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Archiv der Kategorie: Freiwilligendienst in Afrika

Sophie hat von September 2016 bis Januar 2017 einen Freiwilligendienst in der afrikanischen Republik Benin absolviert. Auf dieser Seite könnt ihr euch durch ihr Reisetagebuch lesen, welches sie während dieser Zeit hier veröffentlicht hat.

Throwback to Benin

Throwback to Benin

Es wird Zeit etwas loszuwerden. Jetzt sind es fast 9 Monate her, dass ich aus Benin zurück bin, in 2 Wochen ist es ein Jahr her, dass ich mich in den Flieger dorthin gesetzt habe. Doch dieses Land und meine Zeit dort lassen mich einfach nicht los, es vergeht kaum ein Tag an dem ich nicht daran denke. Sicherlich mischt sich inzwischen auch die verklärende Nostalgie mit hinein, doch immer wieder holt mich die Sehnsucht nach Benin, nach Afrika ein. So viele Gedanken habe ich mir seit meiner Rückkehr gemacht und ich glaube, es wird Zeit mir diese von der Seele zu schreiben und ein großes Resumé meiner Reise zu schreiben.

Es wäre eine Lüge, zu behaupten, dass es keinen Moment in Benin gab in dem ich unzufrieden war oder mir das Ende meines Volontariats herbeiwünschte. Die Momente des Frusts und anfangs auch der Verzweiflung waren genauso häufig, wie die Momente der Zufriedenheit und der Freude, doch wohl genau das hat meine Zeit in Benin zu dieser großen Erfahrung gemacht, denn wie heißt es so schön, der Mensch wächst mit seinen Herausforderungen. Ich hatte mir im Vorfeld sehr viele Gedanken gemacht und ich war sehr nervös, doch insgeheim hatte ich gehofft, dass nach einer kurzen Eingewöhnungszeit alles gut werden würde und ich einfach nur eine tolle Zeit haben würde. In einer gewissen Weise hat sich diese Hoffnung auch erfüllt, jedoch anders als ich es mir erwartet hatte.

Da stand ich nun, mit knapp 19 Jahren, das Abitur frisch in der Tasche, noch nie allein gelebt und weit weniger von der Welt außerhalb Europas gesehen, als ich es mir gewünscht hätte, um nicht zu sagen, gar nichts. Kurz nach meiner Ankunft durfte ich jedoch feststellen, dass ich nun auf mich allein gestellt sein würde. Ich wusste, dass es ein eigenes Haus für die Freiwilligen gab, doch in Luxemburg wurde mir das so erklärt, dass dieses Haus in das Zentrum integriert wäre und nicht eine halbe Stunde zu Fuß davon entfernt. Ein paar Tage nach meiner Ankunft saß ich also alleine in diesem Haus in einer mir komplett fremden Kultur die ich nicht verstand, auf der Arbeit gab es nichts für mich zu tun und ich begann, den Sinn meines Volontariats stark zu hinterfragen und mich wie in einem goldenen Käfig zu fühlen. Ich liebe es, draußen zu sein, doch da ich ständig angestarrt wurde und hinterhergerufen bekam, hatte ich auch bald keine großartige Lust mehr, viel vor die Tür zu gehen und mir wurde bewusst, was für ein Luxus es eigentlich ist, ungestört und anonym auf die Straße gehen zu können. Meine Tage beschränkten sich also größtenteils darauf, allein in meinem Zimmer zu sitzen und mir das Ende der 6 Monate herbeizuwünschen. Dazu muss man wissen, dass ich in einer fünfköpfigen Familie aufgewachsen bin. Ich brauche den Trubel und die Menschen um mich herum und diese Einsamkeit brachte mich fast zur Verzweiflung. Doch in diesem Moment fand ich Trost in einem Buch, genauer gesagt in Hermann Hesses Siddharta. Darin schildert er die Geschichte des jungen Siddharta, der auszieht um seine eigenen Erfahrungen zu sammeln und seinen eigenen Sinn des Lebens zu suchen. Ich glaube, ich hätte kein passenderes Buch lesen können in diesem Moment, denn mir wurde klar, dass es mir genau darum ging: Meine eigenen Erfahrungen zu machen und mir selbst zu beweisen, dass ich das hinbekommen würde.

