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Throwback to Benin

Throwback to Benin

Es wird Zeit etwas loszuwerden. Jetzt sind es fast 9 Monate her, dass ich aus Benin zurück bin, in 2 Wochen ist es ein Jahr her, dass ich mich in den Flieger dorthin gesetzt habe. Doch dieses Land und meine Zeit dort lassen mich einfach nicht los, es vergeht kaum ein Tag an dem ich nicht daran denke. Sicherlich mischt sich inzwischen auch die verklärende Nostalgie mit hinein, doch immer wieder holt mich die Sehnsucht nach Benin, nach Afrika ein. So viele Gedanken habe ich mir seit meiner Rückkehr gemacht und ich glaube, es wird Zeit mir diese von der Seele zu schreiben und ein großes Resumé meiner Reise zu schreiben.

Es wäre eine Lüge, zu behaupten, dass es keinen Moment in Benin gab in dem ich unzufrieden war oder mir das Ende meines Volontariats herbeiwünschte. Die Momente des Frusts und anfangs auch der Verzweiflung waren genauso häufig, wie die Momente der Zufriedenheit und der Freude, doch wohl genau das hat meine Zeit in Benin zu dieser großen Erfahrung gemacht, denn wie heißt es so schön, der Mensch wächst mit seinen Herausforderungen. Ich hatte mir im Vorfeld sehr viele Gedanken gemacht und ich war sehr nervös, doch insgeheim hatte ich gehofft, dass nach einer kurzen Eingewöhnungszeit alles gut werden würde und ich einfach nur eine tolle Zeit haben würde. In einer gewissen Weise hat sich diese Hoffnung auch erfüllt, jedoch anders als ich es mir erwartet hatte.

Da stand ich nun, mit knapp 19 Jahren, das Abitur frisch in der Tasche, noch nie allein gelebt und weit weniger von der Welt außerhalb Europas gesehen, als ich es mir gewünscht hätte, um nicht zu sagen, gar nichts. Kurz nach meiner Ankunft durfte ich jedoch feststellen, dass ich nun auf mich allein gestellt sein würde. Ich wusste, dass es ein eigenes Haus für die Freiwilligen gab, doch in Luxemburg wurde mir das so erklärt, dass dieses Haus in das Zentrum integriert wäre und nicht eine halbe Stunde zu Fuß davon entfernt. Ein paar Tage nach meiner Ankunft saß ich also alleine in diesem Haus in einer mir komplett fremden Kultur die ich nicht verstand, auf der Arbeit gab es nichts für mich zu tun und ich begann, den Sinn meines Volontariats stark zu hinterfragen und mich wie in einem goldenen Käfig zu fühlen. Ich liebe es, draußen zu sein, doch da ich ständig angestarrt wurde und hinterhergerufen bekam, hatte ich auch bald keine großartige Lust mehr, viel vor die Tür zu gehen und mir wurde bewusst, was für ein Luxus es eigentlich ist, ungestört und anonym auf die Straße gehen zu können. Meine Tage beschränkten sich also größtenteils darauf, allein in meinem Zimmer zu sitzen und mir das Ende der 6 Monate herbeizuwünschen. Dazu muss man wissen, dass ich in einer fünfköpfigen Familie aufgewachsen bin. Ich brauche den Trubel und die Menschen um mich herum und diese Einsamkeit brachte mich fast zur Verzweiflung. Doch in diesem Moment fand ich Trost in einem Buch, genauer gesagt in Hermann Hesses Siddharta. Darin schildert er die Geschichte des jungen Siddharta, der auszieht um seine eigenen Erfahrungen zu sammeln und seinen eigenen Sinn des Lebens zu suchen. Ich glaube, ich hätte kein passenderes Buch lesen können in diesem Moment, denn mir wurde klar, dass es mir genau darum ging: Meine eigenen Erfahrungen zu machen und mir selbst zu beweisen, dass ich das hinbekommen würde.

Nach 2 Wochen kam dann auch ein anderer Freiwilliger aus den Niederlanden und ab diesem Moment begannen sich die Dinge zum Positiven zu ändern. Es tat mir unglaublich gut, nicht mehr allein zu sein und jemanden zu haben, der mich verstand. Zudem war nun im Zentrum, in dem ich arbeitete, Schulbeginn und somit ging auch meine Arbeit los. Am Anfang gestaltete sich diese jedoch anders als erwartet. Ich sollte als Unterstützung in der Vorschule arbeiten und teilweise auch mit den Kindern die im örtlichen Krankenhaus waren. Viele der Kinder waren jedoch noch nie in der Schule gewesen und weinten die ersten Tage ununterbrochen. Die Lehrerinnen taten nicht viel, die Kinder würden sich ja bald daran gewöhnen und mir waren aufgrund meiner mangelnden Sprachkenntnisse die Hände gebunden. Zudem hatten manche Kinder Angst vor mir, da viele von ihnen noch nie eine Weiße gesehen hatten. Ich verbrachte also die ersten Tage mit 25 ununterbrochen weinenden Kindern in einem Raum und konnte nichts dagegen tun. Nicht unbedingt das, wie ich mir meine Zeit vorgestellt hatte.

