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Archiv der Kategorie: Freiwilligendienst in Afrika

Sophie hat von September 2016 bis Januar 2017 einen Freiwilligendienst in der afrikanischen Republik Benin absolviert. Auf dieser Seite könnt ihr euch durch ihr Reisetagebuch lesen, welches sie während dieser Zeit hier veröffentlicht hat.

Mon premier livre: The Colours of Benin

Mon premier livre: The Colours of Benin

Pendant quatre mois, j`ai effectué un volontariat au Bénin et ainsi, j`ai vécu dans une culture qui m`avait été entièrement inconnue auparavant, mais le temps m`a appris à comprendre et même à aimer ce pays et sa culture. Pendant mon volontariat, j`ai fait beaucoup d`expériences inoubliables et j`ai connu beaucoup de beaux moments, mais j`ai également éprouvé de la critique et même de l`horreur face à certaines situations. Par conséquent, ce voyage m`a enseigné beaucoup et il a fortement changé ma conception de notre façon de vivre.

J`ai assimilé ces expériences dans des poèmes que je viens de publier dans le livre «The Colours of Benin». Il s`agit de pensées, observations et des instantanés, pour vous permettre d`accéder à ce monde, qui peut, dans toutes ses couleurs, être aussi merveilleux que cruel et pour vous offrir un autre point de vue sur «l`Afrique sous-développée». Chaque poème est accompagné par une photo que j`ai prise pendant mon séjour au Bénin et qui est en relation avec le poème. La plupart des poèmes sont rédigés en anglais, mais quelques-uns sont en français, la langue officielle du Bénin.

Vous pouvez commander le livre sur amazon.fr pour 10,50€, en annexe vous trouvez également le lien. J`ai publié le livre sur le site bod.fr (books on demand), les livres ne sont donc imprimés que sur commande. Par conséquent, il est marqué sur amazon que le livre n`est pas en stockage actuellement, mais ceci ne présente aucun problème, car dès que le livre est commandé, il sera imprimé et livré.

https://www.amazon.fr/s/ref=nb_sb_noss?__mk_fr_FR=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&url=search-alias%3Daps&field-keywords=sophie+modert+the+colours+of+benin

Pour conclure, je voudrais remercier d`avance tout ceux qui prennent en considération d`acheter le livre.

 

Sophie Modert

 

Mein erstes Buch: The Colours of Benin

Mein erstes Buch: The Colours of Benin

Während 4 Monaten habe ich einen Freiwilligendienst in Benin absolviert und in einer mir komplett fremden Kultur gelebt, die mir jedoch immer vertrauter geworden ist. In dieser Zeit habe ich sehr viele wertvolle Erfahrungen gesammelt und viele schöne Momente erlebt, ich habe jedoch auch oft Kritik an einer Situation geübt oder gar Entsetzen empfunden. Diese Reise hat mir also sehr viel mit auf den Weg gegeben und ich sehe vieles nun anders als vorher.

Diese Erfahrungen habe ich in Gedichten niedergeschrieben, von denen ich auch einige schon auf diesem Blog veröffentlicht habe und die ich nun in dem Buch „The Colours of Benin“ veröffentliche. Es handelt sich um Gedanken, Beobachtungen und Momentaufnahmen, um euch diese Welt, die in all ihren Facetten so wunderbar und gleichzeitig grausam sein kann, etwas näher zu bringen und um einen anderen Blick auf das „unterentwickelte Afrika“ zu ermöglichen. Jedes Gedicht wird von einem Foto begleitet, das ich während meinem Aufenthalt in Benin gemacht habe und das einen Bezug zum Gedicht hat, begleitet. Die Gedichte sind größtenteils auf Englisch verfasst, einige wenige jedoch auf Französisch, die offizielle Sprache Benins.

Ihr könnt euch das Buch für 10,50€ auf amazon.fr bestellen, ich habe es ebenfalls unten verlinkt. Da ich das Buch auf der Plattform bod.fr (books on demand) veröffentlicht habe, wird erst ein Buch gedruckt, wenn eines bestellt wird. Somit steht auch auf amazon, das Buch sei im Moment nicht  auf Lager, das ist aber kein Problem, da das Buch erst gedruckt wird, wenn es bestellt ist.

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Abschließend möchte ich mich bei jedem bedanken, der darüber nachdenkt, sich das Buch zu kaufen.

 

Sophie Modert

 
 

The colours of Benin

The colours of Benin

Ich hatte dieses Gedicht bereits vor einigen Monaten hier veröffentlicht, doch möchte ich es heute noch einmal posten als Hommage an Benin, da ich, wäre mein Freiwilligendienst regulär zu Ende gegangen, heute in den Flieger nach Hause gestiegen wäre.