Nach 2 Wochen kam dann auch ein anderer Freiwilliger aus den Niederlanden und ab diesem Moment begannen sich die Dinge zum Positiven zu ändern. Es tat mir unglaublich gut, nicht mehr allein zu sein und jemanden zu haben, der mich verstand. Zudem war nun im Zentrum, in dem ich arbeitete, Schulbeginn und somit ging auch meine Arbeit los. Am Anfang gestaltete sich diese jedoch anders als erwartet. Ich sollte als Unterstützung in der Vorschule arbeiten und teilweise auch mit den Kindern die im örtlichen Krankenhaus waren. Viele der Kinder waren jedoch noch nie in der Schule gewesen und weinten die ersten Tage ununterbrochen. Die Lehrerinnen taten nicht viel, die Kinder würden sich ja bald daran gewöhnen und mir waren aufgrund meiner mangelnden Sprachkenntnisse die Hände gebunden. Zudem hatten manche Kinder Angst vor mir, da viele von ihnen noch nie eine Weiße gesehen hatten. Ich verbrachte also die ersten Tage mit 25 ununterbrochen weinenden Kindern in einem Raum und konnte nichts dagegen tun. Nicht unbedingt das, wie ich mir meine Zeit vorgestellt hatte.

Doch auch dies wurde mit der Zeit besser und die Kinder begannen, mich mehr und mehr zu mögen. Die Arbeit mit ihnen zeigte mir, dass sprachliche Grenzen kein Hindernis zwischen Menschen sein müssen, da, obwohl die Kinder kein Französisch sprachen und ich kein Fon, wir sehr viel Spaß miteinander hatten. Und auch von den Eltern, die der Weißen am Anfang eher Misstrauen entgegen gebracht hatten, wurde ich mehr und mehr akzeptiert, als sie sahen, wie sehr viele der Kinder an mir hingen. Ich fühlte mich wunderbar in das Zentrum integriert und es begann, eine Art Ersatzfamilie für mich zu werden. Hier war ich nicht die reiche Weiße, der Yowo (das bedeutet Weißer in Fon), niemand starrte mich an oder rief mir hinterher, hier war ich einfach nur Sophie, ein Mensch wie alle anderen auch, so wie ich eigentlich gerne von allen Menschen in Benin wahrgenommen worden wäre. Doch als Weißer wird einem meistens entweder Bewunderung oder Misstrauen entgegen gebracht, selten einfach nur Sympathie oder Antipathie. Viele sehen einen als überlegen und etwas Besseres an, denn wenn man in Europa lebt, kann man nur ein besserer Mensch sein, da man sich dies ja irgendwie verdient haben muss. Für viele ist Europa das Paradies auf Erden und je ärmer die Menschen werden, umso ausgeprägter wird dieses Bild. Zudem verschanzen sich die meisten Weißen in Benin hinter dicken Mauern und wenn sie das Haus verlassen, dann meistens nur in ihren Geländewagen, sehr selten sieht man sie einfach auf der Straße gehen oder auf einem Motorrad. Kein Wunder also, dass die Menschen glauben, jeder Weiße wäre reich und ihnen überlegen, bzw furchtbar arrogant, wenn dies alles ist, was sie zu sehen bekommen. Denn ich hatte den Eindruck, sobald ich in ein Taxi gestiegen bin und mich zusammen mit den Menschen zu 7 oder 8 in ein 20 Jahre altes Auto gezwängt habe oder in einer Sraßencafeteria gegessen habe, war ich akzeptiert, da ich den Menschen zeigte, dass ich sie und ihre Lebensart nicht als unter meiner Würde und unter meinem Standard ansah.Ich hätte auch nicht verstanden, warum ich anders hätte handeln sollen, ich bin ja schließlich nach Benin gegangen um die Menschen und das Land kennenzulernen und nicht um mir das alles nur aus einer Blase heraus anzusehen.

Ich muss jedoch gestehen, dass ich den materiellen Luxus auch oft vermisst habe. Zu Hause fällt es mir leicht, auf Sachen zu verzichten, doch sobald man dazu gezwungen ist, wird einem klar, wie sehr dieser Verzicht an eine freiwillige Basis gebunden ist. Ich begann, Sachen zu vermissen, die ich hier eigentlich gar nicht so oft konsumiere. So war ich zum Beispiel überglücklich, als ich in einem Supermarkt eine Tiefkühlpizza entdeckt habe und manchmal hätte ich den kalten Eimer Wasser, den ich mir jeden Morgen über den Kopf gekippt habe, auch gerne gegen eine heiße Dusche eingetauscht. . Hier weiß ich, dass ich die Möglichkeit habe, etwas zu kaufen, wenn ich es möchte und gerade deswegen fällt es mir leicht, es nicht zu kaufen. In Benin war das Gegenteil der Fall. Und wenn ich schon so reagiere, wie muss es erst den Menschen gehen, die ihr Leben lang in dieser Situation gelebt haben, vor allem in Bezug auf Europa? Dies war jedoch bei weitem nicht das, was mich am meisten gestört hat. Viel mehr habe ich meine Freiheit vermisst, zum Beispiel die Möglichkeit, alleine abends vor die Tür zu gehen und allgemein einfach mal irgendwo hinzugehen ohne mir Gedanken um meine Sicherheit zu machen. Noch etwas, dessen wir uns gar nicht bewusst sind in Europa, vor allem in Westeuropa, welch hohe Sicherheit wir genießen. Zudem litten wir sehr oft unter Stromausfall, was doch mit der Zeit sehr frustrierend wurde, da man komplett von der Außenwelt, also von Zuhause abgeschnitten wurde. Ich weiß nicht, wie oft wir die Situation hatten, dass wir mit jemandem skypen wollten und zack, war der Strom weg. Manchmal nur für 10 Minuten, oft jedoch länger und man konnte nie vorhersagen, wann und ob es passieren würde. Wenn dann auch noch die Batterien der Taschenlampe leer waren, saß man ganz schön blöd da und in solchen Nächten war an Schlaf nicht zu denken, da dann auch die Klimaanlage streikte. Teilweise hatten wir auch für längere Zeit kein Wasser, wie ich an anderer Stelle auf dem Blog berichtet habe.