Doch auch dies wurde mit der Zeit besser und die Kinder begannen, mich mehr und mehr zu mögen. Die Arbeit mit ihnen zeigte mir, dass sprachliche Grenzen kein Hindernis zwischen Menschen sein müssen, da, obwohl die Kinder kein Französisch sprachen und ich kein Fon, wir sehr viel Spaß miteinander hatten. Und auch von den Eltern, die der Weißen am Anfang eher Misstrauen entgegen gebracht hatten, wurde ich mehr und mehr akzeptiert, als sie sahen, wie sehr viele der Kinder an mir hingen. Ich fühlte mich wunderbar in das Zentrum integriert und es begann, eine Art Ersatzfamilie für mich zu werden. Hier war ich nicht die reiche Weiße, der Yowo (das bedeutet Weißer in Fon), niemand starrte mich an oder rief mir hinterher, hier war ich einfach nur Sophie, ein Mensch wie alle anderen auch, so wie ich eigentlich gerne von allen Menschen in Benin wahrgenommen worden wäre. Doch als Weißer wird einem meistens entweder Bewunderung oder Misstrauen entgegen gebracht, selten einfach nur Sympathie oder Antipathie. Viele sehen einen als überlegen und etwas Besseres an, denn wenn man in Europa lebt, kann man nur ein besserer Mensch sein, da man sich dies ja irgendwie verdient haben muss. Für viele ist Europa das Paradies auf Erden und je ärmer die Menschen werden, umso ausgeprägter wird dieses Bild. Zudem verschanzen sich die meisten Weißen in Benin hinter dicken Mauern und wenn sie das Haus verlassen, dann meistens nur in ihren Geländewagen, sehr selten sieht man sie einfach auf der Straße gehen oder auf einem Motorrad. Kein Wunder also, dass die Menschen glauben, jeder Weiße wäre reich und ihnen überlegen, bzw furchtbar arrogant, wenn dies alles ist, was sie zu sehen bekommen. Denn ich hatte den Eindruck, sobald ich in ein Taxi gestiegen bin und mich zusammen mit den Menschen zu 7 oder 8 in ein 20 Jahre altes Auto gezwängt habe oder in einer Sraßencafeteria gegessen habe, war ich akzeptiert, da ich den Menschen zeigte, dass ich sie und ihre Lebensart nicht als unter meiner Würde und unter meinem Standard ansah.Ich hätte auch nicht verstanden, warum ich anders hätte handeln sollen, ich bin ja schließlich nach Benin gegangen um die Menschen und das Land kennenzulernen und nicht um mir das alles nur aus einer Blase heraus anzusehen.

Ich muss jedoch gestehen, dass ich den materiellen Luxus auch oft vermisst habe. Zu Hause fällt es mir leicht, auf Sachen zu verzichten, doch sobald man dazu gezwungen ist, wird einem klar, wie sehr dieser Verzicht an eine freiwillige Basis gebunden ist. Ich begann, Sachen zu vermissen, die ich hier eigentlich gar nicht so oft konsumiere. So war ich zum Beispiel überglücklich, als ich in einem Supermarkt eine Tiefkühlpizza entdeckt habe und manchmal hätte ich den kalten Eimer Wasser, den ich mir jeden Morgen über den Kopf gekippt habe, auch gerne gegen eine heiße Dusche eingetauscht. . Hier weiß ich, dass ich die Möglichkeit habe, etwas zu kaufen, wenn ich es möchte und gerade deswegen fällt es mir leicht, es nicht zu kaufen. In Benin war das Gegenteil der Fall. Und wenn ich schon so reagiere, wie muss es erst den Menschen gehen, die ihr Leben lang in dieser Situation gelebt haben, vor allem in Bezug auf Europa? Dies war jedoch bei weitem nicht das, was mich am meisten gestört hat. Viel mehr habe ich meine Freiheit vermisst, zum Beispiel die Möglichkeit, alleine abends vor die Tür zu gehen und allgemein einfach mal irgendwo hinzugehen ohne mir Gedanken um meine Sicherheit zu machen. Noch etwas, dessen wir uns gar nicht bewusst sind in Europa, vor allem in Westeuropa, welch hohe Sicherheit wir genießen. Zudem litten wir sehr oft unter Stromausfall, was doch mit der Zeit sehr frustrierend wurde, da man komplett von der Außenwelt, also von Zuhause abgeschnitten wurde. Ich weiß nicht, wie oft wir die Situation hatten, dass wir mit jemandem skypen wollten und zack, war der Strom weg. Manchmal nur für 10 Minuten, oft jedoch länger und man konnte nie vorhersagen, wann und ob es passieren würde. Wenn dann auch noch die Batterien der Taschenlampe leer waren, saß man ganz schön blöd da und in solchen Nächten war an Schlaf nicht zu denken, da dann auch die Klimaanlage streikte. Teilweise hatten wir auch für längere Zeit kein Wasser, wie ich an anderer Stelle auf dem Blog berichtet habe.

