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Abschiedsgeflüster

Abschiedsgeflüster

Es ist ein grauer Sommertag. Es reden zwei vom selben Schlag.

Herr V: Mein Freund, du siehst niedergeschlagen aus. 

Herr W: Ich bin dabei Abschied zu nehmen.

Herr V: Nicht mehr als das? Dann würde ich dir raten, deinen Kummer zu vergessen. Man kommt, man geht, dies ist der Lauf des Lebens. Was du heute noch beweinst hast du morgen bereits vergessen, du wirst schon sehen.

Herr W: Manchmal habe ich das Gefühl deine Arroganz kenne keine Grenzen. Es muss einfach sein du zu sein, oder? Das Leben zu beobachten ohne daran teilzunehmen, Gefühle zu benutzen wie man Werkzeug benutzen würde?

Herr V: Du denkst nicht klar. Ehrlich gesagt verstehe ich dich überhaupt nicht. So wie ich es sehe, fällt dir der Abschied doch schwer, weil du dich in deinem momentanen Umfeld so wohl fühlst. Warum also traurig sein? Wenn du darauf bestehst, dass du niemanden von ihnen vergessen wirst, dann wirst du sie eben in guter Erinnerung behalten. Das ist doch positiv!

Herr W: Du verstehst es immer noch nicht. Ich verlasse nicht einfach einen Ort an dem es mir gefiel. Ich verlasse nicht einfach eine Gruppe Leute mit denen es auszuhalten war. Ich verlasse ein Zuhause. Ich verlasse eine Familie.

Herr V: Ach bitte! Du bezeichnest diese Menschen wirklich als Familie? Du hattest doch nicht einmal den Anstand mich den Meisten vorzustellen! Mich! Ich habe mehr für dich getan als sie alle zusammen.

Herr W: Und doch wünschte ich, es wärest du den ich verlassen müsste.

Herr V: Mich verlassen würde bedeuten dich selbst verraten. Du bist nichts ohne mich. Ohne sie können wir uns endlich den wirklich wichtigen Dingen widmen! 

Herr W: Es gibt kein „wir”, das habe ich dank ihnen verstanden. Es gibt dich und es gibt mich. Du hast nichts mit mir zu tun. 

Herr V: Irr ruhig deinen Hirngespinsten nach, doch sobald wir wieder alleine sind wirst du schon merken wie sehr du mich brauchst! Egal was du sagst, ich kenne dich. In einer dunklen Stunde, wenn sie dich alle verlassen haben, wirst du zu mir zurückkehren. Weil ich alles bin was übrig ist. Weil ich dich niemals verlassen werde.

Herr W: Alles was du sagst ist wahr. Genau deswegen beweine ich diesen Abschied. Ich fürchtete den Tag an dem du meine letzte Zuflucht sein würdest. Du wurdest geboren aus Verzweiflung nur um dich wie eine Aschewolke über meine Zukunft zu legen. Ich bitte dich, gehe nun. Ich will meine letzten Tage mit ihnen genießen.

Herr V: Ganz wie du wünschst. Ich gehe… und warte.

Copyright 2016 Tom Weber

 
Ein Kommentar

Verfasst von - 25. Dezember 2016 in Literatur

 

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