Leider war ich auch viel krank. Ich litt oft unter Durchfall, gut das hatte ich mir erwartet, doch etwas nervig war es schon. Zudem war ich oft erkältet und eine tropische Erkältung ist etwas anderes als eine Erkältung bei uns, auch wenn ich mir das nicht träumen lassen hätte. Ich hatte während mehreren Wochen zum Beispiel einen Husten, der sich angehört hat, als ob ich im Sterben liegen würde und der einfach nicht abklingen wollte, auch wenn ich ein, zwei Tage zu Hause blieb. Allgemein waren diese Erkältungen relativ anstrengend und teilweise eine Strapaze, eines Abends war ich zum Beispiel so erschöpft, dass ich fast umgekippt bin.

Und doch, trotz all dieser Probleme begann ich mich mehr und mehr in Benin zu Hause zu fühlen. Ich hatte mich mit vielen Menschen angefreundet und Stan und ich hatten noch eine dritte Freiwillige im Dorf kennengelernt, mit der wir öfter das Wochenende verbrachten. Es machte mir Freude, mich in dieser so anderen Welt zu bewegen und ein bisschen erfüllte es mich auch mit Stolz, dass ich mich integriert hatte und zurechtkam. Ich hatte meinen Platz in dieser Welt gefunden und Allada fühlte sich so langsam wie ein Zuhause an und die Menschen um mich herum wie eine Familie.

Bis dann die Nachricht kam, dass ich nach Hause müsste, aufgrund von Differenzen mit der Organisation. Dies ist eine lange Geschichte, auf die ich jetzt hier nicht eingehen werde, da es viel zu lange dauern würde, doch die Nachricht kam ohne Vorwarnung und gestaltete sich als absoluter Schock. Ich konnte es nicht glauben, gerade hatte ich meinen Platz gefunden und nun sollte das alles vorbei sein. Eine Woche blieb mir, um mich zu verabschieden. Eine Woche die, wenngleich sie sich sehr intensiv gestaltete, einfach nicht ausreichte, um Abschied zu nehmen. Immerhin hatte ich geglaubt, dass ich noch 3 Monate bleiben sollte. Und so kam ich mit dem Gefühl nach Hause, meine Zeit nicht richtig abgeschlossen zu haben. 3 Monate, die fehlen und die ich nie zurückbekommen werde. 3 Monate, die ich nicht mit diesen lieb gewonnenen Menschen, von denen ich einige wohl nie wiedersehen werde, verbringen konnte. 3 Monate, die für immer einen faden Beigeschmack hinterlassen werden. Wahrscheinlich ist auch deswegen meine Verbundenheit zu Benin so groß, da ich gegen meinen Willen nach Hause gekommen bin und es sich einfach nicht richtig anfühlte. Ich weiß, ich überdramatisiere, doch es fühlt sich an, als ob ich aus diesem Land gerissen worden sei und so wird wohl immer das Gefühl bleiben, etwas verpasst zu haben.

