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Die Reisen des Herrn Nimo – Vacuustan

Herr Nimo ist ein Reisender den es immer wieder an recht sonderbare Orte verschlägt. Doch dem aufmerksamen Leser wird es nicht verborgen bleiben, wie bekannt uns diese Städte und ihre Bewohner eigentlich sind.

Herrn Nimos Reise führte ihn in eine Stadt namens Vacuustan. Überrascht stellte Herr Nimo fest, dass die Stadt sich in einem erbärmlichen Zustand befand. Die Straßen waren voller Schlaglöcher, die Fenster der Häuser teilweise zerschlagen und viele Türen aus den Angeln. Doch die Stadt war nicht etwa verlassen, im Gegenteil. Herr Nimo begegnete vielen Leuten, die ihn sogar freundlich grüßten. Als er schließlich fast von einem herabfallenden Dachziegel erschlagen wurde, hielt Herr Nimo den nächsten Passanten an und fragte:

„Entschuldigen Sie bitte mein Herr, ich bin ein Reisender und gerade in ihrer Stadt angekommen. Könnten Sie mir vielleicht erklären warum sie so baufällig ist?”

„Ach das würde ich wirklich gerne, aber leider habe ich gerade überhaupt keine Zeit. Ich bin auf dem Weg zum Stadtpark um einen Stein zu fotografieren, sie verstehen also bestimmt, dass ich es eilig habe.”

Ohne Herrn Nimo eine Antwortmöglichkeit zu bieten, stürmte der Vacuustaner bereits davon. Etwas verwirrt versuchte er sein Glück beim nächsten Passanten:

„Entschuldigen Sie bitte mein Herr, ich bin ein Reisender und gerade in ihrer Stadt angekommen. Könnten Sie mir vielleicht erklären warum sie so baufällig ist?”

„Eigentlich liebend gerne, aber ich muss unbedingt zum Stadtplatz um die Treppe zum Rathaus hinaufzuspringen, Sie verstehen also bestimmt meine Eile!”

Auch dieser Passant ließ Herrn Nimo ohne weitere Worte stehen. Immer ratloser, angesichts dieses seltsamen Verhaltens der Bewohner, änderte er seine Taktik. Er hielt Ausschau nach einem Geschäft oder Lokal, ein Unterfangen welches sich als Äußerst schwierig herausstellte. Die meisten Häuser waren bloß noch Ruinen und die meisten Bewohner Vacuustans schienen auf den Straßen herumzuwuseln. Schließlich fand Herr Nimo jedoch eine kleinere Drogerie in welcher sich tatsächlich auch noch ein Händler befand. Dieser saß hinter seinem Tresen und schien vertieft in irgendeine Aktivität zu sein. Als Herr Nimo, den der Händler scheinbar noch nicht bemerkt hatte, sich ihm näherte, sah er, dass der Händler eine einzelne grüne Erbse anstarrte. In seiner rechten Hand hielt er dabei einen Zahnstocher, den er immer mal wieder über der Erbse kreisen ließ, nur um ihn dann doch wieder für einen Moment wegzulegen.

„Entschuldigung?”, fragte Herr Nimo um die Aufmerksamkeit des Händlers zu erlangen.

„Hmm?”

Der Händler blickte die Erbse vor ihm weiter konzentriert an.

„Entschuldigen Sie mein Herr, ich bin Reisender und erst seit Kurzem in ihrer Stadt. Ich wollte mich nur erkundigen warum ihre Stadt so baufällig ist? Ich habe bereits zwei Passanten befragt, aber diese hatten… wichtigere Dinge zu tun. Könnten Sie mir vielleicht helfen?”

Der Händler antwortete ihm ohne den Blick von der Erbse zu lassen:

„Mein Herr, wie Sie sicher erkennen, bin ich im Moment leider sehr beschäftigt. Ich versuche gerade zu entscheiden, durch welche Stelle ich diesen Zahnstocher in die Erbse stechen soll. Ich kann ihnen also im Moment nicht helfen.”

„Glauben Sie denn nicht, dass Sie diese Entscheidung auch später treffen können? Wenn Sie mich fragen ist sie sowieso nicht von allzu großer Relevanz.”

„Mein Herr ich kann ganz gut selbst beurteilen was relevant ist und was nicht, vielen Dank. Wenn Sie jetzt bitte gehen könnten, Sie stören meine Konzentration.”

Da Herr Nimo bemerkte, dass er auch hier keine Antwort auf seine Frage erhalten würde, entschied er sich das Geschäft zu verlassen. Kurz vor dem Ausgang der Stadt, bemerkte er den Bürgermeister derselben, leicht erkennbar an seiner Schärpe. Ein letztes Mal wollte Herr Nimo versuchen, seine Neugierde zu befriedigen. Er näherte sich dem Bürgermeister und fragte:

„Entschuldigen Sie bitte mein Herr, aber sind Sie zufällig der Bürgermeister dieser Stadt?”

