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Schlagwort-Archive: Frankreich

Kurze Gedanken zu Burka und Burkini

Eines der meistdiskutierten Themen der vergangenen Wochen war wohl das Burka-Verbot und das kürzlich für nichtig erklärte Burkini-Verbot an manchen Stränden in Südfrankreich. Während dieser Debatten ist wie immer viel Unsinn verbreitet worden und deshalb möchte ich heute nur ganz kurz meine persönliche Meinung zu beiden Verboten ausdrücken.

Erst einmal das Burka-Verbot. Im Prinzip bin ich für ein solches Verbot, aber ich finde es wichtig genau darzustellen, warum man es ist. Die Burka, wie in minimal geringerem Maß auch der Nikab, verdeckt das Gesicht vollständig. Dies stellt ein hohes Sicherhheitsrisiko dar und deshalb sollte das Tragen zumindest auf öffentlichen Plätzen verboten sein, da man ja auch nicht beispielsweise mit einer Skimaske herumlaufen darf. Dieses Verbot darf nicht religiös motiviert sein und Argumente dieser Art sind meiner Meinung nach auch komplett überflüssig. Ein mögliches Verbot würde einen minimalen Teil der muslimischen Bevölkerung betreffen, aber wenn man manchen Leuten zuhört könnte man meinen jede zweite Muslima würde mit einer Burka herumlaufen. Wir verschwenden wertvolle Zeit über ein Verbot mit lächerlich geringem Impakt zu diskutieren, während wichtigere Probleme dadurch zu kurz kommen.

So nun zum Burkini-Verbot in Frankreich. Erst einmal muss man klarstellen, dass der Burkini eigentlich wenig mit der Burka zu tun hat. Bei ersterem handelt es sich eher um einen Ganzkörperbadeanzug der das Gesicht sogar komplett freilässt. Ihn zu verbieten ist einfach nur lächerlich, da es hierfür wirklich überhaupt keine stichhaltigen Argumente gibt und die meisten die ich in Frankreich gehört und gelesen habe waren ganz klar islamophobisch geprägt. Ich erinnere an dieser Stelle sehr gerne daran, wie skandalös das Erscheinen des Bikinis im letzten Jahrhundert war und wie ein Großteil es als ein Affront gegenüber unseren Sitten aufgefasst hatte. Heute muss man dann in der Zeitung lesen, dass französische Polizisten eine Frau am Strand zwingen einen Teil ihres Badeanzugs abzulegen. Der Burkini verdeckt ungefähr gleich viel von einer Frau wie die Nonnentrachten es in der Kirche tun, aber ich sehe keine Proteste für eine Befreiung der Nonnen aus ihrem „textilen Gefängnis”. Müsste ein Burkini-Verbot eigentlich nicht auch sämtliche Ganzkörperbadeanzüge mit einbinden? Sollte man dann nicht auch Frauen, die einen solchen tragen, weil sie beispielsweise Verbrennungen erlitten haben zwingen diesen abzulegen? Natürlich nicht. Es ist gut, dass Frankreichs höchste juristische Instanz das Verbot gekippt hat, denn es basierte exklusiv auf irrationalen Ängsten und haltlosen Vorurteilen.

Erster Mann: Wir suchen nach Zeichen religiöser Ostentation…

Zweiter Mann: Hätten Sie vielleicht einen Burkini oder eine verhüllte Muslima gesehen?

Bildunterschrift: Scheinheiligkeit am Strand…

 
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Verfasst von - 28. August 2016 in Politik

 

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Der Brexit: eine vorläufige Meinung