 

A dusty road painted in red,

Framed by tradesmen and shops

Containing simple and pure joy of life,

Just as kindness and familiarity.

Laughing is thrown into the air

And you feel embraced

By human warmth and generosity,

Lingering around all the way.

They are wrapped into friendly words,

A smile or curious looks,

Gifts given to strangers

As well as to family and friends,

Which surpass the value

Of the material goods

That are ready to be sold.

The colourful clothes

Taking part in the scenery

Translate the essence of this world

To the stranger`s admiring eye,

Who is no longer blinded

By the grey veil

Created by the western world.

 

Sophie Aduial

 

Benin-Ein letztes noch

Benin-Ein letztes noch

Leider musste ich meinen Freiwilligendienst frühzeitig abbrechen und so bin ich nun wieder zu Hause. Doch auch wenn meine Zeit in Benin sich kürzer als geplant gestaltet hat, so bleiben doch die Erfahrungen und die Erinnerungen.

Dieses Land hat mir sehr viel gegeben, unter anderem habe ich eine völlig neue Lebensweise kennengelernt und realisiert, dass vieles, was wir als selbstverständlich betrachten, für viele Menschen auf diesem Planeten Wunschdenken ist. Und damit meine ich nicht nur ein festes Einkommen, ständige Wasser-und Stromversorgung, geteerte Straßen etc, sondern auch kleine Dinge, wie zum Beispiel Busfahren, öffentliche Mülleimer und Toiletten sowie Supermärkte. Ich habe mich vor kurzem gefragt ob ich die 15 Minuten zum Bahnhof laufen oder den Bus nehmen soll und in dem Moment wurde mir bewusst, wie glücklich ich mich schätzen kann. Ich muss mir keine Sorgen um die einbrechende Dunkelheit machen und wenn ich zu Fuß gehe, wird niemand mich anstarren oder mir hinterherrufen, ich kann mich frei und vor allem sicher bewegen und ich kann ebenfalls in den Bus einsteigen ohne mich mit dem Fahrer um den Preis streiten zu müssen und ohne um mein Leben im Verkehr fürchten zu müssen. Zudem habe ich einen Sitz für mich ganz allein, vielleicht sogar 2 und niemand befummelt meine Haare oder versucht meine Nummer zu bekommen. All diese kleinen Dinge, deren Luxus wir uns gar nicht bewusst sind und die uns den Alltag doch so sehr erleichtern. In Benin ist mir bewusst geworden, wie einfach das Leben in Europa doch eigentlich ist. Doch gerade dadurch haben wir verlernt, zu schätzen, was wir haben.

Denn auch wenn die Leute in Benin materiell sehr arm sind, Platz 166 des HDR, so besitzen sie doch andere Reichtümer. Der menschliche Kontakt ist in Benin viel präsenter als bei uns und auch wenn ich oft meine Probleme als Weiße hatte, so habe ich doch gleichzeitig immer wieder über die Offenheit der Menschen gestaunt und die Freundlichkeit mit der ich von vielen Fremden behandelt wurde. Als ich einmal im Regen unterwegs nach Hause war, hat eine Frau, die ein Geschäft am Rand der Straße besitzt und mit der ich manchmal gesprochen habe, mir angeboten das Ende des Regens in ihrem kleinen Unterstand abzuwarten und mir sogleich einen Stuhl hingestellt ohne nachher etwas dafür zu verlangen, eine Situation von so vielen dieser Art, die ich erlebt habe.Es ist ganz normal Freunde und sogar Fremde mit Dada (Schwester) oder (Fofo) Bruder anzureden, während ältere Menschen stets Mama und Papa genannt werden, unabhängig von der Familienzusammengehörigkeit. Diese Menschlichkeit ist es, was das Leben in dieser Gesellschaft lebenswert macht. Die Nähe und auch die Rolle, die der Familie zukommt. Obwohl man jedoch leider gleichzeitig sagen muss, dass all dies jegliche Bedeutung verliert, sobald es ums Geld geht. Ich habe immer wieder gesehen wie die Freundschaft beim Geld aufgehört hat und sich die Leute darum zerstritten haben.

