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Schlagwort-Archive: Toleranz

Genug ist genug! – Eine Stellungnahme

Genug ist genug! – Eine Stellungnahme

Eigentlich wollte ich diesen Sonntag die Vergabe des Literaturnobelpreises an Bob Dylan kommentieren. Ich wollte über Literatur, Musik und ihre Vertreter und Vertreterinnen schreiben, ein Thema welches, wie ihr wisst, mich über alles passioniert. Ich sehe mich jedoch in Anbetracht des neuesten Aufschreis im US Wahlkampf dazu verpflichtet mich den unzähligen Kommentaren zu Donald Trump und dem Wahlkampf für den er steht anzuschließen. Nicht um Kopf schüttelnd und leicht schmunzelnd darüber zu scherzen wie inkompetent oder kleinkariert dieser Mann ist. Sondern um wütend und erschüttert ein Verhalten anzuprangern welches der Menschlichkeit geradezu ins Gesicht spuckt.

So ziemlich jeder hat wohl inzwischen von dem aufgetauchten Video gehört, welches auf ein Neues den Menschen Donald Trump eindeutig offen legt. Ich will hier keinen einzigen seiner widerwärtigen Kommentare zitieren, es ärgert mich schon genug sie überhaupt in meinem Kopf zu haben. Sie zeigen einen Menschen mit einem menschenverachtenden, sexistischen Weltbild der seinen zweifelhaften Reichtum und vor allem seine erkaufte Bekanntheit als eine Art Freifahrtschein zum Begehen von Straftaten ansieht. Denn sprechen wir es einmal deutlich aus: das wovon Donald Trump in diesem Video spricht, ist kriminelles Verhalten. Wer sich an jemandem ohne deren Einverständnis vergeht ist ein Vergewaltiger, unabhängig davon wie viel er auf seinem Konto hat. Man hat Donald Trump vieles durchgehen lassen während diesem Wahlkampf, sein geradezu beschämendes Unwissen betreffend der Weltpolitik, seine absurden Verschwörungstheorien, seine zweifelhaften Finanzen, seine unerträglichen rassistischen Ausbrüche, seine teilweise offene Aufrufe zur Gewalt und sogar seine herzlose Respektlosigkeit gegenüber der Familie eines gefallenen Soldaten. Dieser Mann hat sich schon vor langer Zeit disqualifiziert, jetzt aber ist er ein potenzieller Gewalttäter der nichts mehr in diesem Wahlkampf verloren hat.  Michelle Obama, diese wunderbare, starke Frau, hatte absolut Recht als sie diese Woche sagte:

„[..] So while I’d love nothing more than to pretend like this isn’t happening, and to come out here and do my normal campaign speech, it would be dishonest and disingenuous to me to just move on to the next thing like this was all just a bad dream. […]“

Dies ist nicht einfach nur ein weiterer Ausfall à la Trump, dies ist ein Affront gegen unsere Zivilisation. Ich habe mich bisher zurückgehalten, aber genug ist einfach genug!

Ein anderer Punkt aber auf den ich zu sprechen kommen möchte, betrifft die Reaktionen der Republikaner auf diese jüngste Enthüllung. Dieses Mal blieben sie nämlich nicht aus, eine ganze Reihe republikanischer Politiker haben sich endlich von Trump distanziert, doch die Wortwahl ihrer Reaktionen stört dennoch. So twitterte beispielsweise Jeb Bush:

„As the grandfather of two precious girls, I find that no apology can excuse away Donald Trump’s reprehensible comments degrading women.“

Senator Mitch Mcconnell reagierte ähnlich:

„[…] As the father of three daughters, I strongly believe that Trump needs to apologize directly to women and girls everywhere, and take full responsibility for the utter lack of respect for women shown in his comments on that tape.“

Einer der wichtigsten Geldgeber der Republikaner, David Humphreys, hat sich ebenfalls von Trump distanziert und wird in der New York Times mit folgenden Worten zitiert:

„At some point, you have to look in the mirror and recognize that you cannot possibly justify support for Trump to your children – especially your daughters.“

Fügen wir dieser Aufzählung noch die Reaktion des ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney hinzu:

