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English is cool, right ? #09

English is cool, right ? #09

The author as a word tamer. Words as the eternal, respected enemy.

Copyright for the photograph used: Catherine Thines (2016)

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Chamäleon

Chamäleon

Ein paar Aschen rieselten langsam in den Aschenbecher, als er die Zigarette antippte. Erneut nahm er einen tiefen Zug und hielt den Rauch kurz innen, bevor er ganz langsam wieder ausatmete. Er wollte keinen Moment vergeuden, jeden Zug voll und ganz auskosten, denn nichts würde je in der Form, wie es sich ihm in dem Moment offenbarte, zurückkommen. Während er zuschaute, wie der Rauch sich in der Luft kräuselte und sein kurzes Kunstwerk formte, bevor er langsam entschwand, fraß die Glut sich weiter zum Filter hin. In dem Aschenbecher auf dem Tisch vor ihm häuften sich die Zigarettenstummeln, abgebrannt, wie von der Glut langsam verzehrte Persönlichkeiten, aus denen man nichts mehr extrahieren konnte, ausgebrannt.

Er hatte die Zigarette nun fast zu Ende geraucht, ihm blieben nur noch ein paar kleine Züge. Er wusste nicht, ob er sie zu Ende rauchen sollte, denn gegen Ende nahmen Zigaretten für ihn stets einen bitteren Geschmack an. Dann konnte er sich dem, was der Filter nach außen hin versteckte, nicht mehr entziehen. Doch eine genaue Auseinandersetzung mit den Substanzen, die sich darunter verbargen, war ihm zuwider. Während er noch überlegte, ob es sich lohne, spürte er, wie das Verlangen in ihm hochstieg, die Zigarette auszudrücken, um den Gedanken, die ihn einholten, zu entfliehen. Er wollte nicht nachdenken, er wollte ihre Wahrheiten nicht, er wollte die Inhaltsstoffe nicht kennen, die drohten, ihn umzubringen. Also warf er die Zigarette zu den anderen und während sie sich mit deren aschenem Kunstwerk vermischte, hatte er schon die nächste Zigarette angesteckt, diesmal eine andere Marke. Er hatte viele verschiedene Marken, da er sich nicht gerne beschränken ließ in seiner Auswahl und die Vielfalt der Möglichkeiten liebte.

Diese schmeckte anders, frisch, befreiend und er spürte wie sich sein Kopf zu entleeren schien. Zufrieden nahm er einen tiefen Zug und schloss genüsslich die Augen, bevor er sich in den Rauch hüllte.  Ein Zitat Fernando Pessoas kam ihn in den Sinn: „Erste Regel: Alles auf alle Weisen zu fühlen. Abschaffung des Dogmas der Persönlichkeit; jeder von uns sollte viele sein.“ Erneut nahm er einen tiefen Zug und ein angenehmer Geschmack breitete sich in seinem Mund aus. Die Zigarette schmeckte nach dieser süßen Freiheit, sich nicht festzulegen auf ein Individuum, sich  nicht einkerkern zu lassen in den Erfahrungen und Gedanken einer Person, sondern ständig im Wandel begriffen zu sein. Doch er hatte kein Interesse daran, auf alle Weisen zu fühlen. Alles zu fühlen, das klang durchaus verlockend für ihn, doch auf alle Weisen, das bedeutete auch, sich dem bitteren Geschmack einer Zigarette auszusetzen. Er blies den Rauch in die Luft hinaus und beschloss, seine Gedanken mit ihm ziehen zu lassen. Andere strömten auf ihn ein, während er den nächsten Zug nahm, doch anstatt sie festzuhalten, ließ er sie vorbeifließen.

Er wollte keine Gedanken, denn Gedanken bedeuteten Ideen und Ideen formten sich stets unweigerlich zu Meinungen, die bedeuteten, sich auf etwas festzulegen. Er wollte flüchtige Momente der Sinneswahrnehmung, die ihn streifen würden wie ein vorüberziehender Windhauch, denn „Fühlen bedeutet

Denken ohne Ideen, und

Fühlen bedeutet daher Verstehen,

da das Universum schließlich             keine Vorstellungen hat. Das Fühlen öffnet die Türen des Gefängnisses,

in dem das Denken

die Seele einschließt.

In den Vorräumen des Fühlens

ist Deutlichkeit verboten.

 

Zu verstehen, was eine andere

Person fühlt,                               bedeutet, sie selbst zu sein.“

 

Zufrieden gab er sich dem Fluss der rasch vorüberziehenden Eindrücke hin, doch versuchte er keinen davon festzuhalten. Während er eine neue Zigarette anfing, schloss er erneut genüsslich die Augen. Er würde wohl noch die ganze Nacht durch rauchen. Er wollte das Universum noch als viele weitere fühlen.