„Der bin ich in der Tat. Kann ich ihnen helfen?”

„Nun das hoffe ich. Ich bin ein Reisender und seit ich in ihrer Stadt angekommen bin, frage ich mich warum sie so baufällig ist? Gibt es nicht genug Geld für Reparaturen?”

„Oh nein, nein mein Herr, Geld ist genügend da. Die Reparaturen werden auch kommen, doch Sie werden schon verstehen, dass die wirklich wichtigen Dinge natürlich Vorrang haben!”

„Nein, ehrlich gesagt verstehe ich nicht. Was ist denn bitte schön wichtiger als die Instandhaltung der Stadt?”

Der Bürgermeister sah Herrn Nimo verwundert an:

„Na Sie haben vielleicht Fragen! Ich muss mich um viele wichtige Dinge kümmern. Im Moment versuche ich zum Beispiel herauszufinden ob ich für 3 Minuten auf einem Bein stehen soll oder für 5 Minuten im Kreis um diesen Baum dort gehen soll!”

 
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Verfasst von - 21. August 2016 in Allgemein, Literatur

 

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Die Reisen des Herrn Nimo – Speciestan

Herr Nimo ist ein Reisender den es immer wieder an recht sonderbare Orte verschlägt. Doch dem aufmerksamen Leser wird es nicht verborgen bleiben, wie bekannt uns diese Städte und ihre Bewohner eigentlich sind.

Herrn Nimos Reise führte ihn in eine Stadt namens Speciestan. Kaum hatte er diesen Ort betreten, fiel ihm auf, dass seine Bewohner seltsame schwarze Kisten um ihren Kopf geschnallt hatten. Die Kisten bedeckten die Augen und einen Teil der Stirn komplett und waren undurchsichtig, was Herrn Nimo zu der Frage führte, wie die Bewohner dieser Stadt sich orientierten. Ihr Verhalten war darüber hinaus äußerst bizarr, sie schienen mit Objekten oder Personen zu interagieren die nicht wirklich da waren, jedenfalls schloss Herr Nimo dies aus der Art wie manche wild vor einem Baum herum gestikulierten oder die Arme ausbreiteten und einen Fuß vorsichtig vor den anderen setzten, so als ob sie über einen schmalen Grad balancieren würden. Manchmal standen auch Gruppen dieser Bewohner in einem Kreis zusammen und schrien auf etwas Undefinierbares in ihrer Mitte. Jedes Mal wenn Herr Nimo versuchte mit einem von ihnen zu sprechen, ignorierten sie ihn einfach, ganz so als ob er für sie nicht existieren würde. Herr Nimo irrte weiter durch diesen seltsamen Ort und kam schließlich auf einen großen Platz. Dort sah er eine Gruppe Leute in einer geraden Linie nebeneinander stehen die neben den schwarzen Kisten auf ihren Gesichtern noch seltsame Fernbedienungen in ihren Händen hielten. Ihrer Haltung und Armbewegungen nach zu urteilen schienen sie Pfeile mit Bogen auf Ziele zu schießen. Rund um sie war eine große Menschenmenge versammelt, alle mit schwarzen Kisten auf ihren Nasen, die sie lautstark anfeuerten. Doch alles was Herr Nimo sah war eine sonderbare Pantomimshow die auf den unbeteiligten Außenstehenden absurd und fast schon etwas unheimlich wirkte. Dann aber wurde Herrn Nimos Blick auf den Himmel gelenkt. Ein riesiger Schwarm Vögel war dort erschienen, so viele, dass sie fast schon die Sonne verdunkelten. Die Vögel schwebten grazil über die Stadt und fingen an die verrücktesten Kunststücke zu vollführen, sie flogen in sonderbaren Formationen, formten Blumen und Tierköpfe. Es war ein Naturschauspiel wie Herr Nimo es noch nie gesehen hatte und er beobachtete es mit größtem Eifer. Noch während er gebannt den Himmel beobachtete, stürmte auf einmal eine Horde von Bewohnern den großen Platz. Einen Moment lang hatte Herr Nimo geglaubt, sie wären gekommen um sich dieses außergewöhnliche Ereignis mit ihm anzuschauen, doch sie stürmten alle an ihm vorbei auf einen ganz bestimmten Punkt auf dem Platz zu und begannen seltsame Armbewegungen auszuführen, fast als ob sie Bälle nach irgendetwas werfen würden. Die Vögel hatten sich inzwischen in alle Richtungen zerstreut und außer Herrn Nimo hat kein einziger der Bewohner dieses Wunder miterlebt.

 
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Verfasst von - 14. August 2016 in Literatur

 

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