„It is degrading to our women, to our daughters, our granddaughters […]“

Der südafrikanische Satiriker Trevor Noah, momentan Moderator der in Amerika bekannten „Daily Show“ hat das Problem welches diese Aussagen aufwerfen hervorragend auf den Punkt gebracht (seht euch in diesem Zusammenhang auch gerne den ganzen Videobeitrag an):

„I love how they feel the need to use the women in their families to justify their outrage […] The Trump tape shouldn’t offend you on behalf of females, it should offend you as a human being.“

Dies ist ein Problem, welches nicht nur Sexismus betrifft, sondern auch Rassismus und alle andere Formen von sozialer Ausgrenzung. Wir können und dürfen es nicht immer nur den Minderheiten oder der bedrängten Gruppe überlassen für ihre Rechte zu kämpfen, auch wir als weiße Männer müssen es als unsere Pflicht ansehen gegen eine solche Diskriminierung vorzugehen. Denn Trumps Aussagen greifen nicht nur Frauen an: indem er es als „locker room talk“ abtut, beleidigt er jeden aufgeklärten, toleranten Mann und es wird endlich Zeit, dass wir uns gemeinsam gegen diesen reaktionären Hass wehren. Der Augenblick ist gekommen an dem wir alle klar Stellung beziehen müssen, gegen all jene Trump Anhänger und „besorgten Bürger”. Wenn wir schon bei jenen sind, einer ihrer Lieblingsausrufe ist ja „Volksverräter”. Im Spiegel hat Roland Nelles vor kurzem einen Kommentar geschrieben welcher den Titel trug: „Volksverräter? Aber gerne doch!”. Ich kann mich seinem Fazit dort nur anschließen in welchem er sagt:

„Wer so redet, hat entweder keinerlei aufgeklärte politische Bildung genossen oder ist ein Anti-Demokrat. Oder beides. Als „Volksverräter“ wurden nach dem Ersten Weltkrieg von Rechtsextremen erst all jene Demokraten betitelt, die sich für einen Frieden stark gemacht hatten und für die Weimarer Republik eintraten. Dann führten die Nazis den Begriff ins Strafrecht ein. Fortan konnte jeder als Volksverräter verurteilt werden, der sich gegen die rassisch definierte Idee der „Volksgemeinschaft“ auflehnte. Schon die kleinste missliebige Äußerung gegen das NS-Regime war mithin „Volksverrat“. In diesem Sinne müsste man den Dresdner Demonstranten entgegenrufen: Wenn ihr mich Volksverräter nennt, bin ich es gerne.”

Damit komme ich dann auch zu meinem letzten Punkt. Was wir aus dieser ganzen Geschichte zurückbehalten müssen ist meiner Meinung nach, dass wir wieder mehr klare Meinungen brauchen. Wir brauchen Menschen die sich wieder deutlich zur Toleranz und Menschlichkeit bekennen und diese Werte mit mindestens so großer Vehemenz verteidigen wie die Populisten und Extremisten ihre Dogmen der Diskriminierung und Ausgrenzung.
An alle Männer sage ich deshalb: ignoriert diese Meldungen nicht, seid schockiert! Und wenn ihr schockiert seid, dann nicht stellvertretend für die Frauen, sondern persönlich, als Menschen!
An alle jungen Menschen sage ich deshalb: lasst die Welt nicht an euch vorbeiziehen, interessiert euch für das Weltgeschehen! Macht Gebrauch von eurem Wahlrecht und gestaltet die Gesellschaft mit in der ihr leben wollt!

Wir haben lange über Trumps Aussagen gelacht, haben uns Videos geschickt und warteten doch, wenn wir einmal ehrlich mit uns selbst sind, immer mit etwas Spannung auf seinen nächsten Ausfall. Doch diese Zeit ist nun vorbei, nun gilt es gemeinsam unsere Stimmen zu erheben und ein deutliches Zeichen für die Welt zu setzen in der wir leben wollen. Donald Trump ruft inzwischen zur Revolution und zum Kampf auf, es liegt an uns ihm diese Gesellschaft und deren Werte, für die unsere Vorfahren so lange gekämpft haben, nicht ohne Widerstand zu überlassen.

