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Archiv für den Monat Februar 2016

Venezia lirica

Vendig in Bildern funktioniert eigentlich nicht ohne Venedig in Versen. Von dieser Stadt geht eine so starke lyrische Aura aus, dass sie einen Dichter so bald nicht mehr loslässt. Heute präsentiere ich euch eine Kombination von 2 Künsten: der Photographie und der Lyrik.


  
  
  
  

Photo Credit: Catherine Thines

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Nachtgeflüster

Nachtgeflüster

Der nachfolgende Dialog ist nicht gänzlich zu verstehen, wenn man meine Erzählung Al cuore non si comandi! nicht gelesen hat. Klickt hier um zu dieser Erzählung zu gelangen und sie nachzulesen.

Es sprechen Zwei vom selben Schlag

Herr W: Weißt du noch wann Giacomo Visconti uns das erste Mal besucht hat?

Herr V: Er selbst Ende Januar aber seine Geschichte kam schon vorher bei uns an.

Herr W: Richtig. Wie immer hast du sie mitgebracht.

Herr V: Ich bringe nichts mit, ich zeige dir lediglich was du nicht sofort erkennst. Giacomos Geschichte war ein Geschenk der schwarzen Perle.

Herr W: Du benutzt immer so schöne Wörter. Manchmal frage ich mich wer von uns eigentlich realer ist.

Herr V: Das einzig Reale an uns Beiden sind unsere Gedanken. Warum hast du eigentlich nach Giacomo gefragt?

Herr W: Einige mochten den Schluss nicht.

Herr V: Das wundert mich. Ich sehe nicht wie die Geschichte hätte anders verlaufen können.

Herr W: Du meinst also, Giacomo war von Anfang an zum Scheitern verurteilt?

Herr V: Scheitert Giacomo denn? So wie ich es sehe, entscheidet er sich am Ende gegen das Leid und die Eingrenzung und für die Freiheit.

Herr W: Einige sehen den Freitod nicht als etwas positives an und schon gar nicht als Akt der Freiheit.

Herr V: Es geht doch gar nicht um den Freitod. Es geht um die Bedeutung der Phrase „Al cuore non si comandi!”. Dem Herzen befiehlt man nicht, doch manchmal will das Herz etwas von uns was wir ihm nicht geben können. Doch da es unzähmbar ist, bleibt einem nur der Freitod.

Herr W: Das darfst du nicht sagen.

Herr V: Natürlich darf ich das. Außerdem glaube ich, dass es einige Missverständnisse um den Begriff „Freitod” gibt. Dabei haben wir doch extra das Bassani Zitat vor den Text gesetzt um dem vorzubeugen!

Herr W: Ich glaube die meisten kannten den Text nicht.

Herr V: Dann sollten sie ihn lesen. Denn dann würden sie wissen, dass der Freitod nicht zwingend mit einem physischen Scheiden aus dieser Existenz gleichzusetzen ist. Wer wirklich lebt, stirbt alle paar Jahre. Dies ist ein natürlicher Teil der menschlich-geistigen Entwicklung. Das was wir Tod nennen ist nichts anderes als das Ende unserer physischen Existenz. Dabei kann man sich doch relativ leicht bewusst werden, dass unsere Gedanken und Gefühle die eigentliche Essenz unseres Daseins sind.

Herr W: Ich glaube nicht, dass sie diese Antwort zufriedenstellen wird.

Herr V: Und ich glaube nicht, dass wir uns rechtfertigen müssen.

Herr W: Aber was ist denn mit der Liebe?

Herr V: Die Liebe ist ein ambivalentes Gefühl. Nichts berührt den Menschen in solch unterschiedlichen Extremen. Die positive, glückliche Liebe kennt jeder. Von ihr wollen wir lesen, weil sie beruhigend ist. Die menschliche Existenz ist geprägt vom Leiden, deshalb möchten viele sich wenigstens die Liebe als Allheilmittel halten. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Die gleiche Liebe, welche uns von all unseren Schmerzen erlösen kann, kann uns ebenso in den dunkelsten Abgrund werfen. Die Liebe selbst, als Gefühl, ist weder gut noch schlecht, sie vereint die Gegensätze in sich. Es gibt nur ein anderes Element, welches dies fertig bringt.