Trotzdem würde ich diese Entscheidung gleich wieder treffen. Benin war zwar nicht die beste Erfahrung meines Lebens, doch sicherlich die größte und wichtigste. Ich habe so unglaublich viel gelernt, über mich selbst, über das Leben, über die Menschen, über die Welt… Ich habe einen Einblick hinter die Stereotypen erhalten und ich weiß nun, dass Afrika, oder zumindest Benin, wenngleich auch viele Klischees zutreffen, mehr als nur Armut und Hunger ist. Es ist eine eigene, für uns manchmal schwer verständliche Kultur, in der der Mensch im Mittelpunkt steht und die auf eine lange Geschichte und Zivilisation zurückblicken kann. Doch die größte und wichtigste Lektion die ich mitnehme, ist diese: Egal wo man ist auf der Welt, egal welchen Status man hat, das Wichtigste ist, dass man von Menschen umgeben ist, die einem wichtig sind und die einem das Gefühl vermitteln, dass man ihnen ebenfalls etwas bedeutet. Denn es waren diese Menschen, die meine Zeit in Benin zum Positiven verändert haben und mir immer wieder Freude gegeben haben. Ohne sie hätten sich die ersten zwei Wochen zu mehreren Monaten ausgedehnt und ich wäre glücklich gewesen, früher nach Hause zu kommen.

Jedoch hat mich diese Erfahrung auch kritischer der klassischen Entwicklungshilfe gegenüber werden lassen, da ich ihre Mängel mit eigenen Augen gesehen habe. Ich will mich zwar stärker in diesem Bereich engagieren, doch sie kann keine endgültige Lösung sein, denn so werden es immer die reichen Weißen bleiben, die den armen Afrikanern (ich möchte die Entwicklungshilfe hier keinesfalls auf Afrika reduzieren, sondern eben über die spezifische Situation dieses Kontinents schreiben) helfen kommen, ohne dass diese je die Chance haben werden, ihre Probleme eigenmächtig zu lösen. Wir brauchen die Entwicklungshilfe als Übergangslösung, doch langfristig kann eine Veränderung nur auf politischem Niveau und mit einer Verbesserung der Handelsbeziehungen herbeigeführt werden. Natürlich spielen auch der Krieg und die Korruption eine Rolle, doch diese werden oft auch durch die herrschende Armut herbeigeführt. Diese Länder brauchen die Chance, auf eigenen Füßen zu stehen, sonst wird sich an der derzeitigen Situation nie wirklich etwas ändern.

Alles in allem also eine sehr lehrreiche Erfahrung und auch wenn ich mich wohl für den Rest meines Lebens fragen werde, wie die restlichen 3 Monate ausgesehen hätte, möchte ich sie auf keinen Fall missen. Wahrscheinlich habe ich hier noch sehr viel vergessen zu sagen, doch es ist unmöglich einfach alles in Worte zu fassen. Deswegen möchte ich jenen danken, die den langen Beitrag zu Ende gelesen haben und wenn ihr mehr über meine Zeit in Benin wissen wollt, könnt ihr  auch  meine anderen Beiträge auf dem Blog lesen.

Ohuengbi,

Sophie

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6 Kommentare

Verfasst von - 30. August 2017 in Freiwilligendienst in Afrika, Reisen

 

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Mon premier livre: The Colours of Benin

Mon premier livre: The Colours of Benin

Pendant quatre mois, j`ai effectué un volontariat au Bénin et ainsi, j`ai vécu dans une culture qui m`avait été entièrement inconnue auparavant, mais le temps m`a appris à comprendre et même à aimer ce pays et sa culture. Pendant mon volontariat, j`ai fait beaucoup d`expériences inoubliables et j`ai connu beaucoup de beaux moments, mais j`ai également éprouvé de la critique et même de l`horreur face à certaines situations. Par conséquent, ce voyage m`a enseigné beaucoup et il a fortement changé ma conception de notre façon de vivre.

J`ai assimilé ces expériences dans des poèmes que je viens de publier dans le livre «The Colours of Benin». Il s`agit de pensées, observations et des instantanés, pour vous permettre d`accéder à ce monde, qui peut, dans toutes ses couleurs, être aussi merveilleux que cruel et pour vous offrir un autre point de vue sur «l`Afrique sous-développée». Chaque poème est accompagné par une photo que j`ai prise pendant mon séjour au Bénin et qui est en relation avec le poème. La plupart des poèmes sont rédigés en anglais, mais quelques-uns sont en français, la langue officielle du Bénin.

Vous pouvez commander le livre sur amazon.fr pour 10,50€, en annexe vous trouvez également le lien. J`ai publié le livre sur le site bod.fr (books on demand), les livres ne sont donc imprimés que sur commande. Par conséquent, il est marqué sur amazon que le livre n`est pas en stockage actuellement, mais ceci ne présente aucun problème, car dès que le livre est commandé, il sera imprimé et livré.

https://www.amazon.fr/s/ref=nb_sb_noss?__mk_fr_FR=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&url=search-alias%3Daps&field-keywords=sophie+modert+the+colours+of+benin

Pour conclure, je voudrais remercier d`avance tout ceux qui prennent en considération d`acheter le livre.

