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Bill Hicks – Zwischen Genie und Obszönität

Bill Hicks – Zwischen Genie und Obszönität

Es gibt einige sehr wenige Menschen, die man als Legenden bezeichnen kann. Für mich persönlich zählt zu diesen besonderen Persönlichkeiten ein Mann, der uns leider, wie so viele Legenden vor und auch nach ihm, viel zu früh verließ. Er ist als Humorist bekannt geworden und für mich bleibt er einer der besten und unangenehmsten Künstler aller Zeiten. Ich spreche von niemand anderem als Bill Hicks.

Für jeden der ihn nicht kennt, Bill Hicks wurde am 16. Dezember 1961 in Valdosta, Georgia geboren und wurde besonders während der 80er Jahre als Humorist bekannt, insbesondere auch in Großbritannien. Sein Programm war äußerst derb und bissig und wurde von konservativen Zeitungen auch mal als „satanisch” beschrieben. Er konsumierte in hohem Maße Alkohol und andere, härtere, Drogen, schaffte es aber aufgrund eines Erlebnisses mit seiner Freundin 1988 dem Alkohol zu entsagen. Seine Auftritte wurden regelmäßig gekürzt, um sie einem „Mainstream” Publikum zugänglich zu machen, ein Ziel welches Hicks selbst wohl nicht gleichgültiger hätte sein können. Mit einer Mischung aus Freude und Frustriertheit entlarvte und denunzierte er erbarmungslos die rückgratlose Konsumgesellschaft und zog sie auf eine brutal ehrliche Weise ins Lächerliche. In seinen Metaphern griff er oft auf Vergewaltigungsmotive und ähnlich drastische Bilder zurück, welche seine Sozialkritik auf eine sehr direkte Art in die Köpfe seiner Zuschauer schlug. Seine Karriere fand leider ein viel zu frühes Ende als er im Juni 1993 mit Bauchspeicheldrüsenkrebs diagnostiziert wurde. Er verstarb im Alter von 32 Jahren am 26. Februar 1994 in Little Rock, Arkansas.

Prägend ist für mich persönlich besonders sein berühmtes Schlusswort. Ihr könnt es euch hier als Videobeitrag ansehen, ich möchte es aber auch gerne hier einmal zitieren:

„The world is like a ride in an amusement park, and when you choose to go on it you think it’s real because that’s how powerful our minds are. The ride goes up and down, around and around, it has thrills and chills, and it’s very brightly colored, and it’s very loud, and it’s fun for a while. Some people have been on the ride a long time, and they begin to question, „Hey, is this real, or is this just a ride?“ And other people have remembered, and they come back to us and say, „Hey, don’t worry; don’t be afraid, ever, because this is just a ride.“ And we … kill those people. „Shut him up! I’ve got a lot invested in this ride, shut him up! Look at my furrows of worry, look at my big bank account, and my family. This has to be real.“ It’s just a ride. But we always kill the good guys who try and tell us that, you ever notice that? And let the demons run amok … But it doesn’t matter, because it’s just a ride. And we can change it any time we want. It’s only a choice. No effort, no work, no job, no savings of money. Just a simple choice, right now, between fear and love. The eyes of fear want you to put bigger locks on your doors, buy guns, close yourself off. The eyes of love instead see all of us as one. Here’s what we can do to change the world, right now, to a better ride. Take all that money we spend on weapons and defenses each year and instead spend it feeding and clothing and educating the poor of the world, which it would pay for many times over, not one human being excluded, and we could explore space, together, both inner and outer, forever, in peace.“

– Bill Hicks

Wäre er noch am Leben, was würde Bill Hicks wohl zu unserer heutigen Gesellschaft sagen? Ich bin mir sicher, er würde ihre Scheinheiligkeit anprangern, den oberflächlichen Konsum, welcher durch die digitale Revolution nur noch schlimmer geworden ist, immer noch in Frage stellen und mit zynischer Freude auf die angeblichen Probleme der „besorgten Bürger“ eingehen. Man muss Bill Hicks nicht mögen, seine Auftritte waren immer von Vulgarität und Obszönität geprägt. Wer aber erkennt, was hinter diesen drastischen Metaphern sticht und wie gut dieser äußerst belesene Mensch die Gesellschaft seiner Zeit analysiert hat, wird sich womöglich sogar daran erfreuen von Hicks zurück auf den Boden der Tatsachen geholt zu werden. Seine Shows „Sane Man” und „Revelations” sind inzwischen auf Netflix zu sehen und sind defintiv wert, (wieder-)entdeckt zu werden. Definitiv nichts für den „braven Bürger” dem seine heile Welt wichtig ist, aber eine Offenbarung für jeden der über den Schein der Gesellschaft hinaus blicken möchte.

