels to fly.