„Das Paradox ist

die charakteristische Ausdrucksweise der Natur.            Insofern nimmt

die gesamte Wahrheit eine paradoxale

Form an.

Die Charakteristiken der Objektivität

sind die Vielfalt, da ich,                                                                      während ich mich selbst

 

als EINER fühle,

das Universum als viele fühle.(…)“

Copyright Sophie Modert 2018

Bildergebnis für zigaretten aschenbecher

 
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Verfasst von - 9. Mai 2018 in Literatur

 

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English is cool, right? #08

English is cool, right? #08

Who doesn’t like colours?

 

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Das Schreiben als Kampf: ein Versuch

Das Schreiben als Kampf: ein Versuch

„Gustav Aschenbach war der Dichter all derer, die am Rande der Erschöpfung arbeiten, der Überbürdeten, schon Aufgeriebenen, sich noch Aufrechthaltenden, all dieser Moralisten der Leistung.“

Wohl kaum eine literarische Figur versinnbildlicht die Züge des Kampfes, die das Schreiben annehmen kann, so deutlich wie der alternde Künstler Gustav Aschenbach in Thomas Manns Novelle „Der Tod in Venedig“. Betrachtet man das Schreiben aus der Perspektive Aschenbachs, so zieht man ihm die Maske ab, die es allein als Weg der Befreiung preist und erblickt die ambivalente Natur des Schreibprozesses. Denn das Schreiben vereint beides in sich, Befreiung sowohl wie einen existentiellen Kampf.

Befreiung bedeutet es insofern, dass es einem erlaubt, in Ideen zu schwelgen und diese sich weiterentwickeln zu lassen. Der kreative Prozess des Schreibens beinhaltet stets eine Exkursion in die eigene Gedankenwelt sowie ein Umherschweifen in dieser. Denn am Anfang jedes Textes steht die Idee, ein abstrakter Entwurf, dem eine materielle Form verliehen werden muss. Doch Schreiben bedeutet mehr, als dem Papier eine Idee einzuhauchen, sondern auch ein sprachliches Gefäß für den Inhalt, dem man Ausdruck verleihen will, zu erschaffen, das diesem würdig ist. Das Schreiben korrespondiert selten mit der romantischen Vorstellung der Schreibfeder, die wie von selbst übers Papier tanzt und dabei sprachliche Gebilde erschafft, sondern es verlangt Werkzeuge und Arbeit. Mit Hammer und Meißel trotzt man dem Felsen der Sprache Wort für Wort ab.

In unserem heutigen literarischen Verständnis zeichnet sich ästhetische Vollkommenheit jedoch nicht mehr durch reine stilistische Perfektion aus, sondern vor allem dadurch, inwiefern die Form dem Inhalt entspricht. Wenn Tom Weber zum Beispiel in seinem Gedicht „freier fall“ schreibt:

„manchmal ver

schön ert

rägt man den

zerfall (s)einer

 

welt“

 

so ist diese Form genauso gerechtfertigt, um die Verzweiflung und die Leere, die aus diesen Versen schreien, auszudrücken, wie Baudelaires von Stilfiguren gespickte Alexandriner, mit denen er dem Spleen Gestalt verleiht. Die Rolle des Schriftstellers hat sich also verändert, denn neben stilistischen Fertigkeiten muss er heute vor allem literarisches Feingefühl mitbringen. Somit hat der Kampf des Schreibens, wenn auch die Ansprüche sich gewandelt haben, keineswegs an Komplexität verloren, sondern sich viel mehr mit der Literatur weiterentwickelt.

 

Copyright Sophie Modert 2018

 
 

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mots contre maux #08

cinq

et pour un sourire

je serais là

et pour un sourire

j’écouterais que toi

et pour un sourire

je quitterais tout

et pour un sourire

je t’emmènerais loin

et pour un sourire

j’écrirais tout ça

et pour un sourire

je te le dis

je ferais tout

et n’importe quoi

pour un seul sourire

de toi

copyright 2018 tom weber

 
 

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Transitgeflüster

Transitgeflüster

Unterwegs. Es sprechen zwei vom selben Schlag.

Herr V: Ich hatte es dir gesagt.

Herr W: Ich glaube immer noch nicht, dass du Recht hast.

Herr V: Deine Ablehnung dieser Realität ist fast schon beeindruckend.

Herr W: Ich lehne nichts ab. Ich interpretiere was ich sehe bloß anders als du.