Herr W: Welches?

Herr V: Der Tod.

Herr W: Manchmal frage ich mich, warum wir über diese Themen schreiben.

Herr V: Als du mich erdacht hast, fragtest du was unsere Themen sein werden. Ich sagte dir damals, was immer wir finden. Wir fanden bis jetzt vor allem Schein und Liebe in all seinen Formen. Wir haben daraus gemacht, was uns richtig erschien. Vor einigen Wochen haben wir daraus Giacomo Visconti gemacht.

Herr W: Man könnte uns Besserwisserei vorwerfen.

Herr V: Wir haben nie behauptet zu wissen. Wir sehen und erleben und halten es fest wie es uns richtig erscheint. Der Mensch kann nicht wissen, er kann nur sehen und interpretieren.

Herr W: Ich erlebe und du interpretierst.

Herr V: Wenn du es so sehen willst. Du darfst nie vergessen, dass wir Zwei vom selben Schlag sind.

Herr W: Ich hoffe Giacomo geht es gut.

Herr V: Warum sollte es ihm nicht gut gehen? Er hat keinen Grund unglücklich zu sein.

Copyright 2016 Vito Volpe

 
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Verfasst von - 21. Februar 2016 in Literatur

 

Entschuldigung an ein Buch

Entschuldigung an ein Buch

Jeder macht Fehler. Dies ist eine Erkenntnis welcher man sich bei jeder Entscheidung bewusst sein sollte. Ich schreibe diesen Artikel um einen solchen Fehler einzugestehen. Dieser Fehler betrifft die Einschätzung eines Buches. Ein Buch, welches ich das erste Mal im August letzten Jahres gelesen hatte und damals mit wenig Begeisterung und fast unter Zwang beendet hatte. Den Stil empfand ich als schwerfällig, viele Charaktere als nervig bis unsympathisch und die Geschichte an sich als eher mittelmässig spannend. Nun muss man wissen, dass dieses Buch Teil des Abiturprogramms in Luxemburg ist und ich es deswegen glücklicherweise nicht bei dieser ersten Lektüre belassen habe. Das Buch in Frage ist Madame Bovary des französischen Autors Gustave Flaubert.

Ich möchte in diesem Artikel nicht nur meinen Fehler eingestehen und meine erste eher negative Meinung widerrufen. Nein, ich möchte mich bei diesem Buch entschuldigen. Nach einer zweiten Lektüre kommt es mir nämlich einfach nicht in den Kopf, wie ich den Wert dieses Klassikers nicht sofort erkennen konnte. Madame Bovary erzählt die tragische Geschichte von Illusionen, Wünschen und wie diese von der unerbittlichen Langweile des Alltags zerbrochen werden. Emma Bovary, wenn auch mit Zeiten unbestreitbar etwas anstrengend, ist doch eigentlich die Gefangene dieser mittelmässigen Welt, welche sie in ihrer ganzen monotonen Banalität regelrecht erdrückt. Jeder der Peter Handkes Wunschloses Unglück gelesen hat*, weiß wie real dieser von Flaubert geprägte Bovarysmus wirklich ist. Wie kann man, besonders als Künstler, nicht mit dieser Gefangenen des Alltags mitfühlen? Denunziert Flaubert in seinem Roman nichts anderes als das unumgängliche Scheitern des künstlerischen Geistes in einer Welt, welche an pedantischem Kleinbürgertum und dumpfer Borniertheit kaum zu überbieten ist? Doch zum Meisterwerk wird der Roman, meiner Meinung nach, durch die Kombination von Emmas unstillbarem Lebensdurst mit Charles Bovarys fast schon hilflos wirkender Unsicherheit. Wie kann man nicht mitfühlen mit diesem Trauerspiel eines Mannes, diesem ewigen Kleinkind, welches vom Leben an sich ständig überfordert scheint? Charles Bovary ist kein schlechter Mensch, bei weitem nicht, und gerade dieser Umstand definiert die Tragik seiner Rolle. Passiv, ohne Kontrolle über seine Frau oder sogar sich selbst, schlittert er immer tiefer in eine dunkle Schlucht aus der es keinen Ausweg mehr für ihn geben soll. Anders als Emma hat er keine Illusionen, welche zerbrechen könnten. Er ist von Kind an ein gebrochener Mensch gewesen. Es ist genau diese Hilflosigkeit, die Sinnlosigkeit auch, welche die Handlung dominiert und sie so wunderschön tragisch macht. Die Unerbitterlichkeit mit welcher Flaubert seine Charaktere und mit ihnen dem Leser immer wieder die Grenzen des Menschseins aufzeigt kann einen eigentlich nicht unberührt lassen. Ob Flaubert jetzt wirklich einmal gesagt hat „Madame Bovary c’est moi” (= Ich bin Madame Bovary) wird man wahrscheinlich nie nachweisen können. Ich hingegen mache aus meiner neuen Stellung keinen Hehl: Ja, auch ich bin Madame Bovary!

