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Freiwilligendienst #3

27 Okt
Freiwilligendienst #3

Strom und fließendes Wasser, eine Selbstverständlichkeit, oder? Keineswegs! Ich habe diese Woche erfahren, was für viele Menschen auf diesem Kontinent alltägliche Realität ist. Es gab während 4 Tagen weder Strom noch fließendes Wasser, das Wasser bleibt sogar jetzt noch manchmal aus. An die Stromausfälle ist man ja gewöhnt, aber sie beschränken sich normalerweise auf einige Stunden. Der Hauptgenerator der Allada und die umliegenden Dörfer versorgt, hatte jedoch Probleme und so blieb der Strom für mehrere Tage aus und somit auch das Wasser. Nun hatten wir hier noch das Glück, dass stets Wasser in einem großen Bottich bereitstand und wir uns dieses nur zu zweit teilen müssen.Trotzdem merkt man erst in einer solchen Situation wie viel Wasser  wir wirklich brauchen und wie oft wir es im Alltag benötigen, sei es nur für Kleinigkeiten wie zum Beispiel Gemüse waschen oder zum Zähneputzen. Wenn man auf einmal dran denken muss, immer ein bisschen Wasser für solche Sachen bereitstehen zu haben, wird einem dies ganz schnell bewusst und auch wie viel Wasser eine Toilettenspülung benötigt, merkt man erst, wenn sie nicht mehr funktioniert. Obwohl es teilweise eine ärgerliche Situation war, bin ich doch froh darüber, denn so wird einem erst richtig bewusst, was es bedeutet tagtäglich ohne fließendes Wasser auskommen zu müssen, sowie ohne Strom. Doch die meisten Menschen, die ohne all dies auskommen müssen, haben nicht das Glück nur wenige Meter bis zu ihrer Wasserquelle zurücklegen zu müssen, sondern mehrere Kilometer, eine Situation, die für mich auch nach dieser Erfahrung unvorstellbar bleibt.

Doch der Stromausfall hat auch teilweise Vorteile geboten. Obwohl während diesen 4 Tagen weder der Kühlschrank noch die Klimaanlage funktioniert haben (was das Schlafen beträchtlich erschwert) hatten wir auch kein Internet, was dazu geführt hat, dass man wieder viel mehr Zeit draußen und mit den Menschen verbracht hat, das Leben wurde also viel geselliger. Nicht dass dies jetzt nicht der Fall ist, aber man bemerkt doch einen gewissen Unterschied.

Doch auch heute habe ich Sachen gesehen, die man sich in der westlichen Welt nur schwerlich vorstellen kann.Ich habe heute Menschen getroffen, deren Beine gelähmt oder völlig deformiert sind. Bei uns würde man sich einer Operation unterziehen oder sich einen Rollstuhl anschaffen, doch dafür fehlt hier an allen Ecken und Enden das Geld. Ich habe zum Beispiel eine alte Frau gesehen, die gelähmt ist und die ihr ganzes Leben lang entweder kriechen oder getragen werden musste. Stellt euch diese Entwürdigung und ständige Abhängigkeit vor! Doch jetzt hat eine Organisation in ganz Benin Rollstühle verteilt und auch hier in Allada wurden 20 Stück geliefert, die diesen Menschen ein einigermaßen würdevolles und unabhängiges Leben ermöglichen. Da die Leute dafür sozusagen vermessen werden müssen, sind wir heute in ein kleines Dorf gefahren, dass dem Bilderbuch der Klischees entsprungen sein könnte. Es bestand größtenteils aus Lehmhütten mit Strohdächern die um einen großen Platz gruppiert waren. In dem Moment schien es mir nur schwer vorstellbar, dass sich weniger als eine Stunde Autofahrt entfernt eine Stadt befindet mit Strom, Internet, Geschäften, Autos etc. In diesem Moment hat sich mir die Frage aufgedrängt wie diese beiden Welten so nah nebeneinander funktionieren können…

Ich habe jedoch auch einige Erfolge zu verzeichnen. So mögen die Kinder mit denen ich arbeite, mich zum Beispiel immer mehr und sind ganz traurig, wenn ich nicht mit ihnen arbeite und auch mir sind sie richtig ans Herz gewachsen. Zudem habe ich gestern mit dem Jungen, mit dem ich Gedächtnistraining mache, innerhalb von nur 90 Minuten einen großen Fortschritt erzielen können, was mich mit Stolz und Freude erfüllt hat. Ich fühle mich immer mehr als ein integraler Teil des Zentrums und jedesmal, wenn die Kinder mir winken oder fragen, warum ich heute nicht zu ihnen komme (an den Tagen an denen ich mit behinderten Menschen arbeite), freut mich dies sehr, da es zeigt, dass  ich meine Arbeit gut mache. Zudem hoffe ich, dass ich es schaffen werde, ihnen etwas mit auf den Weg zu geben, wie zum Beispiel, dass man etwas gegenseitig teilen kann und nicht alles für sich beanspruchen muss.

Leider werde ich die Kinder auf ihrem weiteren Weg nicht begleiten können und ich werde wahrscheinlich nie wissen, zu welchen Menschen sie sich einmal entwickeln werden, doch  ich hoffe, dass sie späterhin einmal die Menschen sein werden, die keinen Unterscheid anhand der Hautfarbe machen und jeden Menschen, ganz gleich von welchem Kontinent er kommen mag, gleich behandeln werden.

Zum Abschluss noch ein Gedicht, dass an das Gedicht „Bubbles“ anknüpft und vom afrikanischen Sternenhimmel inspiriert wurde.

Night bubbles

Millions of bubbles

are hanging in the sky,

their stories of the wind

wrapped into light

and illuminating the night.

They are dropping down

into an obscure reality,

where they are collected

by the delighted spectator

to chase the darkness away

and enlighten other bubbles` way.

Copyright 2016 Sophie Aduial

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