Leider war ich auch viel krank. Ich litt oft unter Durchfall, gut das hatte ich mir erwartet, doch etwas nervig war es schon. Zudem war ich oft erkältet und eine tropische Erkältung ist etwas anderes als eine Erkältung bei uns, auch wenn ich mir das nicht träumen lassen hätte. Ich hatte während mehreren Wochen zum Beispiel einen Husten, der sich angehört hat, als ob ich im Sterben liegen würde und der einfach nicht abklingen wollte, auch wenn ich ein, zwei Tage zu Hause blieb. Allgemein waren diese Erkältungen relativ anstrengend und teilweise eine Strapaze, eines Abends war ich zum Beispiel so erschöpft, dass ich fast umgekippt bin.

Und doch, trotz all dieser Probleme begann ich mich mehr und mehr in Benin zu Hause zu fühlen. Ich hatte mich mit vielen Menschen angefreundet und Stan und ich hatten noch eine dritte Freiwillige im Dorf kennengelernt, mit der wir öfter das Wochenende verbrachten. Es machte mir Freude, mich in dieser so anderen Welt zu bewegen und ein bisschen erfüllte es mich auch mit Stolz, dass ich mich integriert hatte und zurechtkam. Ich hatte meinen Platz in dieser Welt gefunden und Allada fühlte sich so langsam wie ein Zuhause an und die Menschen um mich herum wie eine Familie.

Bis dann die Nachricht kam, dass ich nach Hause müsste, aufgrund von Differenzen mit der Organisation. Dies ist eine lange Geschichte, auf die ich jetzt hier nicht eingehen werde, da es viel zu lange dauern würde, doch die Nachricht kam ohne Vorwarnung und gestaltete sich als absoluter Schock. Ich konnte es nicht glauben, gerade hatte ich meinen Platz gefunden und nun sollte das alles vorbei sein. Eine Woche blieb mir, um mich zu verabschieden. Eine Woche die, wenngleich sie sich sehr intensiv gestaltete, einfach nicht ausreichte, um Abschied zu nehmen. Immerhin hatte ich geglaubt, dass ich noch 3 Monate bleiben sollte. Und so kam ich mit dem Gefühl nach Hause, meine Zeit nicht richtig abgeschlossen zu haben. 3 Monate, die fehlen und die ich nie zurückbekommen werde. 3 Monate, die ich nicht mit diesen lieb gewonnenen Menschen, von denen ich einige wohl nie wiedersehen werde, verbringen konnte. 3 Monate, die für immer einen faden Beigeschmack hinterlassen werden. Wahrscheinlich ist auch deswegen meine Verbundenheit zu Benin so groß, da ich gegen meinen Willen nach Hause gekommen bin und es sich einfach nicht richtig anfühlte. Ich weiß, ich überdramatisiere, doch es fühlt sich an, als ob ich aus diesem Land gerissen worden sei und so wird wohl immer das Gefühl bleiben, etwas verpasst zu haben.

Trotzdem würde ich diese Entscheidung gleich wieder treffen. Benin war zwar nicht die beste Erfahrung meines Lebens, doch sicherlich die größte und wichtigste. Ich habe so unglaublich viel gelernt, über mich selbst, über das Leben, über die Menschen, über die Welt… Ich habe einen Einblick hinter die Stereotypen erhalten und ich weiß nun, dass Afrika, oder zumindest Benin, wenngleich auch viele Klischees zutreffen, mehr als nur Armut und Hunger ist. Es ist eine eigene, für uns manchmal schwer verständliche Kultur, in der der Mensch im Mittelpunkt steht und die auf eine lange Geschichte und Zivilisation zurückblicken kann. Doch die größte und wichtigste Lektion die ich mitnehme, ist diese: Egal wo man ist auf der Welt, egal welchen Status man hat, das Wichtigste ist, dass man von Menschen umgeben ist, die einem wichtig sind und die einem das Gefühl vermitteln, dass man ihnen ebenfalls etwas bedeutet. Denn es waren diese Menschen, die meine Zeit in Benin zum Positiven verändert haben und mir immer wieder Freude gegeben haben. Ohne sie hätten sich die ersten zwei Wochen zu mehreren Monaten ausgedehnt und ich wäre glücklich gewesen, früher nach Hause zu kommen.