Allgemein muss ich sagen, dass ich sehr widersprüchliche Erfahrungen in Benin gemacht habe, denn einerseits wurde ich von jedem freundlich aufgenommen, andererseits ist Rassismus jedoch auch sehr präsent, denn als Weißer wird man immer ein Außenstehender bleiben. Zudem kommt jeder sehr gut mit jedem klar, andererseits habe ich wie eben oben bereits erwähnt, gesehen, wie schnell sich das Blatt wenden kann. Solche Situationen habe ich oft erlebt und doch glaube ich, dass die Leute dort ein durchaus glückliches Leben führen könnten, wenn sie lernen würden, ihren Reichtum der anderen Sorten als solchen zu akzeptieren und zu schätzen. Denn für viele ist Europa das Paradies auf Erden und sie glauben, dass sie nirgends sonst glücklich sein können. Auch wenn das Leben in Benin, vor allem in den ländlichen Regionen, sicher nicht einfach ist, so korrespondiert doch das Bild, das sie von Europa haben, sicher nicht mit der Realität. Das haben mir ebenfalls manche Leute, die bereits in Europa gewesen sind bestätigt und gesagt, auch wenn Afrika materiell nicht so weit entwickelt ist, so hat es doch andere Reichtümer zu bieten.

Schlussendlich möchte ich noch kurz auf meine Arbeit mit den Kindern zu sprechen kommen, die mir ebenfalls sehr viel mit auf den Weg gegeben hat. Denn diese Kinder haben einem etwas geschenkt, was man sehr selten findet: bedingungslose Liebe. Wenn ich morgens angekommen bin, standen sie oft schon da und haben mich im Chor gerufen, um schlussendlich auf mich zugelaufen zu kommen. Zudem hat die Arbeit mit ihnen mir gezeigt, dass man sprachliche Grenzen durchaus überwinden kann, denn der größte  Teil der Kinder spricht kein Französisch und ich habe mir im Laufe der Zeit zwar die wichtigsten Wörter in der lokalen Sprache angeeignet, doch kann ich keineswegs behaupten, sie gut zu verstehen. Auch wenn die Kommunikation dadurch manchmal kompliziert wurde, habe ich mich doch so gut mit diesen Kindern verstanden, denn was am Ende zählt, ist, dass wir alle Menschen sind.

Somit werde ich meine Arbeit ebenfalls in guter Erinnerung behalten, auch wenn diese, so wie meine ganze Zeit in Benin, von guten und schlechten Momenten geprägt war, in denen ich manchmal an meine Grenzen gestoßen bin. Zum Schluss mussten wir zum Beispiel für eine Woche ohne fließendes Wasser auskommen und unsere Reserven bestanden aus bereits sechs Wochen altem Wasser. Und doch bin ich froh, für alles was ich dort erleben durfte und würde die Entscheidung sogleich wieder treffen, denn es war eine unbezahlbare Erfahrung, wie man sie sicher nicht oft im Leben macht. Leider kann ich niemals in einem Artikel zusammenfassen, was es dazu alles zu sagen gibt, deswegen möchte ich es so ausdrücken: Danke Benin!

Zum Abschluss noch ein letztes Gedicht:

 

The final note

The last note of the concert

Is vibrating in the air,

Still visible to the eyes

And painting the end

Of its colourful symphony.

You try to catch it,

But it`s already fading away,

Like a breath

Bound to disappear

With the wind

And leaving a bittersweet smell.

A gift written

In immaterial ink

And submitted to transience,

Remaining nothing

But two bar lines

In time`s eternal composition.

Copyright 2017 Sophie Aduial

 

Freiwilligendienst #5-Kulturschock

Freiwilligendienst #5-Kulturschock

Dieses Wochenende habe ich einen ziemlich großen Kulturschock gehabt, jedoch hat dieser sich anders gestaltet als man es vielleicht erwarten mag. Denn er hat keineswegs daraus bestanden, dass ich etwas Neues und Unbekanntes entdeckt habe, sondern eher etwas, was in Europa alltäglich ist: Ich bin in den größten Supermarkt gegangen, den man in Benin finden kann und außerdem einer der einzigen wirklich großen Supermärkte. Dies war das erste Mal seit über 2 Monaten, dass ich in solch einem Supermarkt eingekauft habe und nach solch einer Zeitspanne, die man damit verbracht hat, bei den kleinen Straßenhändlern einzukaufen und auf vieles zu verzichten, hauen einen die vielen Regale, in denen man alles findet, was das Herz begehrt und noch viel mehr, sprichwörtlich um. Die vielen weißen  Leute, die man zudem vorfindet, geben einem das Gefühl geradewegs wieder in Europa gelandet zu sein. Doch damit nicht genug, der ganze Supermarkt war auch noch weihnachtlich dekoriert, was natürlich sehr authentisch ist. Man kommt also in leichten Kleidern aus 30 Grad in diese „wihnachtliche“ Welt hinein und um ehrlich zu sein, es kommt einem einfach nur lächerlich vor. Es handelt sich um eine artifizielle Welt des Scheins und es demaskiert den ganzen Rummel, den wir um Weihnachten veranstalten, als oberflächlich und das kommerzielle Geschäft, das er schlussendlich ist. Hier feiert man Weihnachten zwar, jedoch kommt es vom Herzen und aus wahrem Glauben heraus, ohne dieses Hektik, mit der es bei uns untrennbar verbunden ist. Somit waren wir uns defintiv alle einig, dass das ganze Spektakel einfach nur „insane“ war und ich glaube, ich habe die Hitze noch nie so genossen, als in dem Moment, in dem wir wieder herausgekommen sind. Es illustriert jedoch sehr gut eine Diskussion, die wir gestern geführt haben, darüber ob es als Weißer möglich ist, ein Leben in Benin zu führen, das wirklich authentisch ist mit dem Leben, das der Großteil der Bevölkerung führt, denn solche Orte wie dieser Supermarkt sind ein Sinnbild dafür, wie die meisten Leute aus der westlichen Welt hier leben: Sie wollen nicht auf den Luxus verzichten und führen somit ein Leben abgeschirmt von der Realität, wobei ich jedoch die Frage aufgeworfen habe, worin dann noch der Sinn besteht, hier zu leben. Schließlich sind wir zum Schluss gekommen, dass es möglich ist, nahe an das Leben der Durchschnittsbevölkerung ranzukommen, (wobei ich teilweise aus eigener Erfahrung spreche), aber ganz wird man nie ein Teil davon werden und doch immer der Iowo (Weißer) bleiben.

