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Mondscheinsonette – Ein Eigenkommentar (Teil 4)

19 Feb

Dies ist der vierte und letzte Teil meines Eigenkommentars. Falls ihr den letzten verpasst habt, könnt ihr ihn hier nachlesen.

Dieser letzte Abschnitt beginnt mit dem Sonett „erwachen”. Zurück in der sogenannten Realität, scheint sich erst einmal nicht viel verändert zu haben: das lyrische Er irrt ziellos durch eine „erwachte gläserne stadt”, voll von Menschenmassen („die herde trabt”) die sich nun wieder dem grotesken Spiel des Alltags widmen. Das lyrische Er ist noch immer allein, eine andere Konsequenz war nach dem letzten Abschnitt auch nicht zu erwarten, allerdings bannt sich mit den nun folgenden Gedichten eine radikale Änderung in diesem ganzen Zyklus an. „festung westen”, „homo stultus” und „puppenspiel” fokussieren sich nämlich nicht mehr auf das lyrische Er, das bis jetzt im Zentrum des Gedichtbandes stand. Diese Sonette sind äußerst sozialkritisch und genau in dieser Natur liegt ihre Bedeutung für das Ende dieses Sonettzyklus: der Eskapismus des ersten Abschnitts hat sich für das lyrische Er als Sackgasse herausgestellt, dieser Welt die er so verachtet und die ihn isoliert, kann er nicht entfliehen. Akzeptieren muss er sie aber auch nicht. Diese letzten Sonette sind Demontagen einer scheinheiligen Welt, sie sind Angriffe mit den Mitteln der Sprache auf Arroganz, Selbstverliebtheit und Oberflächlichkeit einer Gesellschaft die dem „glänzenden götzen geld” vollends angehört. Indem er diese Welt um ihn herum entlarvt, nimmt er ihr ihre Bedrohlichkeit und findet auch gleichzeitig seinen Platz in dieser Gesellschaft. Zu dieser sozialen Einsicht kommt aber auch noch eine persönliche hinzu. Im Sonett „der beobachter” wird das Motiv der gläsernen Wand, welches zum ersten Mal im Sonett „die schwarze perle” benutzt wurde, erneut aufgegriffen, dieses Mal aber konkretisiert. Wieder ist die Rede von einer nicht näher definierten „sie”, eventuell handelt es sich um die gleiche Person die bereits mehrmals in den vorherigen Sonetten erwähnt wurde (insbesondere in „zwei eins”), dies bleibt aber unbeantwortet. Wichtig ist, dass das lyrische Er sich hier erstmals seiner Situation in dieser schattenhaften „Beziehung” bewusst wird: hinter einer Glaswand, die eine scheinbare Realität greifbar erscheinen lässt, sie aber in Wahrheit unerreichbar für ihn macht. Offen bleibt in diesem Gedicht, welche Entscheidung das lyrische Er nach diesem Erkenntnisgewinn trifft: verlässt er seinen Platz hinter der Glaswand, oder bleibt er sitzen ?

Mondscheinsonette schließt mit einem sehr speziellen Sonett: „tod eines ich”. Zum ersten Mal im ganz Buch kommt hier die erste Person Singular vor, das „Ich” was im ganzen Zyklus bisher abwesend war. Vergleicht man dieses Sonett mit dem Anfangsgedicht „musengesang”, wird die Entwicklung die das Buch beschreibt äußerst deutlich. Kurze Verse, viele Fragen und Aufforderungen, sowie eine Stimme die offensichtlich mit jemandem spricht. Ich möchte dieses Sonett eigentlich auch an dieser Stelle nicht weiter kommentieren, weil es eigentlich auch das Bindeglied zwischen diesem Buch und meinem nächsten Gedichtband glaswand ist, der demnächst erscheinen wird. Für diejenigen von euch die es interessiert, lest euch diesen neuen Lyrikband durch und denkt dann noch einmal über dieses Abschlusssonett nach. Die Antwort müsste sich euch dann eigentlich recht schnell erschließen.

Hiermit endet mein Eigenkommentar zu Mondscheinsonette. Das Buch ist inzwischen leider nicht mehr im Handel erhältlich, ich persönlich bin aber noch im Besitz einiger Exemplare. Falls ihr noch kein Exemplar besitzt, könnt ihr es euch gerne über meine Website (https://webertom.com/mondscheinsonette) direkt bei mir bestellen. Für alle anderen, die ihn bereits gelesen haben, hoffe ich, dass euch dieser Sonettzyklus gefallen hat. Bevor mein nächster Lyrikband erscheint, würde es mich natürlich auch interessieren, was eure Gedanken zum Buch sind. Schreibt sie mir in die Kommentare, hier oder gerne auch auf meiner Facebook Seite, auch Fragen zum Buch beantworte ich mit Freuden. Seit dieser Woche bin ich auch offiziell auf goodreads mit einer Autorenseite vertreten, dem Link findet ihr unter diesem Beitrag. Dort könnt ihr mir ebenfalls eure Fragen stellen, meine Bücher bewerten und vieles mehr. Ich danke jedenfalls all meinen Lesern und hoffe euch auch in Zukunft interessante Literatur liefern zu können.

goodreads Autorenprofil:

https://www.goodreads.com/author/show/99151.Tom_Weber

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