 
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Verfasst von - 30. Oktober 2016 in Gemischtes, Politik

 

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Was wir wollen – Ein Gastbeitrag von C.

Heute ist es mir eine große Freude euch einen Gastbeitrag meines guten Freundes C. präsentieren zu können.

Was will ich? Wie will ich mein Leben gestalten? Diese Fragen bringen wohl jedem jungen Erwachsenen schlaflose Nächte. Unzählige sogar.

Warum ist das so? Heute steht man der absoluten Wahlfreiheit von Studien, FSJ und Ausbildung gegenüber. In dieser Hinsicht war es früher einfacher: den elterlichen Hof übernehmen und das Leben ist in geregelten Bahnen. Diese Fatalität war gewissermaßen angenehm, weil der Einzelne ohne eine Wahl auch nichts falsch machen konnte. Kierkegaard hatte Recht: Freiheit macht uns anfangs Angst. Es geht uns nicht anders als einem Kind, das die ersten Schritte machen muss.

Es ist natürlich schwierig, Entscheidungen zu treffen, wenn man während fast zwei Jahrzehnten nur einen strikten Lehrplan befolgt hat. Solange bulimisches Lernverhalten recht gute Noten erzielt, läuft Etwas in der Schule falsch. Das wäre allerdings noch eine andere Problematik. Jedenfalls, sobald es plötzlich keinen vorgeschriebenen Text mehr gibt und das wahre Leben vor der Tür steht, verliert man schnell die Orientierung. Man ist einfach damit überfordert, plötzlich, auf eigene Verantwortung, selbst den Text zu schreiben.

Allerdings muss man sich auch mal fragen, ob diese eine Entscheidung ihrer Bedeutungsschwere gerecht wird. Diese meistens überstürtzte, früherwachsene und hormonüberladene Entscheidung darf nicht so ernst genommen werden.

Es hält sich die härtnäckige Idee, das Leben sei eine heilige Dreifaltigkeit aus Kindes-, Erwachsenen- und Greisesalter. Jeder Abschnitt sei zudem eine untrennbare Einheit. Eine neue Perspektive ist nötig: Das Arbeits- und Erwachsenenleben kann nämlich ein steter Wandel sein. Ein einziger Beruf, eine einzige Laufbahn ist keiesfalls bindend. Man kann und muss sich immer wieder zwischendurch fragen: Ist es das, was ich will? Was mach überhaupt hier?

Diese Überlegung nimmt viel Druck von den eh schon chronisch überforderten Abiturienten. Egal, was sie nach der Schule machen, es ist nicht falsch. Hauptsache nicht zuhause rumsitzen. Bevor man sich entscheiden kann, wo in die Welt man zieht, muss man sie erst kennen lernen. Und wenn man all diese Möglichkeiten gesehen hat, muss man
zuerst noch sich selbst noch kennen lernen. Eine Diskussion über Nosce te ipse führt vielleicht wieder vom Thema weg, vor Allem wenn man bedenkt, dass sich das eigene Ich auch verändern kann.

Deshalb, anstatt Alles auf eine Karte zu setzen und mehr als 40 Jahre lang den Preis dafür zu zahlen, darf man den Ernst und die Verantwortund getrost verschieben. Das Zukunfts-Ich darf nicht vergessen, dass es noch selber die Kontolle über sein Leben hat. Es darf sich nicht auf die Panikentscheidung eines Spätpubertierenden Wesens verlassen, das sich hauptsächlich durch Pizza, Kaffee und Vodka ernährt. Nach einer gewissen Zeit darf man nicht vergessen, feststehendes zu revidieren.

Letztendlich gibt es unzählige Wege durchs Leben zu kommen. Das Wichtigste ist bloß, sich bewusst, Tag für Tag, für Einen zu entscheiden.

– C.

 
 

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