Mea culpa, mea culpa, mea maxima culpa! Ich muss meinen Fehler also eingestehen, ich habe dieses Buch fälschlicherweise zu früh verurteilt. Verspätet und erst nach zweiter Lektüre habe ich den meisterlichen Wert dieses herrlichen Stück Literaturs erkannt und ich kann nur hoffen, dass ich ihm mit diesem kurzen Artikel die Würde und den Respekt zurückgegeben habe, welche es wirklich verdient. 

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*In Wunschloses Unglück verarbeitete Peter Handke den Selbstmord seiner Mutter, welche wie Emma Bovary ein Leben lang von den Zwängen des Dorflebens erdrückt wurde.

 
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Verfasst von - 14. Februar 2016 in Literatur

 

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Al cuore non si comandi! (Erzählung)

Al cuore non si comandi! (Erzählung)

„Nella vita, se uno vuol capire, capire sul serio, come stanno le cose di questo mondo, deve morire almeno una volta”

„Wer im Leben verstehen will, wirklich verstehen will, wie diese Welt funktioniert, muss mindestens einmal sterben”

aus Giorgio Bassanis „Il giardino dei Finzi-Contini”

Al cuore non si comandi!

Giacomo Visconti wartete. Die kalte Lagune floss langsam zu einem unbestimmten Ziel während er nach dem Vaporetto Ausschau hielt. Er liebte es zu warten. Wenn man auf etwas wartet, besitzt man eine ganz besondere Art der Freiheit. Viele Menschen warten nicht besonders gerne, doch Giacomo Visconti genoss diese Momente während denen er nichts Anderes tun musste als warten. Es waren Augenblicke wie dieser, während denen sich der noch junge Venezianer der Schönheit seiner Stadt bewusst wurde. Venedig hatte nichts von dem leicht bedrohlichen Charakter welcher viele andere Städte begleitete. Die Serenissima schwebte über dem Wasser wie ein Asket in tiefster Meditation und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Über der Stadt lag eine schwer zu erfassende Ruhe, die sämtliche Bewohner zu erfassen schien. In Venedig rasten keine Metallkisten mit stinkenden Verbrennungsmotoren über harte Straßen. Dies war die Stadt der Gondeln und Vaporettos, die sich geschmeidig über die Wasserstraßen bewegten. Es war auch die Stadt der schweigsam lächelnden Venezianer, welche tagtäglich wie Ameisen über die tausend Brücken und Gassen ihrer geheimnisvollen Stadt huschten. Aus all diesen Gründen war das Warten auf den gewünschten Wasserbus eine der vielen willkommenen Denkpausen, welche Venedig einem bot. In Ruhe konnte man über die wirklich wichtigen Dinge im Leben nachdenken, welche im Alltag nur all zu gerne untergehen. Für Giacomo Visconti hingegen gab es sowieso nur einen Gedanken der seinen Geist beherrschte. Dieser Gedanke hörte auf den Namen Sara Menken. Sie wohnte im Haus gegenüber und war Giacomos liebste Person in ganz Venedig. Sie kannten sich bereits länger, ein langer und vor allem beschwipster Abend während des alljährlichen Carnevale hatte sie einander bekannt gemacht, und seitdem trafen sie sich regelmäßig. Ihre Gespräche, oft und gerne am äußeren Rand der San Marco geführt, waren sehr persönlich und doch auch mit einer Leichtigkeit geführt als würde man sich über das Wetter unterhalten. Nichts war gezwungen, nichts war gestellt, Saras Gegenwart erst schien Giacomos Leben seinen Wert zu geben. Doch selbst wenn sie nicht bei ihm war, konnte