Der Brexit: eine vorläufige Meinung

Toll, sogar an unserem Nationalfeiertag schaffen es die Briten uns die Laune zu verderben. Was viele unserer europäischen Nachbarn wahrscheinlich nicht wussten ist, dass am 23. Juni nicht nur die Briten für den Brexit gestimmt haben sondern wir Luxemburger auch noch unseren Nationalfeiertag gefeiert haben. Aber Spaß beiseite, ich möchte euch heute meine persönliche Position zum britischen Referendum darlegen. Ich habe bereits am Freitag auf meiner Facebook Seite kurz Stellung zu diesem Thema genommen, doch ich wollte das ganze noch einmal mit etwas zeitlicher Distanz betrachten. Das Ergebnis, welches ich am frühen Freitagmorgen erfuhr, war für mich ein Schock. Obwohl es bis zum Schluss sehr knapp war, habe ich eigentlich nie wirklich geglaubt, dass die Befürworter des Brexit sich durchsetzen könnten. Doch der anfängliche Schock wich bei mir schnell einem starken Bedürfnis die Hintergründe dieser Entscheidung zu verstehen. Nach vielen Statistiken und Analysen in Medien unterschiedlicher Sprachen fühle ich mich inzwischen informiert genug meine Meinung hier festhalten zu können. Ich werde dies nun in drei Momenten versuchen und beginne mit der Situation der Briten selbst.

Die Lage in Großbritannien

Was mich besonders in der Berichtserstattung einzelner deutschen (obwohl diese Phrase freilich auch in anderen Ländern so benutzt wird, es ist mir lediglich im Ton des ZDF beispielsweise deutlicher aufgefallen) Medien stört, ist dieser Satz: „Die Briten haben sich für den Austritt aus der EU entschieden”. Verfolgt man besonders die öffentliche Diskussion in Großbritannien selbst kann man über eine solche Pauschalisierung eigentlich nur den Kopf schütteln. Der Brexit wurde mit gerade einmal 51 % der Stimmen entschieden, das ist eine hauchdünne Mehrheit! Schotten und Nordiren haben gar eindeutig gegen einen Brexit gestimmt, genau so verschiedene englische Metropolen wie beispielsweise London. Wenn 51 % der Briten für einen Brexit gestimmt haben, bedeutet dies immer noch, dass fast die Hälfte der Briten für einen Verbleib in der EU gestimmt haben. Zieht man dazu noch in Betracht, dass sich viele die am Donnerstag für den Brexit gestimmt haben von der Kampagne und vor allem von deren Wortführern betrogen fühlen, so z.B. von UKIP Chef Nigel Farage, der bereits am frühen Freitagmorgen in der Sendung „Good Morning Britain” ein zentrales Versprechen der Brexit Kampagne, nämlich die angeblichen 350.000 £ welche Großbritannien an Brüssel zahle (eine Zahl die stark übertrieben ist und sich eher um die 140.000 £ befindet wenn man Briten Rabatte und Zahlungen der EU an London mit in Betracht zieht) nach einem Austritt in die nationale Krankenkasse zu investieren, bereits revidieren musste, so muss man die Aussage „die Briten” hätten sich gegen die EU entschieden stark in Frage stellen. Dies ist nur ein Beispiel für die systematische Blendung und den mit emotional-romantischem Nationalismus aufgeladenen Populismus mit dem die Kampagne für den Ausstieg geführt wurde. Farage, Johnson und Co werden im Laufe der nächsten Monate noch viele ihrer Versprechen revidieren müssen, so beispielsweise auch die angebliche Befreiung von EU Reglementierungen um nur ein weiteres zu nennen. Großbritannien ist darauf angewiesen ein Handelsabkommen mit der EU abzuschließen und dies wird zwangsweise darauf hinauslaufen auch die EU Reglementierungen zu akzeptieren. Außerhalb der EU haben die Briten dann aber auch keinen Einfluss mehr auf die Schaffung neuer Reglementierungen. Win-Win sieht definitiv anders aus. Zudem droht das Königreich an diesem Referendum zu zerbrechen. Wie bereits zuvor erwähnt haben Nordiren und Schotten sich klar für einen Verbleib in der EU ausgesprochen und zumindest die Schotten haben bereits klar gestellt, dass einem zweiten Referendum über eine Unabhängigkeit Schottlands nun eigentlich nichts mehr im Weg steht. Doch der Bruch zieht sich nicht nur durch die einzelnen Mitglieder des Königreiches sondern auch durch die Generationen und auch durch Stadt und Land. Dies hat bereits zu der Schaffung einer Petition geführt, welche die Unabhängigkeit Londons fordert! All diese Beispiele weisen klar auf eine deutlich komplexere Situation hin, als viele Medien sie uns präsentieren. Großbritannien ist mindestens genau so schockiert wie viele andere Länder und steht einer ungewissen Zukunft gegenüber. Doch wie sieht es in Europa aus?

Quo vadis Europa?