 

Sophie Modert

 

Mein erstes Buch: The Colours of Benin

Mein erstes Buch: The Colours of Benin

Während 4 Monaten habe ich einen Freiwilligendienst in Benin absolviert und in einer mir komplett fremden Kultur gelebt, die mir jedoch immer vertrauter geworden ist. In dieser Zeit habe ich sehr viele wertvolle Erfahrungen gesammelt und viele schöne Momente erlebt, ich habe jedoch auch oft Kritik an einer Situation geübt oder gar Entsetzen empfunden. Diese Reise hat mir also sehr viel mit auf den Weg gegeben und ich sehe vieles nun anders als vorher.

Diese Erfahrungen habe ich in Gedichten niedergeschrieben, von denen ich auch einige schon auf diesem Blog veröffentlicht habe und die ich nun in dem Buch „The Colours of Benin“ veröffentliche. Es handelt sich um Gedanken, Beobachtungen und Momentaufnahmen, um euch diese Welt, die in all ihren Facetten so wunderbar und gleichzeitig grausam sein kann, etwas näher zu bringen und um einen anderen Blick auf das „unterentwickelte Afrika“ zu ermöglichen. Jedes Gedicht wird von einem Foto begleitet, das ich während meinem Aufenthalt in Benin gemacht habe und das einen Bezug zum Gedicht hat, begleitet. Die Gedichte sind größtenteils auf Englisch verfasst, einige wenige jedoch auf Französisch, die offizielle Sprache Benins.

Ihr könnt euch das Buch für 10,50€ auf amazon.fr bestellen, ich habe es ebenfalls unten verlinkt. Da ich das Buch auf der Plattform bod.fr (books on demand) veröffentlicht habe, wird erst ein Buch gedruckt, wenn eines bestellt wird. Somit steht auch auf amazon, das Buch sei im Moment nicht  auf Lager, das ist aber kein Problem, da das Buch erst gedruckt wird, wenn es bestellt ist.

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Abschließend möchte ich mich bei jedem bedanken, der darüber nachdenkt, sich das Buch zu kaufen.

 

Sophie Modert

 
 

The colours of Benin

The colours of Benin

Ich hatte dieses Gedicht bereits vor einigen Monaten hier veröffentlicht, doch möchte ich es heute noch einmal posten als Hommage an Benin, da ich, wäre mein Freiwilligendienst regulär zu Ende gegangen, heute in den Flieger nach Hause gestiegen wäre.

 

A dusty road painted in red,

Framed by tradesmen and shops

Containing simple and pure joy of life,

Just as kindness and familiarity.

Laughing is thrown into the air

And you feel embraced

By human warmth and generosity,

Lingering around all the way.

They are wrapped into friendly words,

A smile or curious looks,

Gifts given to strangers

As well as to family and friends,

Which surpass the value

Of the material goods

That are ready to be sold.

The colourful clothes

Taking part in the scenery

Translate the essence of this world

To the stranger`s admiring eye,

Who is no longer blinded

By the grey veil

Created by the western world.

 

Sophie Aduial

 

Benin-Ein letztes noch

Benin-Ein letztes noch

Leider musste ich meinen Freiwilligendienst frühzeitig abbrechen und so bin ich nun wieder zu Hause. Doch auch wenn meine Zeit in Benin sich kürzer als geplant gestaltet hat, so bleiben doch die Erfahrungen und die Erinnerungen.

Dieses Land hat mir sehr viel gegeben, unter anderem habe ich eine völlig neue Lebensweise kennengelernt und realisiert, dass vieles, was wir als selbstverständlich betrachten, für viele Menschen auf diesem Planeten Wunschdenken ist. Und damit meine ich nicht nur ein festes Einkommen, ständige Wasser-und Stromversorgung, geteerte Straßen etc, sondern auch kleine Dinge, wie zum Beispiel Busfahren, öffentliche Mülleimer und Toiletten sowie Supermärkte. Ich habe mich vor kurzem gefragt ob ich die 15 Minuten zum Bahnhof laufen oder den Bus nehmen soll und in dem Moment wurde mir bewusst, wie glücklich ich mich schätzen kann. Ich muss mir keine Sorgen um die einbrechende Dunkelheit machen und wenn ich zu Fuß gehe, wird niemand mich anstarren oder mir hinterherrufen, ich kann mich frei und vor allem sicher bewegen und ich kann ebenfalls in den Bus einsteigen ohne mich mit dem Fahrer um den Preis streiten zu müssen und ohne um mein Leben im Verkehr fürchten zu müssen. Zudem habe ich einen Sitz für mich ganz allein, vielleicht sogar 2 und niemand befummelt meine Haare oder versucht meine Nummer zu bekommen. All diese kleinen Dinge, deren Luxus wir uns gar nicht bewusst sind und die uns den Alltag doch so sehr erleichtern. In Benin ist mir bewusst geworden, wie einfach das Leben in Europa doch eigentlich ist. Doch gerade dadurch haben wir verlernt, zu schätzen, was wir haben.