Giacomo an nichts anderes denken. Ihr galt sein erster Gedanke morgens beim Aufstehen genau so wie sein letzter Gedanke vor der Nachtruhe. Waren sie verabredet, so war ihr Treffen Quelle von kindlich-aufgespielter Vorfreude davor und melancholisch-sehnsuchtsvoller Erinnerung danach. Giacomo fühlte sich ihr so verbunden, dass er selbst ihre Gefühle bis ins absolute Extrem teilte. So kam es denn nicht selten vor, dass wenn Sara traurig war, Giacomo in eine tiefe Depression verfiel, selbst wenn es ihm selbst nicht besser gehen konnte. Genau so war aber auch ein einziges Lachen Saras genug um Giacomo von Grund auf glücklich zu machen. Die Beziehung zwischen Giacomo Visconti und Sara Menken suchte zweifellos ihresgleichen, doch ein Paar waren die Beiden nicht. Ein Umstand, der den verliebten Italiener jeden Tag heimsuchte, doch eine Änderung in naher Zukunft schien unmöglich. Eigentlich war es nur ein Detail, doch dieser einzige Mangel war genug um Giacomo in den Wahnsinn zu treiben. Wahre Einsamkeit kennt nur, wer unerfüllt geliebt hat. Die Liebe ist in dieser Hinsicht eine sehr ambivalente Kraft, gleichzeitig der Ursprung des höchsten und reinsten Glücks und doch auch sadistische Peinigerin der unglücklich Verliebten. Giacomi Visconti war ein Gefühlsmensch und als solcher ihren willkürlichen Launen noch verwundbarer augesetzt. Diese Stagnation war für ihn umso schlimmer, weil sie in heftigstem Widerstand zur Ungezwungenheit seiner Beziehung zu Sara stand. Der innere Sog aus primitiver Wut und Verzweiflung verzehrte täglich seine Kräfte und Giacomo Visconti fürchtete den Tag, den Moment an dem er schlussendlich nachgeben würde. Er dachte oft daran, dass vor einigen Jahren alles noch um einiges einfacher gewesen wäre, doch seit sich der Duce vom deutschen Hampelmann die Rassengesetze hat aufschwatzen lassen, waren Giacomos Hoffnungen endgültig ins Reich der Träume verbannt. Man stelle sich nur einmal vor, der Sohn des fanatischsten Faschisten Venedigs zusammen mit einer Jüdin…

Der eintreffende Vaporetto riss Giacomo aus seinen Gedanken. Einmal an Bord, stellte er mit Bedauern fest, dass draußen leider kein Platz mehr war. Giacomo liebte es, den Fahrtwind im Gesicht zu spüren während der Vaporetto wie ein eiserner Moses das Wasser der pastellgrünen Lagune teilte. Wie oft hatte er schon mit Sara an Deck eines Vaporetto gestanden und mit aufmerksamen Ohren ihren Geschichten gelauscht. Es war eine ihrer gemeinsamen Angewohnheiten, in einen beliebigen Vaporetto zu steigen unwissend wohin er sie bringen würde. Giacomo genoss diese Ausflüge, sie hatten etwas sehr Verbindendes, war es doch im Grunde gleich wo sie ankamen, was zählte war, dass sie den Weg zusammen antraten. Inzwischen wurde Giacomo von einem älteren Herrn relativ forsch zum weitergehen gedrängt und so trat er resigniert aber in voller Akzeptanz der Umstände den Gang ins Innere an. Es war schließlich nicht der letzte Vaporetto den er nehmen würde. Ein einziger Platz war noch frei, neben einer etwas distanziert wirkenden älteren Dame, welche sich scheinbar alle Mühe gab, ihn zu ignorieren. Kaum hatte der Vaporetto Fahrt aufgenommen fiel Giacomo etwas ins Auge. Es war ein Zettel, geklebt auf die Rückseite des Sitzes vor ihm. Auf dem Zettel stand in etwas unleserlicher Schrift ein einzelner Satz:

Al cuore non si comandi!

