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Freiwilligendienst #5-Kulturschock

Freiwilligendienst #5-Kulturschock

Dieses Wochenende habe ich einen ziemlich großen Kulturschock gehabt, jedoch hat dieser sich anders gestaltet als man es vielleicht erwarten mag. Denn er hat keineswegs daraus bestanden, dass ich etwas Neues und Unbekanntes entdeckt habe, sondern eher etwas, was in Europa alltäglich ist: Ich bin in den größten Supermarkt gegangen, den man in Benin finden kann und außerdem einer der einzigen wirklich großen Supermärkte. Dies war das erste Mal seit über 2 Monaten, dass ich in solch einem Supermarkt eingekauft habe und nach solch einer Zeitspanne, die man damit verbracht hat, bei den kleinen Straßenhändlern einzukaufen und auf vieles zu verzichten, hauen einen die vielen Regale, in denen man alles findet, was das Herz begehrt und noch viel mehr, sprichwörtlich um. Die vielen weißen  Leute, die man zudem vorfindet, geben einem das Gefühl geradewegs wieder in Europa gelandet zu sein. Doch damit nicht genug, der ganze Supermarkt war auch noch weihnachtlich dekoriert, was natürlich sehr authentisch ist. Man kommt also in leichten Kleidern aus 30 Grad in diese „wihnachtliche“ Welt hinein und um ehrlich zu sein, es kommt einem einfach nur lächerlich vor. Es handelt sich um eine artifizielle Welt des Scheins und es demaskiert den ganzen Rummel, den wir um Weihnachten veranstalten, als oberflächlich und das kommerzielle Geschäft, das er schlussendlich ist. Hier feiert man Weihnachten zwar, jedoch kommt es vom Herzen und aus wahrem Glauben heraus, ohne dieses Hektik, mit der es bei uns untrennbar verbunden ist. Somit waren wir uns defintiv alle einig, dass das ganze Spektakel einfach nur „insane“ war und ich glaube, ich habe die Hitze noch nie so genossen, als in dem Moment, in dem wir wieder herausgekommen sind. Es illustriert jedoch sehr gut eine Diskussion, die wir gestern geführt haben, darüber ob es als Weißer möglich ist, ein Leben in Benin zu führen, das wirklich authentisch ist mit dem Leben, das der Großteil der Bevölkerung führt, denn solche Orte wie dieser Supermarkt sind ein Sinnbild dafür, wie die meisten Leute aus der westlichen Welt hier leben: Sie wollen nicht auf den Luxus verzichten und führen somit ein Leben abgeschirmt von der Realität, wobei ich jedoch die Frage aufgeworfen habe, worin dann noch der Sinn besteht, hier zu leben. Schließlich sind wir zum Schluss gekommen, dass es möglich ist, nahe an das Leben der Durchschnittsbevölkerung ranzukommen, (wobei ich teilweise aus eigener Erfahrung spreche), aber ganz wird man nie ein Teil davon werden und doch immer der Iowo (Weißer) bleiben.

Einen Kulturschock einer leicht anderen Art habe ich am Samstag beobachtet, da wir von einer Gruppe Kanadiern in ein thailändisches Restaurant eingeladen wurden und ein Freund von mir aus Cotonou uns begleitet hat. Ich kann es nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, aber ich könnte mir vorstellen, dass es sein erster Besuch in einem richtigen Restaurant gewesen ist und es war zudem ein eher schickes Restaurant. Zudem hat man auch hier größtenteils Ausländer vorgefunden, es war also das erste Mal, dass er sozusagen der Fremde war und derjenige, der nicht ins Bild gepasst hat. Es klingt wahrscheinlich hart, wenn ich das so schreibe, aber dies ist das Gefühl, das einem als Weißen von vielen Leuten hier vermittelt wird. Somit hat er sich auch sichtlich unwohl gefühlt und keine Anstalten gemacht, am Gespräch teilzunehmen. Man hat ihm angemerkt, dass das Essen ihm ebenfalls nicht geschmeckt hat oder dass er auf jeden Fall sehr skeptisch war, auch wenn er alles gegessen hat. Er hat mir an diesem Abend ein bisschen leid getan, aber ich muss sagen, dass es trotz allem interessant war zu sehen, wie jemand von hier sich tatsächlich in dieser westlichen Welt zurechtfindet, die hier jeder als Paradies betrachtet und in der jeder leben will. Ich glaube, es hat ihm auch ein bisschen die Augen geöffnet, dass ein Kulturwechsel, egal wie reich die Welt, in die man eintaucht, auch ist, doch nicht immer so leicht ist und Luxus nicht alles im Leben ist.

 

Sophie

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Sonntagslyrik #9

Der Materialismus war vielleicht noch selten so elementar in einer Gesellschaft verankert wie in der unsrigen. Eine Feststellung die auch den Lyrikern nicht entgeht.

 

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