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Freiwilligendienst in Afrika

Freiwilligendienst in Afrika

Ich befinde mich nun seit 2 Wochen in der afrikanischen Republik Benin, wo ich einen Freiwilligendienst von 6 Monaten verrichte. Heute möchte ich einige meiner bisherigen Erfahrungen mit euch teilen. Ich arbeite mit behinderten Kindern sowie mit Kindern die mit Deformationen geboren sind. Wir verrichten Übungen mit den Kindern die unter Deformation leiden und unterrichten die Kinder zusammen mit anderen Kindern, um sie sozial zu integrieren. Da die Schule allerdings erst am Montag beginnt, kann ich dazu noch nicht viel sagen, ich habe jedoch bereits genug Zeit gehabt um die „afrikanische“ Lebensweise näher kennenzulernen.  Es würde Romane füllen, diese bis ins kleinste Detail zu beschreiben, drum will ich mich hier auf das Wesentliche beschränken. Es existieren gewisse Ähnlichkeiten mit der westlichen Welt, da zum Beispiel viele ein Smartphone besitzen und fast jeder die sozialen Netzwerke nutzt. Jedoch beschränken sich die Ähnlichkeiten fast ausschließlich auf die technologischen Aspekte. So ist das Leben hier zum Beispiel viel weniger strikt und reglementiert und es ist nichts Ungewöhnliches, dass man 4 Leute auf einem Motorrad sitzen sieht (ohne Helm natürlich und auch das Motorrad hat kein Kennzeichen) oder sich zu 8 in ein Taxi quetscht (wobei ich aus eigener Erfahrung spreche). Wenn man sich denn in ein Taxi setzt, so folgt man Straßen, die auf beiden Seiten von kleinen Hütten umgeben sind, die fast immer Geschäfte beherbergen. Denn viele Leute leben hier vom Verkauf oder verdienen sich damit etwas dazu und so ist fast jeder Inhaber eines Geschäfts, sei es auch noch so klein und auch, dass jemand einem an einer roten Ampel einen Basketballkorb oder einen Wasserkocher andrehen will, ist nichts Ungewöhnliches.

Ein weiterer Unterschied stellt der Umgang mit Müll dar. Traurigerweise  existiert hier überhaupt kein Bewusstsein dafür und vieles wird in den Abfluss oder auf die Straße geworfen. Ich habe vor kurzem einen Spaziergang zwischen Feldern unweit der Hauptstadt gemacht und selbst dort haben sich Müllhaufen meinem Blick offenbart, also praktisch zwischen der zukünftigen Nahrung der Menschen. Auch der Strand ist vollgepflastert mit Abfall, denn alles wird einfach achtungslos weggeworfen. Dies führt dazu, dass es in den Städten sehr schmutzig ist, vor allem in den ärmeren Vierteln. Da wir beim Stichwort Armut sind: es stimmt, dass hier teilweise große Armut herrscht, jedoch wird in Europa oft ein falsches Bild der Situation gezeichnet. Denn auch wenn die Leute nicht viel besitzen, reicht es doch um zu überleben  und die Menschen erfreuen sich an dem Wenigen, was sie haben. Jedoch wird auch umgekehrt Europa als das Paradies dargestellt, obwohl dies nun doch nicht zutrifft, auch wenn ich persönlich sagen muss, dass mir nun richtig bewusst geworden ist, in welch großem Luxus wir leben.

Wie sieht es nun jedoch mit den Menschen in diesem Land aus? Meine Erfahrungen bis jetzt sind überaus positiv was das betrifft. Auch wenn es sich vom materiellen Standpunkt her um ein armes Land handelt, so besitzen die Leute hier einen Reichtum, der uns in Europa fehlt: Menschlichkeit. Hier unterscheidet man nicht zwischen Fremden und Freunden sowie Familie, jeder wird herzlich aufgenommen und mit großer Freundlichkeit behandelt. Ein Fremder kann innerhalb von Sekunden zum Freund werden oder gar in die Familie aufgenommen werden. Ein Beispiel: Ich habe durch Zufall einen Jungen in der Hauptstadt kennengelernt, der sich die Zeit genommen hat mir die Stadt zu zeigen und mich bereits seiner Familie vorgestellt hat, die mich umgehend in den Familienkreis aufgenommen hat und mich am Samstag mit auf den Familienausflug nimmt (mich, ein wildfremdes Mädchen!). Eine solche Wärme ist mir in Europa selten untergekommen, denn diese Familie ist bereit, das Wenige was sie hat, mit mir zu teilen. Auch in dem Zentrum in dem ich arbeite, hat man mir erklärt, dass wir eine Familie bilden und jeder dazugehört und dass ich mich beim geringsten Problem melden solle, denn schließlich wären sie da, um mir zu helfen. So gehört hier auch die Frage „Ça va?“ („Wie geht’s?“) zur obligaten Begrüßungsformel, egal ob man mit einem Wildfremden oder einem guten Freund spricht. Jedoch habe ich auch bereits die andere Seite der Medaille kennen- und zu verstehen gelernt, was es bedeutet, seiner Hautfarbe nach beurteilt zu werden. Denn als Weißer wird man sehr oft angeschaut und angesprochen, was an sich nicht das Problem ist, doch auch eher vulgäre Kommentare gehören dazu und manchmal fühlt man sich doch ein bisschen wie ein Stück Freiwild. Doch die positiven Erfahrungen überwiegen bisher und manche Leute haben sich sogar bei mir bedankt, dass ich mein Land verlassen habe um ihnen zu helfen, was mich jedesmal sehr berührt, da hinter diesen Worten aufrichtige Freundlichkeit und Dankbarkeit steckt.Somit sind für mich bis jetzt, nach anfänglichen kleinen Schwierigkeiten, vor allem die menschliche Wärme und die Kommunikation prägend gewesen.

Zum Abschluss ein kleines Gedicht, das vielleicht besser illustriert, was ich euch mitzuteilen versuche.

The colours of Benin

A dusty road painted in red,

framed by tradesmen and shops

containing simple and pure joy of life,

just as kindness and familiarity.

Laughing is thrown into the air

and you feel embraced

by human warmth and generosity,

lingering around all the way.

They are wrapped into friendly words,

a smile or curious looks,

gifts given to strangers

as well as to family and friends,

which surpass the value

of the material goods

that are ready to be sold.

The colourful clothes

taking part in the scenery

translate the essence of this world

to the stranger`s admiring eye,

who is no longer blinded

by the grey veil

created by the western world.

Copyright 2016 Sophie Modert

 

– Sophie

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