Für jeden überzeugten Europäer war dieses Votum natürlich ein Stich ins Herz. In Zeiten von aufsteigendem Nationalismus und Euroskeptizismus konnte dieser Brexit eigentlich nicht ungelegener kommen. Unmittelbar danach kamen natürlich die euphorischen Glückwünsche von unseren kleinkarierten Möchtegern Staatsfrauen und Männern wie Marine LePen oder Geert Wilders. Natürlich freuen sie sich, ist der Brexit doch vor allem auch ein vorläufiger Triumph des Populismus und der Panikmache, welche sie genau so auch in ihren jeweiligen Ländern betreiben. Nicht nur fordern sie jetzt auch Referenden über einen „Frexit” respektive einen „Nexit”, mit Dänemark steht bereits ein weitaus konkreterer Kandidat in der Warteschlange der möglichen Aussteiger. Doch ich persönlich halte es für überhastet die EU bereits für Tod zu erklären. Nicht nur sprechen intellektuelle Brandstifter wie LePen oder Wilders, trotz gegenteiliger Aussage ihrerseits, noch nicht für alle Franzosen oder Holländer, auch die so genannte EU Verdrossenheit wird von vielen Medien geradezu hyperbolisch dargestellt. Natürlich ist sie da, daran besteht kein Zweifel, es gibt eine gewisse Unzufriedenheit und es ist definitiv Aufgabe der Politik diese anzugehen, doch es ist wichtig hervorzuheben, dass es neben den vielen Kritikern doch auch viele Befürworter der EU gibt. Das Referendum in Großbritannien hat auch klar gezeigt wo in der Gesellschaft sich diese befinden: in den Städten, zumeist jung und mit guter Ausbildung. Desto älter und weniger gut ausgebildet, desto eher scheinen Bürger auf antieuropäische Propaganda an zuspringen. Dies offenbart uns ein klares Bild von Europa: eine Kluft zieht sich durch die Union, doch Mauern zu bauen löst wie in so vielen Fällen auch hier nicht das Problem. Dies führt auf lange Weile nur dazu, dass wir einander ab einem gewissen Moment nicht mehr sehen, doch die Kluft, das eigentliche Problem, ist noch immer da und bleibt unüberwunden. Nein, der einzige Weg diese Kluft zu überwinden ist Brücken zu bauen und genau dies sollte die zukünftige Aufgabe europäischer, aber auch sozialer, Politik sein.

Sinn und Unsinn eines Referendums

Abschließen möchte ich diesen Beitrag dann noch mit einigen Gedanken zum Konzept des Referendums im Allgemeinen. Wenn der Brexit eines für mich ganz besonders klar aufgezeigt hat, dann die Unsinnigkeit solcher Referenden. Welchen Sinn hat es, die breite Bevölkerung über solch hoch komplexen politischen Fragen abstimmen zu lassen? Viele der am Referendum beteiligten waren sehr wahrscheinlich spärlich bis gar nicht informiert und haben ihre Entscheidung auf Gefühlen oder der Propaganda basiert, welche ihnen in teils unverschämten Maß zugeführt wurde. Was nun folgt ist meine persönliche Meinung und es ist eine, welche mich als Politiker wahrscheinlich sofort ins Abseits katapultieren würde, genau deshalb sage ich sie hier auch nicht als Politiker sondern als Schriftsteller: meiner Meinung nach brauchen wir in unserer Form der Demokratie das Referendum überhaupt nicht. Warum leben wir denn in einer so genannten repräsentativen Demokratie? Ganz im Sinne der von Philosophen des Liberalismus wie Benjamin Constant propagierten „negativen Freiheit” sollte sich unsere Beteiligung an der Regierung des Landes auf die Wahl derselben beschränken. Natürlich verstehe ich, dass von Zeit zu Zeit Fragen aufkommen, bei denen man lieber die Bevölkerung konsultiert, doch selbst wenn man dies tut bleibt ein Punkt der sich meines Verständnisses entzieht. In jedem Parlament braucht man um die Verfassung zu ändern mindestens eine 2/3 Mehrheit. Warum reicht eine so hauchdünne Mehrheit wie 51 % um über eine so wichtige Frage wie die eines EU Austrittes zu entscheiden? Wenn man solche Referenden in Zukunft unbedingt organisieren will, dann sollte man es meiner Meinung nach wenigstens zur Regel machen, dass genau wie im Parlament mindestens eine 2/3 Mehrheit nötig ist um den status quo zu ändern. 