 
3 Kommentare

Verfasst von - 16. Oktober 2016 in Gemischtes, Politik

 

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Mensch sein

Es gibt nur wenig im Leben, das mich aus der Ruhe bringt. Ich betrachte mich selbst als größtenteils aufgeschlossen und tolerant. Wahrscheinlich aufgrund dieses Charakters hatte ich schon immer Schwierigkeiten Rassismus, Sexismus, Homophobie, Islamophobie und andere irrationale Hassgefühle zu verstehen. Ich muss zugeben, dass dies manchmal auch dazu führt, dass ich diese gesellschaftlichen Probleme nicht so ernst nehme, wie man es definitiv tun muss. Doch ich bin wie ich bin. Während manche mit großer Motivation gegen diese geistigen Fehlgeburten menschlichen Denkens vorgehen, bleibe ich ganz einfach verständnislos. Diese Perplexität wird oft als Desinteresse oder gar Ignoranz missverstanden, welche ich mir auch selbst gelegentlich vorwerfe. Mir bleibt es unergründlich wie man einen Menschen hassen kann, weil er eine bestimmte Hautfarbe besitzt oder einer bestimmten Kultur angehört. Bei letzterem sowie auch bei jeder Form von Religionshass, bin ich inzwischen der Überzeugung, dass es eng mit mangelndem Verständnis verbunden ist. Menschen haben Angst vor dem Islam, weil nur wenige sich die Zeit nehmen sich mit dieser, meiner Meinung nach, höchst faszinierenden Religion auseinanderzusetzen. Bildung hilft dabei, Angst und Vorurteile abzubauen, dies sind die Lehren der Aufklärung. Ebenfalls bin ich zu der Erkenntnis gelangt, dass zu viele Menschen zu viel Wert auf ihre nationale Herkunft legen. Die Einteilung in Deutsche, Franzosen, Luxemburger, Engländer usw. ist geschichtlich und ethnisch gesehen absurd und verstärkt nur das Gefühl einer gespaltenen Gesellschaft. Die AfD beruft sich ständig auf ein angebliches „deutsches Volk“. Doch „Deutschland“ ist in Wahrheit nichts anderes als der Zusammenschluss bunt zusammengewürfelter Völker, die sich erst seit einigen wenigen Jahrhunderten wohl wirklich als „Deutsche“ identifizieren. Noch lächerlicher aber sind meine eigenen Landsleute: ein luxemburger Patriot ist eine der traurigsten Gestalten denen man über den Weg laufen kann. Luxemburg wurde 1815 als „Pufferzone“ geschaffen, damit Frankreich und Preußen sich nicht ständig in den Haaren liegen würden.

Wer bin ich also dann? Die Antwort ist simpel: ich bin ein Mensch, genau wie 7 Milliarden andere. Zu meinen Freunden zählen Deutsche, Franzosen, Italiener, Goraner, Amerikaner und viele weitere wunderbare Menschen. Ich fühle mich weder überfremdet noch orientierungslos. Ich bin dankbar für die kulturelle Vielfalt, welche diese Menschen in mein Leben bringen. Denn meine Kultur ist die der Menschheit und ich bin Bürger einer großen, vielfältigen Welt.

 
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Verfasst von - 21. Mai 2016 in Allgemein, Gemischtes

 

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Der Ruf des Volkes

Der Ruf des Volkes

Anstelle eines regulären Beitrags, will ich meine Meinung zu einem bestimmten Thema heute mit einem Gedicht ausdrücken. Das Thema, welches ich ansprechen will, ist die immer noch sehr präsente PEGIDA sowie der drohende Wahlerfolg des Front National in Frankreich. Dieses Gedicht habe ich schon vor einer Weile verfasst, doch ich glaube, dass es (leider) immer noch zutrifft.

Der Ruf des Volkes


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Verfasst von - 22. März 2015 in Literatur, Politik

 

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Kunst trifft Poesie

Malerei ist Sprache für die Augen, Sprache ist Malerei für das Ohr.

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