Denn auch wenn die Leute in Benin materiell sehr arm sind, Platz 166 des HDR, so besitzen sie doch andere Reichtümer. Der menschliche Kontakt ist in Benin viel präsenter als bei uns und auch wenn ich oft meine Probleme als Weiße hatte, so habe ich doch gleichzeitig immer wieder über die Offenheit der Menschen gestaunt und die Freundlichkeit mit der ich von vielen Fremden behandelt wurde. Als ich einmal im Regen unterwegs nach Hause war, hat eine Frau, die ein Geschäft am Rand der Straße besitzt und mit der ich manchmal gesprochen habe, mir angeboten das Ende des Regens in ihrem kleinen Unterstand abzuwarten und mir sogleich einen Stuhl hingestellt ohne nachher etwas dafür zu verlangen, eine Situation von so vielen dieser Art, die ich erlebt habe.Es ist ganz normal Freunde und sogar Fremde mit Dada (Schwester) oder (Fofo) Bruder anzureden, während ältere Menschen stets Mama und Papa genannt werden, unabhängig von der Familienzusammengehörigkeit. Diese Menschlichkeit ist es, was das Leben in dieser Gesellschaft lebenswert macht. Die Nähe und auch die Rolle, die der Familie zukommt. Obwohl man jedoch leider gleichzeitig sagen muss, dass all dies jegliche Bedeutung verliert, sobald es ums Geld geht. Ich habe immer wieder gesehen wie die Freundschaft beim Geld aufgehört hat und sich die Leute darum zerstritten haben.

Allgemein muss ich sagen, dass ich sehr widersprüchliche Erfahrungen in Benin gemacht habe, denn einerseits wurde ich von jedem freundlich aufgenommen, andererseits ist Rassismus jedoch auch sehr präsent, denn als Weißer wird man immer ein Außenstehender bleiben. Zudem kommt jeder sehr gut mit jedem klar, andererseits habe ich wie eben oben bereits erwähnt, gesehen, wie schnell sich das Blatt wenden kann. Solche Situationen habe ich oft erlebt und doch glaube ich, dass die Leute dort ein durchaus glückliches Leben führen könnten, wenn sie lernen würden, ihren Reichtum der anderen Sorten als solchen zu akzeptieren und zu schätzen. Denn für viele ist Europa das Paradies auf Erden und sie glauben, dass sie nirgends sonst glücklich sein können. Auch wenn das Leben in Benin, vor allem in den ländlichen Regionen, sicher nicht einfach ist, so korrespondiert doch das Bild, das sie von Europa haben, sicher nicht mit der Realität. Das haben mir ebenfalls manche Leute, die bereits in Europa gewesen sind bestätigt und gesagt, auch wenn Afrika materiell nicht so weit entwickelt ist, so hat es doch andere Reichtümer zu bieten.

Schlussendlich möchte ich noch kurz auf meine Arbeit mit den Kindern zu sprechen kommen, die mir ebenfalls sehr viel mit auf den Weg gegeben hat. Denn diese Kinder haben einem etwas geschenkt, was man sehr selten findet: bedingungslose Liebe. Wenn ich morgens angekommen bin, standen sie oft schon da und haben mich im Chor gerufen, um schlussendlich auf mich zugelaufen zu kommen. Zudem hat die Arbeit mit ihnen mir gezeigt, dass man sprachliche Grenzen durchaus überwinden kann, denn der größte  Teil der Kinder spricht kein Französisch und ich habe mir im Laufe der Zeit zwar die wichtigsten Wörter in der lokalen Sprache angeeignet, doch kann ich keineswegs behaupten, sie gut zu verstehen. Auch wenn die Kommunikation dadurch manchmal kompliziert wurde, habe ich mich doch so gut mit diesen Kindern verstanden, denn was am Ende zählt, ist, dass wir alle Menschen sind.

Somit werde ich meine Arbeit ebenfalls in guter Erinnerung behalten, auch wenn diese, so wie meine ganze Zeit in Benin, von guten und schlechten Momenten geprägt war, in denen ich manchmal an meine Grenzen gestoßen bin. Zum Schluss mussten wir zum Beispiel für eine Woche ohne fließendes Wasser auskommen und unsere Reserven bestanden aus bereits sechs Wochen altem Wasser. Und doch bin ich froh, für alles was ich dort erleben durfte und würde die Entscheidung sogleich wieder treffen, denn es war eine unbezahlbare Erfahrung, wie man sie sicher nicht oft im Leben macht. Leider kann ich niemals in einem Artikel zusammenfassen, was es dazu alles zu sagen gibt, deswegen möchte ich es so ausdrücken: Danke Benin!

