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Schlagwort-Archive: Literatur

Hier findet ihr unsere eigenen literarischen Produktionen, aber auch Kommentare über Literatur oder Autoren.

Das Schreiben als Kampf: ein Versuch

Das Schreiben als Kampf: ein Versuch

„Gustav Aschenbach war der Dichter all derer, die am Rande der Erschöpfung arbeiten, der Überbürdeten, schon Aufgeriebenen, sich noch Aufrechthaltenden, all dieser Moralisten der Leistung.“

Wohl kaum eine literarische Figur versinnbildlicht die Züge des Kampfes, die das Schreiben annehmen kann, so deutlich wie der alternde Künstler Gustav Aschenbach in Thomas Manns Novelle „Der Tod in Venedig“. Betrachtet man das Schreiben aus der Perspektive Aschenbachs, so zieht man ihm die Maske ab, die es allein als Weg der Befreiung preist und erblickt die ambivalente Natur des Schreibprozesses. Denn das Schreiben vereint beides in sich, Befreiung sowohl wie einen existentiellen Kampf.

Befreiung bedeutet es insofern, als es einem erlaubt, in Ideen zu schwelgen und diese sich weiterentwickeln zu lassen. Der kreative Prozess des Schreibens beinhaltet stets eine Exkursion in die eigene Gedankenwelt sowie ein Umherschweifen in dieser. Denn am Anfang jedes Textes steht die Idee, ein abstrakter Entwurf, dem eine materielle Form verliehen werden muss. Doch Schreiben bedeutet mehr, als dem Papier eine Idee einzuhauchen. Es bedeutet auch, ein sprachliches Gefäß für den Inhalt, dem man Ausdruck verleihen will, zu erschaffen, das dessen würdig ist. Das Schreiben korrespondiert selten mit der romantischen Vorstellung der Schreibfeder, die wie von selbst übers Papier tanzt und dabei sprachliche Gebilde erschafft, sondern es verlangt Werkzeuge und Arbeit. Mit Hammer und Meißel trotzt man dem Felsen der Sprache Wort für Wort ab.

In unserem heutigen literarischen Verständnis zeichnet sich ästhetische Vollkommenheit jedoch nicht mehr durch reine stilistische Perfektion aus, sondern vor allem dadurch, inwiefern die Form dem Inhalt entspricht. Wenn Tom Weber zum Beispiel in seinem Gedicht „freier fall“ schreibt:

„manchmal ver

schön ert

rägt man den

zerfall (s)einer

 

welt“

 

so ist diese Form genauso gerechtfertigt, um die Verzweiflung und die Leere, die aus diesen Versen schreien, auszudrücken, wie Baudelaires von Stilfiguren gespickte Alexandriner, mit denen er dem Spleen Gestalt verleiht. Die Rolle des Schriftstellers hat sich also verändert, denn neben stilistischen Fertigkeiten muss er heute vor allem literarisches Feingefühl mitbringen. Somit hat der Kampf des Schreibens, wenn auch die Ansprüche sich gewandelt haben, keineswegs an Komplexität verloren, sondern sich viel mehr mit der Literatur weiterentwickelt.

 

Copyright Sophie Modert 2018

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„Charons Barke“: meine erste Novelle

Es ist mir heute eine große Freude, euch die Veröffentlichung meiner ersten Novelle anzukündigen !

Charons Barke erzählt die Geschichte von Tito Monteiro Rossi, einem jungen Italiener, der sich als bekennender Träumer in der scheinbar von Idealen befreiten Welt des 21. Jahrhunderts verloren fühlt. Als er jedoch Anja Reihl-Kir kennenlernt, eine Jüdin aus Kroatien, die in den 90er Jahren vor den jugoslawischen Separationskriegen nach Italien geflohen ist, scheint ihm das letzte große Ideal der Menschheit plötzlich zum Greifen nah. Die Novelle begleitet die zwei Suchenden während ihrer gemeinsamen Reise nach Venedig.

Charons Barke erscheint am 5. März 2018 als Paperback (7,99 €) und ebook (5,99 €). Ich werde das Buch während einer Lesung am 24. März im Kulturcafé in Grevenmacher präsentieren, wo ihr euch auch sehr gerne eure Exemplare von mir signieren lassen könnt.

Über die nächsten Wochen werde ich euch auf meiner Facebook-Seite in regelmäßigen Abschnitten kleinere Einblicke in das Buch gewähren, schaut also ruhig immer mal wieder dort vorbei.

 
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Verfasst von - 5. Januar 2018 in Literatur, Venedig

 

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Link

Die Literaturplattform New Literary Voices hat mir im Kontext eines Features auf ihrer Website einige Fragen gestellt. Informiert euch in diesem Interview über meinen Werdegang, meine Sicht der Literatur und vieles mehr:

https://newliteraryvoices.net/2017/12/17/destillation-der-realitaet/

 
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Verfasst von - 19. Dezember 2017 in Gemischtes, Literatur

 

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Lust auf ein Glas Lyrik?