Das Resultat des Referendums zum Brexit hat also viel Schock und Unsicherheit, auch bei den Briten selbst, ausgelöst. Doch vom Vormarsch der Euroskeptiker und Nationalisten will zumindest ich vorerst noch nicht sprechen, das britische Referendum hat eine Spaltung offenbart aber kein erdrückendes Übergewicht der Antieuropäer. Meine persönliche Lieblingsreaktion, mit der ich dann auch abschließen möchte, zum Brexit stammt übrigens von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Auf die Frage einer Journalistin „Is this the beginning of the end of the European Union?” antwortete er meisterlich mit der einzig logischen Antwort auf eine solche Frage: „No.”

Lesenswerte Artikel zum Brexit:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/nach-brexit-kommt-bregret-briten-bereuen-eu-austritt-a-1099778.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/brexit-die-ergebnisse-in-einer-karte-a-1099133.html

http://www.spiegel.de/politik/ausland/brexit-und-was-kommt-jetzt-a-1099747.html

http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/brexit-populisten-bringen-den-westen-an-den-rand-des-scheiterns-a-1099788.html

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-06/brexit-schottland-unabhaengigkeit-referendum-reaktionen-konsequenzen

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-06/eu-ausstieg-brexit-parlament-verbleib

English:

http://www.theguardian.com/politics/2016/jun/25/london-city-eu-passport-brexit

http://www.theguardian.com/politics/2016/jun/25/brexit-vote-brings-fresh-surge-of-support-for-scottish-independence

http://www.huffingtonpost.ca/2016/06/24/canada-u-s-free-trade-deals-imperilled-by-british-vote-to-leave-eu-experts_n_10660236.html

Français:

http://touch.metronews.fr/info/video-brexit-pres-de-trois-millions-de-britanniques-reclament-un-nouveau-referendum-dans-une-petition/mpfy!t9DTAkmeeEbds/

http://touch.metronews.fr/info/qu-est-ce-que-l-ue-quand-les-britanniques-se-posent-des-questions-essentielles-apres-le-scrutin/mpfy!JudRl0DtWCaB2/

http://touch.metronews.fr/info/brexit-quel-avenir-pour-l-union-britannique/mpfx!ojPgjbD389pZ/

Italiano:

http://www.lastampa.it/2016/06/26/esteri/la-mia-londra-anno-la-capitale-senza-europa-ha-perduto-anche-i-colori-ogEk1N296TxOFSSNnlZFqM/pagina.html

http://www.lastampa.it/2016/06/25/esteri/nel-regno-disunito-elisabetta-pensa-alla-reggenza-di-carlo-nZ4QftPfWMUZ5LEJoRRA2M/pagina.html

http://www.lastampa.it/2016/06/25/cultura/opinioni/editoriali/il-ritorno-degli-egoismi-nazionali-7Z7YFB0HqRwsiXEuEzzV0N/pagina.html

http://www.repubblica.it/politica/2016/06/24/news/renzi_convoca_vertice-142711914/

 
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Verfasst von - 26. Juni 2016 in Politik

 

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Sonntagslyrik

Weiteres aus der lyrischen Experimentierkammer… Einen schönen Sonntag wünsche ich euch allen!

 

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Entschuldigung an ein Buch

Entschuldigung an ein Buch

Jeder macht Fehler. Dies ist eine Erkenntnis welcher man sich bei jeder Entscheidung bewusst sein sollte. Ich schreibe diesen Artikel um einen solchen Fehler einzugestehen. Dieser Fehler betrifft die Einschätzung eines Buches. Ein Buch, welches ich das erste Mal im August letzten Jahres gelesen hatte und damals mit wenig Begeisterung und fast unter Zwang beendet hatte. Den Stil empfand ich als schwerfällig, viele Charaktere als nervig bis unsympathisch und die Geschichte an sich als eher mittelmässig spannend. Nun muss man wissen, dass dieses Buch Teil des Abiturprogramms in Luxemburg ist und ich es deswegen glücklicherweise nicht bei dieser ersten Lektüre belassen habe. Das Buch in Frage ist Madame Bovary des französischen Autors Gustave Flaubert.