Zum Abschluss noch ein letztes Gedicht:

 

The final note

The last note of the concert

Is vibrating in the air,

Still visible to the eyes

And painting the end

Of its colourful symphony.

You try to catch it,

But it`s already fading away,

Like a breath

Bound to disappear

With the wind

And leaving a bittersweet smell.

A gift written

In immaterial ink

And submitted to transience,

Remaining nothing

But two bar lines

In time`s eternal composition.

Copyright 2017 Sophie Aduial

 

Freiwilligendienst #5-Kulturschock

Freiwilligendienst #5-Kulturschock

Dieses Wochenende habe ich einen ziemlich großen Kulturschock gehabt, jedoch hat dieser sich anders gestaltet als man es vielleicht erwarten mag. Denn er hat keineswegs daraus bestanden, dass ich etwas Neues und Unbekanntes entdeckt habe, sondern eher etwas, was in Europa alltäglich ist: Ich bin in den größten Supermarkt gegangen, den man in Benin finden kann und außerdem einer der einzigen wirklich großen Supermärkte. Dies war das erste Mal seit über 2 Monaten, dass ich in solch einem Supermarkt eingekauft habe und nach solch einer Zeitspanne, die man damit verbracht hat, bei den kleinen Straßenhändlern einzukaufen und auf vieles zu verzichten, hauen einen die vielen Regale, in denen man alles findet, was das Herz begehrt und noch viel mehr, sprichwörtlich um. Die vielen weißen  Leute, die man zudem vorfindet, geben einem das Gefühl geradewegs wieder in Europa gelandet zu sein. Doch damit nicht genug, der ganze Supermarkt war auch noch weihnachtlich dekoriert, was natürlich sehr authentisch ist. Man kommt also in leichten Kleidern aus 30 Grad in diese „wihnachtliche“ Welt hinein und um ehrlich zu sein, es kommt einem einfach nur lächerlich vor. Es handelt sich um eine artifizielle Welt des Scheins und es demaskiert den ganzen Rummel, den wir um Weihnachten veranstalten, als oberflächlich und das kommerzielle Geschäft, das er schlussendlich ist. Hier feiert man Weihnachten zwar, jedoch kommt es vom Herzen und aus wahrem Glauben heraus, ohne dieses Hektik, mit der es bei uns untrennbar verbunden ist. Somit waren wir uns defintiv alle einig, dass das ganze Spektakel einfach nur „insane“ war und ich glaube, ich habe die Hitze noch nie so genossen, als in dem Moment, in dem wir wieder herausgekommen sind. Es illustriert jedoch sehr gut eine Diskussion, die wir gestern geführt haben, darüber ob es als Weißer möglich ist, ein Leben in Benin zu führen, das wirklich authentisch ist mit dem Leben, das der Großteil der Bevölkerung führt, denn solche Orte wie dieser Supermarkt sind ein Sinnbild dafür, wie die meisten Leute aus der westlichen Welt hier leben: Sie wollen nicht auf den Luxus verzichten und führen somit ein Leben abgeschirmt von der Realität, wobei ich jedoch die Frage aufgeworfen habe, worin dann noch der Sinn besteht, hier zu leben. Schließlich sind wir zum Schluss gekommen, dass es möglich ist, nahe an das Leben der Durchschnittsbevölkerung ranzukommen, (wobei ich teilweise aus eigener Erfahrung spreche), aber ganz wird man nie ein Teil davon werden und doch immer der Iowo (Weißer) bleiben.

Einen Kulturschock einer leicht anderen Art habe ich am Samstag beobachtet, da wir von einer Gruppe Kanadiern in ein thailändisches Restaurant eingeladen wurden und ein Freund von mir aus Cotonou uns begleitet hat. Ich kann es nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, aber ich könnte mir vorstellen, dass es sein erster Besuch in einem richtigen Restaurant gewesen ist und es war zudem ein eher schickes Restaurant. Zudem hat man auch hier größtenteils Ausländer vorgefunden, es war also das erste Mal, dass er sozusagen der Fremde war und derjenige, der nicht ins Bild gepasst hat. Es klingt wahrscheinlich hart, wenn ich das so schreibe, aber dies ist das Gefühl, das einem als Weißen von vielen Leuten hier vermittelt wird. Somit hat er sich auch sichtlich unwohl gefühlt und keine Anstalten gemacht, am Gespräch teilzunehmen. Man hat ihm angemerkt, dass das Essen ihm ebenfalls nicht geschmeckt hat oder dass er auf jeden Fall sehr skeptisch war, auch wenn er alles gegessen hat. Er hat mir an diesem Abend ein bisschen leid getan, aber ich muss sagen, dass es trotz allem interessant war zu sehen, wie jemand von hier sich tatsächlich in dieser westlichen Welt zurechtfindet, die hier jeder als Paradies betrachtet und in der jeder leben will. Ich glaube, es hat ihm auch ein bisschen die Augen geöffnet, dass ein Kulturwechsel, egal wie reich die Welt, in die man eintaucht, auch ist, doch nicht immer so leicht ist und Luxus nicht alles im Leben ist.

