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Nachtgeflüster

21 Feb
Nachtgeflüster

Der nachfolgende Dialog ist nicht gänzlich zu verstehen, wenn man meine Erzählung Al cuore non si comandi! nicht gelesen hat. Klickt hier um zu dieser Erzählung zu gelangen und sie nachzulesen.

Es sprechen Zwei vom selben Schlag

Herr W: Weißt du noch wann Giacomo Visconti uns das erste Mal besucht hat?

Herr V: Er selbst Ende Januar aber seine Geschichte kam schon vorher bei uns an.

Herr W: Richtig. Wie immer hast du sie mitgebracht.

Herr V: Ich bringe nichts mit, ich zeige dir lediglich was du nicht sofort erkennst. Giacomos Geschichte war ein Geschenk der schwarzen Perle.

Herr W: Du benutzt immer so schöne Wörter. Manchmal frage ich mich wer von uns eigentlich realer ist.

Herr V: Das einzig Reale an uns Beiden sind unsere Gedanken. Warum hast du eigentlich nach Giacomo gefragt?

Herr W: Einige mochten den Schluss nicht.

Herr V: Das wundert mich. Ich sehe nicht wie die Geschichte hätte anders verlaufen können.

Herr W: Du meinst also, Giacomo war von Anfang an zum Scheitern verurteilt?

Herr V: Scheitert Giacomo denn? So wie ich es sehe, entscheidet er sich am Ende gegen das Leid und die Eingrenzung und für die Freiheit.

Herr W: Einige sehen den Freitod nicht als etwas positives an und schon gar nicht als Akt der Freiheit.

Herr V: Es geht doch gar nicht um den Freitod. Es geht um die Bedeutung der Phrase „Al cuore non si comandi!”. Dem Herzen befiehlt man nicht, doch manchmal will das Herz etwas von uns was wir ihm nicht geben können. Doch da es unzähmbar ist, bleibt einem nur der Freitod.

Herr W: Das darfst du nicht sagen.

Herr V: Natürlich darf ich das. Außerdem glaube ich, dass es einige Missverständnisse um den Begriff „Freitod” gibt. Dabei haben wir doch extra das Bassani Zitat vor den Text gesetzt um dem vorzubeugen!

Herr W: Ich glaube die meisten kannten den Text nicht.

Herr V: Dann sollten sie ihn lesen. Denn dann würden sie wissen, dass der Freitod nicht zwingend mit einem physischen Scheiden aus dieser Existenz gleichzusetzen ist. Wer wirklich lebt, stirbt alle paar Jahre. Dies ist ein natürlicher Teil der menschlich-geistigen Entwicklung. Das was wir Tod nennen ist nichts anderes als das Ende unserer physischen Existenz. Dabei kann man sich doch relativ leicht bewusst werden, dass unsere Gedanken und Gefühle die eigentliche Essenz unseres Daseins sind.

Herr W: Ich glaube nicht, dass sie diese Antwort zufriedenstellen wird.

Herr V: Und ich glaube nicht, dass wir uns rechtfertigen müssen.

Herr W: Aber was ist denn mit der Liebe?

Herr V: Die Liebe ist ein ambivalentes Gefühl. Nichts berührt den Menschen in solch unterschiedlichen Extremen. Die positive, glückliche Liebe kennt jeder. Von ihr wollen wir lesen, weil sie beruhigend ist. Die menschliche Existenz ist geprägt vom Leiden, deshalb möchten viele sich wenigstens die Liebe als Allheilmittel halten. Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Die gleiche Liebe, welche uns von all unseren Schmerzen erlösen kann, kann uns ebenso in den dunkelsten Abgrund werfen. Die Liebe selbst, als Gefühl, ist weder gut noch schlecht, sie vereint die Gegensätze in sich. Es gibt nur ein anderes Element, welches dies fertig bringt.

Herr W: Welches?

Herr V: Der Tod.

Herr W: Manchmal frage ich mich, warum wir über diese Themen schreiben.

Herr V: Als du mich erdacht hast, fragtest du was unsere Themen sein werden. Ich sagte dir damals, was immer wir finden. Wir fanden bis jetzt vor allem Schein und Liebe in all seinen Formen. Wir haben daraus gemacht, was uns richtig erschien. Vor einigen Wochen haben wir daraus Giacomo Visconti gemacht.

Herr W: Man könnte uns Besserwisserei vorwerfen.

Herr V: Wir haben nie behauptet zu wissen. Wir sehen und erleben und halten es fest wie es uns richtig erscheint. Der Mensch kann nicht wissen, er kann nur sehen und interpretieren.

Herr W: Ich erlebe und du interpretierst.

Herr V: Wenn du es so sehen willst. Du darfst nie vergessen, dass wir Zwei vom selben Schlag sind.

Herr W: Ich hoffe Giacomo geht es gut.

Herr V: Warum sollte es ihm nicht gut gehen? Er hat keinen Grund unglücklich zu sein.

Copyright 2016 Vito Volpe

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Verfasst von - 21. Februar 2016 in Literatur

 

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