Dem Herzen befiehlt man nicht. Warum der Autor dieses kurzen Ausrufes das Bedürfnis verspürte, seine Aussage gerade auf der Rückseite dieses einen Sitzes in einem beliebigen Vaporetto in Venedig anzubringen, war Giacomo nicht wirklich klar. Zwar war man vom Vandalismus im öffentlichen Transport Schlimmeres gewohnt, doch etwas rebellisch wirkte dieses Notizblatt nichts desto trotz. Normalerweise beachtete Giacomo diese Kritzeleien überhaupt nicht, doch diese Aussage wirkte wie eine magische Beschwörungsformel auf ihn. Sie hatte etwas Verbotenes an sich und Giacomo ertappte sich selber dabei wie er sich misstrauisch umsah, besorgt, dass ihn jemand beim Lesen beobachten könnte. Er war nicht gerade ein großer Leser, doch glaubte er nun zu wissen, was Sara meinte wenn sie ihm von der Wirkung der Lyrik sprach. Diese Worte, so simpel sie auch waren, brannten sich ihm in seine Augen, drangen direkt in sein Herz ein. Nichts schien ihm je klarer ausgedrückt, noch nie fühlte er sich von geschriebenen Worten so persönlich angesprochen. Hier saß er nun, in diesem x-beliebigen Vaporetto auf einem kalten Sitz und las auf einem aufklebten Notizzettel die grundsätzlichste aller Wahrheiten. Giacomo war sich von einem Moment auf den anderen bewusst, dass er die Lösung seines Leidens eigentlich die ganze Zeit vor Augen hatte. Warum sollte er seinem Herzen noch länger das verweigern, was es schon so lange von ihm fordert? Wer hat schon das Recht dem Herzen zu befehlen? Weder der Duce, noch sein Vater und schon gar nicht er selbst. Doch was würden die Anderen von ihm denken? Schlimmer noch, was würden sie von Sara denken? Wie er seinen Vater kennt, würde dieser es fertig bringen sie für seine Entscheidung verantwortlich zu machen, selbst wenn dies vollkommen absurd war. Sicher würde ihm irgendeine verdrehte Argumentation einfallen, welche die „dreckige Jüdin” für seinen Verrat verantwortlich machen würde. Giacomo wiederholte die heilige Botschaft noch einige Male in seinem Kopf. Er war nun fest entschlossen, noch heute sollte er es tun. Viel zu lange schon hatte er es hinausgezögert, längst hätte er erkennen müssen, dass dies die einzige Möglichkeit war. Weder der Staat noch die Gesellschaft sollten ihm weiterhin sein Leben diktieren. Er würde sich rebellieren, ein Zeichen setzen. Auf seine Art und Weise, im Namen seines Herzens und seines Gefühls. Die Anderen würden schon verstehen. Selbst wenn sie es nicht täten, er wusste jetzt wenigstens etwas was sie nicht wussten:

Al cuore non si comandi!

Der Vaporetto hielt an seiner Endstation. Mit katatonisch entschlossenem Blick schritt der Liebende von Bord. Ein Gefühl breitete sich in seiner Brust aus welches eigentlich nur Glück sein konnte. Giacomo Visconti stand, einer römischen Plastik gleich, am Rand des großen Kanals. Seine olivgrünen Augen streiften die Kulissen der geliebten Stadt. Venedig, du wunderschöne Sklavin deines eigenen Verfalls! Niemanden lässt du unberührt, in deinem geheimnisvollen Schoß führst du jeden zur Selbsterkenntnis. Mit einem zufriedenen Lächeln nickte er die Szene ab. In der Tat, heute war ein schöner Tag um sich das Leben zu nehmen.

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Copyright 2016 Vito Volpe

 
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Verfasst von - 7. Februar 2016 in Literatur

 

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