 

Sophie

 

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Freiwilligendienst #4

Freiwilligendienst #4

So langsam wage ich zu behaupten, dass ich alle Schichten kennengelernt habe, die dieses Land bevölkern. Ich habe Leute besucht, die in einer kleinen Lehmhütte irgendwo im Nirgendwo, nur durch ein Radio mit der Welt verbunden, leben, ich habe Leute aus der Mittelschicht kennengelernt und heute habe ich einige Ministerien in Cotonou von innen gesehen und die Gegensätze könnten nicht gravierender sein. Ich habe unter anderem das „Ministère des Affaires étrangères“ (das Außenministerium) besucht, das in einem imposanten, wunderschönen Gebäude untergebracht und innen unter anderem mit Marmor ausgestattet ist, von Armut also keine Spur. Für anständige Straßen und so viel andere notwendige Investitionen ist jedoch kein Geld vorhanden… Dazu muss man jedoch auch sagen, dass das Außenministerium das Land repräsentiert und viele andere Ministerien sich ebenfalls in einem heruntergekommenen Zustand befinden, doch ein bitterer Beigeschmack bleibt trotzdem, vor allem wenn man 5 Minuten später wieder die kleinen Hütten der Menschen sieht und all die Verkäufer, die sich mühsam ihr Überleben erarbeiten.

Doch mein Aufenthalt hier hält auch anderwärtig immer wieder Überraschungen für mich bereit. So habe ich zum Beispiel auf der Arbeit sozusagen ohne Vorwarnung eine neue Patientin bekommen, ein Mädchen das an motorischen Problemen in der rechten Hand leidet. Das muss man sich ungefähr so vorstellen, dass ich gerade mit einem Mädchen Gedächtnistraining mache und jemand rauskommt und sagt: „Wenn du hier fertig bist, kannst du mit Nicole anfangen.“ und wieder verschwindet, ohne jegliche Vorwarnung und ohne ein Wort der Erklärung, was denn mit Nicole los ist. Zudem spricht weder Nicole noch ihre Mutter ein Wort Französisch und ich war überhaupt nicht darauf vorbereitet und bin auch kein Experte was motorische Probleme betrifft. Das entspricht nicht unbedingt der Art von Situation, auf die man in Sprach-und Literaturkursen vorbereitet wird…

Aber in solch einem Fall heißt es improvisieren und kreativ sein, auch wenn ich befürchte, dass ich bei dieser Aufgabe nicht gerade geglänzt habe, aber für die nächsten Male kann ich mich ja nun vorbereiten. Aber es ist ein interessantes Beispiel um zu zeigen, wie vielseitig das Leben ist und dass die schulischen Entscheidungen, die man trifft, keineswegs endgültig sein müssen. Ich habe 3 Jahre Literaturkurse im Gymnasium besucht und nun sitze ich in einem Dorf in Benin und arbeite mit behinderten Kindern, die größtenteils kein Französisch sprechen und für die der Begriff Literatur ein absolutes Fremdwort darstellt. Zudem verdeutlicht es für mich, dass das Leben uns doch so viel mehr beibringt, als die Schule es je vermögen wird.

Somit kann ich solch einen Freiwilligendienst bis jetzt auch nur weiterempfehlen, denn meiner Meinung nach ist es eine einzigartige Erfahrung mehrere Monate allein in einer fremden Kultur zu verbringen und somit gezwungen zu sein, sich anzupassen und lokale Einwohner kennenzulernen. Es erweitert den Horizont auf eine Art und Weise, die man eigentlich nur schwer in Worte fassen kann und man wächst an den Herausforderungen, die man meistern muss und lernt somit auch sehr viel über sich selbst. Alles in allem also eine Erfahrung, die ich auf keine Fall in meinem Leben missen möchte und ich bin glücklich, dass ich beschlossen habe, diesen Schritt zu tun und die Chance erhalten habe, dieses Vorhaben auch tatsächlich in die Realität umzusetzen.

 

Sophie

 

 

 

 
 
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