Lust auf ein Glas Lyrik?

Man hat es definitiv nicht immer einfach als Lyriker. Oft wird man belächelt und selbst von Schriftstellerkollegen, zumeist Romanautoren, nicht ganz ernst genommen. Zu wenig Arbeit stecke dahinter, zu konfus und verschlossen sei das Resultat. Wir sind es gewohnt und spätestens seit Paul Verlaine den Begriff des poète maudit (verfemter Dichter) geprägt hat, schreiben die Lyriker in aller Stille ihre Verse am Rande der literarischen Welt. Manchmal geschehen jedoch noch Wunder. Diese Woche wurde bekannt, dass der Hamburger Lyriker Jan Wagner den Georg-Büchner-Preis erhält, die höchste deutsche Literaturauszeichnung.

Artikel über Jan Wagner selbst und warum der Preis absolut gerechtfertigt ist, kann man überall finden (hier beispielsweise der sehr gelungene Artikel von Michael Braun in der ZEIT). Ich will mich deshalb in meinem Kommentar auf die Gattung konzentrieren, die dieser Schriftsteller vertritt.

Warum überhaupt Lyrik? Das ist definitiv eine Frage der letzten Jahrhunderte, weil vorher niemand auch nur auf die Idee gekommen wäre, sie infrage zu stellen. Die Lyrik war über Jahrhunderte hinweg stets die dominierende Gattung der Literatur, der Roman während seiner Entstehungszeit verpönt als „niedere Kunst“. Mit dem Durchbruch der Prosa im 19. Jahrhundert änderte sich dies allerdings. Der Roman etablierte sich als die neue „Königsgattung“ der Literatur und drängte die Lyrik immer mehr in die Rolle des Orchideenfachs welches wir heute kennen. Selbst das Theater rückte mit Brechts epischer Dramatik weitaus deutlicher in Richtung prosaischer Inszenierung. Die reinen Lyriker sahen sich immer mehr einer unkontrollierbaren Mutation vom einst verehrten Dichterfürsten zum schrulligen Poeten ausgesetzt. Bei den großen Literaturpreisen rückten sie immer deutlicher in den Schatten der Romanautoren, die mit ihren großen Prosawerken alles zu überstrahlen schienen. Doch ganz verdängen ließ sie sich nie, die Lyrik, wenn es auch vielleicht die kleine Gruppe von Liebhabern ist, die sie noch am Leben hält. Denn die Lyrik hat außer ihrem Platz im Rampenlicht, nichts von ihrem großen Wert für die Literatur und die Kunst ganz allgemein, eingebüßt.

Innerhalb der Literatur ist die Lyrik sicherlich die künstlerischste der drei großen Gattungen. Nicht umsonst liegt im Wort Dichter das Verb dichten, der Lyriker als eine Person, die hochkomplexe Themen verdichtet. Ich persönlich vergleiche die Literatur im Allgemeinen und die Lyrik im Besonderen gerne mit dem Destillierverfahren während der Whiskyherstellung. Lyrik ist destillierte Realität, von Verunreinigungen befreit und auf ihren verletzlichen Kern zurückgeführt. Genau wie Whisky lässt sich zwar für jeden Text einen allgemeinen Charakter des Destillats festlegen, dennoch erlebt jeder eine eigene Erfahrung, beeinflusst durch die subjektiven Erfahrungen und Erinnerungen mit denen wir uns auf diese hochkonzentrierte Essenz einlassen. Bei richtigem, überlegtem Genießen kann sie bewusstseinserweiternd wirken, liebloser Konsum kann jedoch Kopfschmerzen und Unwohlsein auslösen. Der französische Dichter Yves Bonnefoy sprach von der Poesie als fondatrice d’être (zu dt. Schöpferin des Seins), sie macht aus den irrealen Zeichen und Formen die uns umgeben und die wir als Realität bezeichnen, erst Sinn und führt zu dem, nach Marcel Proust, einzig wahren Leben, wenn man natürlich gerade als Lyriker stets sehr vorsichtig mit dem Begriff der Wahrheit umgeht.

Die Lyrik ist nicht der kleine Bruder der Prosa, sie ist auch keineswegs der Außenseiter in der literarischen Welt. Wer so denkt, hat sich noch nicht wirklich mit ihr beschäftigt und sich ganz auf sie eingelassen. Die Verleihung des Georg-Büchner-Preises an Jan Wagner bietet meiner Meinung nach eine gute Gelegenheit, sich durch das Werk dieses äußerst talentierten Lyrikers einer Gattung anzunähern, die unsere Aufmerksamkeit verdient.