Jedoch hat mich diese Erfahrung auch kritischer der klassischen Entwicklungshilfe gegenüber werden lassen, da ich ihre Mängel mit eigenen Augen gesehen habe. Ich will mich zwar stärker in diesem Bereich engagieren, doch sie kann keine endgültige Lösung sein, denn so werden es immer die reichen Weißen bleiben, die den armen Afrikanern (ich möchte die Entwicklungshilfe hier keinesfalls auf Afrika reduzieren, sondern eben über die spezifische Situation dieses Kontinents schreiben) helfen kommen, ohne dass diese je die Chance haben werden, ihre Probleme eigenmächtig zu lösen. Wir brauchen die Entwicklungshilfe als Übergangslösung, doch langfristig kann eine Veränderung nur auf politischem Niveau und mit einer Verbesserung der Handelsbeziehungen herbeigeführt werden. Natürlich spielen auch der Krieg und die Korruption eine Rolle, doch diese werden oft auch durch die herrschende Armut herbeigeführt. Diese Länder brauchen die Chance, auf eigenen Füßen zu stehen, sonst wird sich an der derzeitigen Situation nie wirklich etwas ändern.

Alles in allem also eine sehr lehrreiche Erfahrung und auch wenn ich mich wohl für den Rest meines Lebens fragen werde, wie die restlichen 3 Monate ausgesehen hätte, möchte ich sie auf keinen Fall missen. Wahrscheinlich habe ich hier noch sehr viel vergessen zu sagen, doch es ist unmöglich einfach alles in Worte zu fassen. Deswegen möchte ich jenen danken, die den langen Beitrag zu Ende gelesen haben und wenn ihr mehr über meine Zeit in Benin wissen wollt, könnt ihr  auch  meine anderen Beiträge auf dem Blog lesen.

Ohuengbi,

Sophie

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Verfasst von - 30. August 2017 in Freiwilligendienst in Afrika, Reisen

 

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Freiwilligendienst in Afrika

Freiwilligendienst in Afrika

Ich befinde mich nun seit 2 Wochen in der afrikanischen Republik Benin, wo ich einen Freiwilligendienst von 6 Monaten verrichte. Heute möchte ich einige meiner bisherigen Erfahrungen mit euch teilen. Ich arbeite mit behinderten Kindern sowie mit Kindern die mit Deformationen geboren sind. Wir verrichten Übungen mit den Kindern die unter Deformation leiden und unterrichten die Kinder zusammen mit anderen Kindern, um sie sozial zu integrieren. Da die Schule allerdings erst am Montag beginnt, kann ich dazu noch nicht viel sagen, ich habe jedoch bereits genug Zeit gehabt um die „afrikanische“ Lebensweise näher kennenzulernen.  Es würde Romane füllen, diese bis ins kleinste Detail zu beschreiben, drum will ich mich hier auf das Wesentliche beschränken. Es existieren gewisse Ähnlichkeiten mit der westlichen Welt, da zum Beispiel viele ein Smartphone besitzen und fast jeder die sozialen Netzwerke nutzt. Jedoch beschränken sich die Ähnlichkeiten fast ausschließlich auf die technologischen Aspekte. So ist das Leben hier zum Beispiel viel weniger strikt und reglementiert und es ist nichts Ungewöhnliches, dass man 4 Leute auf einem Motorrad sitzen sieht (ohne Helm natürlich und auch das Motorrad hat kein Kennzeichen) oder sich zu 8 in ein Taxi quetscht (wobei ich aus eigener Erfahrung spreche). Wenn man sich denn in ein Taxi setzt, so folgt man Straßen, die auf beiden Seiten von kleinen Hütten umgeben sind, die fast immer Geschäfte beherbergen. Denn viele Leute leben hier vom Verkauf oder verdienen sich damit etwas dazu und so ist fast jeder Inhaber eines Geschäfts, sei es auch noch so klein und auch, dass jemand einem an einer roten Ampel einen Basketballkorb oder einen Wasserkocher andrehen will, ist nichts Ungewöhnliches.