Ich möchte in diesem Artikel nicht nur meinen Fehler eingestehen und meine erste eher negative Meinung widerrufen. Nein, ich möchte mich bei diesem Buch entschuldigen. Nach einer zweiten Lektüre kommt es mir nämlich einfach nicht in den Kopf, wie ich den Wert dieses Klassikers nicht sofort erkennen konnte. Madame Bovary erzählt die tragische Geschichte von Illusionen, Wünschen und wie diese von der unerbittlichen Langweile des Alltags zerbrochen werden. Emma Bovary, wenn auch mit Zeiten unbestreitbar etwas anstrengend, ist doch eigentlich die Gefangene dieser mittelmässigen Welt, welche sie in ihrer ganzen monotonen Banalität regelrecht erdrückt. Jeder der Peter Handkes Wunschloses Unglück gelesen hat*, weiß wie real dieser von Flaubert geprägte Bovarysmus wirklich ist. Wie kann man, besonders als Künstler, nicht mit dieser Gefangenen des Alltags mitfühlen? Denunziert Flaubert in seinem Roman nichts anderes als das unumgängliche Scheitern des künstlerischen Geistes in einer Welt, welche an pedantischem Kleinbürgertum und dumpfer Borniertheit kaum zu überbieten ist? Doch zum Meisterwerk wird der Roman, meiner Meinung nach, durch die Kombination von Emmas unstillbarem Lebensdurst mit Charles Bovarys fast schon hilflos wirkender Unsicherheit. Wie kann man nicht mitfühlen mit diesem Trauerspiel eines Mannes, diesem ewigen Kleinkind, welches vom Leben an sich ständig überfordert scheint? Charles Bovary ist kein schlechter Mensch, bei weitem nicht, und gerade dieser Umstand definiert die Tragik seiner Rolle. Passiv, ohne Kontrolle über seine Frau oder sogar sich selbst, schlittert er immer tiefer in eine dunkle Schlucht aus der es keinen Ausweg mehr für ihn geben soll. Anders als Emma hat er keine Illusionen, welche zerbrechen könnten. Er ist von Kind an ein gebrochener Mensch gewesen. Es ist genau diese Hilflosigkeit, die Sinnlosigkeit auch, welche die Handlung dominiert und sie so wunderschön tragisch macht. Die Unerbitterlichkeit mit welcher Flaubert seine Charaktere und mit ihnen dem Leser immer wieder die Grenzen des Menschseins aufzeigt kann einen eigentlich nicht unberührt lassen. Ob Flaubert jetzt wirklich einmal gesagt hat „Madame Bovary c’est moi” (= Ich bin Madame Bovary) wird man wahrscheinlich nie nachweisen können. Ich hingegen mache aus meiner neuen Stellung keinen Hehl: Ja, auch ich bin Madame Bovary!

Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa! Ich muss meinen Fehler also eingestehen, ich habe dieses Buch fälschlicherweise zu früh verurteilt. Verspätet und erst nach zweiter Lektüre habe ich den meisterlichen Wert dieses herrlichen Stück Literaturs erkannt und ich kann nur hoffen, dass ich ihm mit diesem kurzen Artikel die Würde und den Respekt zurückgegeben habe, welche es wirklich verdient. 

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*In Wunschloses Unglück verarbeitete Peter Handke den Selbstmord seiner Mutter, welche wie Emma Bovary ein Leben lang von den Zwängen des Dorflebens erdrückt wurde.

 
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Verfasst von - 14. Februar 2016 in Literatur

 

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Der Ruf des Volkes

Der Ruf des Volkes

Anstelle eines regulären Beitrags, will ich meine Meinung zu einem bestimmten Thema heute mit einem Gedicht ausdrücken. Das Thema, welches ich ansprechen will, ist die immer noch sehr präsente PEGIDA sowie der drohende Wahlerfolg des Front National in Frankreich. Dieses Gedicht habe ich schon vor einer Weile verfasst, doch ich glaube, dass es (leider) immer noch zutrifft.

Der Ruf des Volkes


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Verfasst von - 22. März 2015 in Literatur, Politik

 

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Kunst trifft Poesie

Malerei ist Sprache für die Augen, Sprache ist Malerei für das Ohr.

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