Herr V: Es wäre einfacher, wenn du endlich auf mich hören würdest. Haben sie dich nicht alle in eine Sackgasse geführt? Alle außer mir.

Herr W: Nein. Sie sind alle noch da. Niemand hat mich gänzlich verlassen, wie du es damals vorausgesagt hast.

Herr V: Aber die Leere, du spürst sie doch auch? Du musst sie spüren.

Herr W: Natürlich fühle ich die Leere. Sie breitet sich aus und scheint immer nur größer und unergründlicher zu werden.

Herr V: Es ist die Leere der menschlichen Existenz. Entstanden und genährt durch die ewige Einsamkeit des Individuums. Sie umgreift jeden einzelnen Menschen, doch wer sie erkennt, tut sich keinen Gefallen. Sie hat die Tendenz aggressiver zu werden, wenn sie erkannt wird.

Herr W: Spürst du sie in der gleichen Art wie ich?

Herr V: Wie soll ich? Ich fühle die Leere in Beziehung zu deinen Reaktionen. Du weißt genau, dass ich selbst kein Verständnis aufbauen kann. Unsere Erfahrungen sind miteinander verknüpft.

Herr W: Du bist eine erweiterte Existenz.

Herr V: Ich fühle den Widerstand. Unsere Existenzen in dieser Realität sind eher unterschiedlicher Art. Doch keiner von uns ist eigenständig.

Herr W: Deshalb versuchst du immer wieder Einfluss zu nehmen.

Herr V: Genau. Ich habe ein Interesse daran, dass wir unsere Reise durch diese Realität fortsetzen. Ich durste nach Erfahrungen.

Herr W: Ich habe nicht vor, unsere Reise zu beenden. Ich mag diese Realität auch. Aber mir gefällt deine Art nicht.

Herr V: Sie verspricht uns meiner Meinung nach am meisten Erfolg. Wir müssen unseren Vorteil gegenüber der Leere nutzen. Die menschliche Einsamkeit kann uns nämlich nicht absorbieren. Wir sind allein mit uns selbst.

Herr W: Wir brauchen die Andern. Ich jedenfalls brauche sie, ich weiß das jetzt.

Herr V: Ich verstehe deine Motivation nicht.

Herr W: Das ist genau mein Punkt. Es gibt nichts zu verstehen. Der Ausgang aus der Leere des Individuums befindet sich in der Selbstlosigkeit. Indem wir aus den Ketten unseres Egoismus ausbrechen, stellen wir die ursprüngliche Union aller Existenz in einem begrenzten Rahmen wieder her. Wir beide erleben vielleicht die gleichen Erfahrungen, mir scheint es jedoch, dass wir komplett unterschiedliche Schlüsse aus ihnen ziehen.

Herr V: Du warst immer schon fasziniert von der Liebe.

Herr W: Du unterschätzt ihre Macht immer noch.

Herr V: Wir brauchen neue Erfahrungen.

Herr W: Sie werden kommen.

copyright 2018 tom weber

 
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Verfasst von - 11. März 2018 in Literatur

 

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Patrie

Un concept, une idée

Qui n’obtient sa forme matérielle

Que par les lettres

Qu’on lui a assignées.

Mais hors du récipient linguistique

Des concepts abstraits,

Elle s’habille dans toutes les couleurs

Qui naissent et qui meurent

Selon le spectateur.

Nos fragments de conceptions

Se lancent dans une danse fragile

Avec les lettres qui leur donnent

Une forme solide et durable,

Une signification objective

Pour des perceptions subjectives.

Ainsi le sourire des personnes aimées,

Les paysages et les voyages admirés,

Nos angoisses et nos désirs,

L’ensemble entier de nos souvenirs

Sont libérés de leur existence

Dispersée dans nos esprits

Et réunis sous un seul nom : Patrie.

 

Mais si les fragments sont unis

Par des forces d’autrui

Et prennent une dimension collective,

Le jeu des couleurs

Ne s’adapte plus au spectateur,

Mais rejoint la palette définie

De drapeaux et de nationalités

Et les lignes des frontières dessinées.

La danse fragile des fragments

Gagne désormais en solidité

Et suit le rythme ordonné

Par la volonté d’une identité prétendue.

Cependant elle ignore la litanie

De ses victimes muettes,

Jouant les notes les plus faibles

Dans un concert qui réunit

Toute la joie et le bonheur,

Toute la misère et l’horreur

Qui peuvent être provoqués

Par une idée,

Formée de six lettres : Patrie.

 

Copyright Sophie Modert 2018

 

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Kunst trifft Poesie

Malerei ist Sprache für die Augen, Sprache ist Malerei für das Ohr.

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