Ein weiterer Unterschied stellt der Umgang mit Müll dar. Traurigerweise  existiert hier überhaupt kein Bewusstsein dafür und vieles wird in den Abfluss oder auf die Straße geworfen. Ich habe vor kurzem einen Spaziergang zwischen Feldern unweit der Hauptstadt gemacht und selbst dort haben sich Müllhaufen meinem Blick offenbart, also praktisch zwischen der zukünftigen Nahrung der Menschen. Auch der Strand ist vollgepflastert mit Abfall, denn alles wird einfach achtungslos weggeworfen. Dies führt dazu, dass es in den Städten sehr schmutzig ist, vor allem in den ärmeren Vierteln. Da wir beim Stichwort Armut sind: es stimmt, dass hier teilweise große Armut herrscht, jedoch wird in Europa oft ein falsches Bild der Situation gezeichnet. Denn auch wenn die Leute nicht viel besitzen, reicht es doch um zu überleben  und die Menschen erfreuen sich an dem Wenigen, was sie haben. Jedoch wird auch umgekehrt Europa als das Paradies dargestellt, obwohl dies nun doch nicht zutrifft, auch wenn ich persönlich sagen muss, dass mir nun richtig bewusst geworden ist, in welch großem Luxus wir leben.

Wie sieht es nun jedoch mit den Menschen in diesem Land aus? Meine Erfahrungen bis jetzt sind überaus positiv was das betrifft. Auch wenn es sich vom materiellen Standpunkt her um ein armes Land handelt, so besitzen die Leute hier einen Reichtum, der uns in Europa fehlt: Menschlichkeit. Hier unterscheidet man nicht zwischen Fremden und Freunden sowie Familie, jeder wird herzlich aufgenommen und mit großer Freundlichkeit behandelt. Ein Fremder kann innerhalb von Sekunden zum Freund werden oder gar in die Familie aufgenommen werden. Ein Beispiel: Ich habe durch Zufall einen Jungen in der Hauptstadt kennengelernt, der sich die Zeit genommen hat mir die Stadt zu zeigen und mich bereits seiner Familie vorgestellt hat, die mich umgehend in den Familienkreis aufgenommen hat und mich am Samstag mit auf den Familienausflug nimmt (mich, ein wildfremdes Mädchen!). Eine solche Wärme ist mir in Europa selten untergekommen, denn diese Familie ist bereit, das Wenige was sie hat, mit mir zu teilen. Auch in dem Zentrum in dem ich arbeite, hat man mir erklärt, dass wir eine Familie bilden und jeder dazugehört und dass ich mich beim geringsten Problem melden solle, denn schließlich wären sie da, um mir zu helfen. So gehört hier auch die Frage „Ça va?“ („Wie geht’s?“) zur obligaten Begrüßungsformel, egal ob man mit einem Wildfremden oder einem guten Freund spricht. Jedoch habe ich auch bereits die andere Seite der Medaille kennen- und zu verstehen gelernt, was es bedeutet, seiner Hautfarbe nach beurteilt zu werden. Denn als Weißer wird man sehr oft angeschaut und angesprochen, was an sich nicht das Problem ist, doch auch eher vulgäre Kommentare gehören dazu und manchmal fühlt man sich doch ein bisschen wie ein Stück Freiwild. Doch die positiven Erfahrungen überwiegen bisher und manche Leute haben sich sogar bei mir bedankt, dass ich mein Land verlassen habe um ihnen zu helfen, was mich jedesmal sehr berührt, da hinter diesen Worten aufrichtige Freundlichkeit und Dankbarkeit steckt.Somit sind für mich bis jetzt, nach anfänglichen kleinen Schwierigkeiten, vor allem die menschliche Wärme und die Kommunikation prägend gewesen.

Zum Abschluss ein kleines Gedicht, das vielleicht besser illustriert, was ich euch mitzuteilen versuche.

The colours of Benin

A dusty road painted in red,

framed by tradesmen and shops

containing simple and pure joy of life,

just as kindness and familiarity.

Laughing is thrown into the air

and you feel embraced

by human warmth and generosity,

lingering around all the way.

They are wrapped into friendly words,

a smile or curious looks,

gifts given to strangers

as well as to family and friends,

which surpass the value

of the material goods

that are ready to be sold.

The colourful clothes

taking part in the scenery

translate the essence of this world

to the stranger`s admiring eye,

who is no longer blinded

by the grey veil

created by the western world.

Copyright 2016 Sophie Modert

 

– Sophie

 
 

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