 
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Verfasst von - 25. Juni 2017 in Literatur

 

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Video

Post Scriptum #01 – Elo op YouTube !

Zäit fir eppes Neies… Déi éischt Emissioun vum Post Scriptum, eenem neie Videoformat vu mir, ass ab elo op YouTube disponibel !

 
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Verfasst von - 27. Mai 2017 in Gemischtes, Literatur

 

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Sonntagslyrik #16

Die Sonntagslyrik ist wieder da, zum ersten Mal im neuen Jahr !

 

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Mein 2016

Mit leichter Verspätung möchte ich euch heute meinen persönlichen Jahresrückblick präsentieren und gleich danach einen kurzen Blick auf kommende Projekte werfen. Ich arbeite momentan an sehr vielem gleichzeitig und unter anderem deswegen kommt dieser Beitrag nun mit einer Woche Verspätung, aber es wäre nun mal nicht Neujahr für mich, wenn ich meine erste Deadline nicht verpassen würde.
2016 war oberflächlich gesehen für mich persönlich ein sehr erfolgreiches Jahr. Ich habe die Allgemeine Hochschulreife im Juli erhalten, habe im August mein erstes Buch bei einem Kleinverlag veröffentlicht, stand im Oktober zum ersten Mal für vier Wochen auf einer Bühne, war im Dezember auf einer ganzen Seite in der luxemburgischen Tageszeitung „Tageblatt” mit einem Porträt vertreten und hatte die Gelegenheit meine Gedichte im Rahmen des literarischen Adventskalenders des Eldoradio Book Look vorzutragen. 

Wenn ich allerdings auf mein Jahr 2016 zurückblicke, sind es nicht diese Momente die für mich herausstechen. Wenn ich mich heute erinnere, dann an die Reise mit meiner Abiturklasse nach Venedig im Januar, drei Tage die ich bis heute als die drei besten Tage meines bisherigen Lebens bezeichne. Ich erinnere mich überhaupt sehr gerne an jeden einzelnen Moment dieses Abschlussjahres, weil es eine fantastische Zeit war, während der ich wirklich glücklich war. Lehrerinnen und Lehrer, die mich nicht nur inspirierten, sondern auch als Menschen begeisterten und die mich, mehr als sie es vielleicht selbst wissen, auf einen Weg gebracht haben, der beginnt mehr und mehr mein Leben zu bestimmen. Klassenkameraden, die mich in meiner Arbeit unterstützt haben, weil sie wirklich an ihre Qualität glauben und die mich bis heute motivieren weiter zu schreiben, weiter Kunst zu schaffen. Während dieser ganzen Zeit war ich jemand, während dieser Zeit lebte ich im tiefsten Sinne dieses Wortes. Es ist eine vergangene Zeit von der ich erzähle, dennoch lebe ich noch jeden Tag in ihr, weil es die Erinnerung an sie und diese Menschen ist, die mir die Kraft gibt weiter zu machen. Dies ist mein wahres 2016, dies ist schlussendlich ich.

Was kann man nun 2017 von mir erwarten ? Konkret werden kann ich leider nicht wirklich, da sehr vieles noch in Arbeit ist, ich bin aber gerade dabei die Arbeit an meinem nächsten Gedichtband abzuschließen. Meine Konzentration gilt deswegen vor allem diesem Projekt, weil ich wirklich hoffe, es in diesem Jahr noch vollenden zu können. Die Novelle, welche ich im Artikel im „Tageblatt” angekündigt habe, ist im Prinzip fertig geschrieben, d.h. die Geschichte ist von Anfang bis Ende bereits als Typoskript vorhanden, sie wird aber natürlich noch gründlich überarbeitet, was mindestens noch einmal so viel Zeit beansprucht, doch auch für dieses Projekt bin ich sehr optimistisch was eine Veröffentlichung angeht. In diesem Jahr möchte ich aber vor allem einfach deutlich mehr von allem machen. Kunst und vor allem die Literatur bestimmen mein Leben mehr denn je und ich merke, dass es an der Zeit ist, sich noch deutlicher in der Szene zu festigen. Ich fühle mich bereit und habe noch eine ganze Reihe anderer Projekte am Laufen, die ich hier jetzt nicht erwähnt habe, ihr könnt euch also noch sehr viel von mir in Zukunft erwarten.

Euch allen nachträglich noch ein frohes neues Jahr und ein großes Dankeschön an jeden, der regelmäßig oder auch sporadisch meine Texte liest und natürlich auch an alle Besucher des Blogs, die Sophie und mir regelmäßig ihre Aufmerksamkeit für ein paar Minuten leihen.

 
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Verfasst von - 8. Januar 2017 in Gemischtes

 

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Kunst trifft Poesie

Malerei ist Sprache für die Augen, Sprache ist Malerei für das Ohr.

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