Einen Kulturschock einer leicht anderen Art habe ich am Samstag beobachtet, da wir von einer Gruppe Kanadiern in ein thailändisches Restaurant eingeladen wurden und ein Freund von mir aus Cotonou uns begleitet hat. Ich kann es nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, aber ich könnte mir vorstellen, dass es sein erster Besuch in einem richtigen Restaurant gewesen ist und es war zudem ein eher schickes Restaurant. Zudem hat man auch hier größtenteils Ausländer vorgefunden, es war also das erste Mal, dass er sozusagen der Fremde war und derjenige, der nicht ins Bild gepasst hat. Es klingt wahrscheinlich hart, wenn ich das so schreibe, aber dies ist das Gefühl, das einem als Weißen von vielen Leuten hier vermittelt wird. Somit hat er sich auch sichtlich unwohl gefühlt und keine Anstalten gemacht, am Gespräch teilzunehmen. Man hat ihm angemerkt, dass das Essen ihm ebenfalls nicht geschmeckt hat oder dass er auf jeden Fall sehr skeptisch war, auch wenn er alles gegessen hat. Er hat mir an diesem Abend ein bisschen leid getan, aber ich muss sagen, dass es trotz allem interessant war zu sehen, wie jemand von hier sich tatsächlich in dieser westlichen Welt zurechtfindet, die hier jeder als Paradies betrachtet und in der jeder leben will. Ich glaube, es hat ihm auch ein bisschen die Augen geöffnet, dass ein Kulturwechsel, egal wie reich die Welt, in die man eintaucht, auch ist, doch nicht immer so leicht ist und Luxus nicht alles im Leben ist.

 

Sophie

 

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Freiwilligendienst #4

Freiwilligendienst #4

So langsam wage ich zu behaupten, dass ich alle Schichten kennengelernt habe, die dieses Land bevölkern. Ich habe Leute besucht, die in einer kleinen Lehmhütte irgendwo im Nirgendwo, nur durch ein Radio mit der Welt verbunden, leben, ich habe Leute aus der Mittelschicht kennengelernt und heute habe ich einige Ministerien in Cotonou von innen gesehen und die Gegensätze könnten nicht gravierender sein. Ich habe unter anderem das „Ministère des Affaires étrangères“ (das Außenministerium) besucht, das in einem imposanten, wunderschönen Gebäude untergebracht und innen unter anderem mit Marmor ausgestattet ist, von Armut also keine Spur. Für anständige Straßen und so viel andere notwendige Investitionen ist jedoch kein Geld vorhanden… Dazu muss man jedoch auch sagen, dass das Außenministerium das Land repräsentiert und viele andere Ministerien sich ebenfalls in einem heruntergekommenen Zustand befinden, doch ein bitterer Beigeschmack bleibt trotzdem, vor allem wenn man 5 Minuten später wieder die kleinen Hütten der Menschen sieht und all die Verkäufer, die sich mühsam ihr Überleben erarbeiten.

Doch mein Aufenthalt hier hält auch anderwärtig immer wieder Überraschungen für mich bereit. So habe ich zum Beispiel auf der Arbeit sozusagen ohne Vorwarnung eine neue Patientin bekommen, ein Mädchen das an motorischen Problemen in der rechten Hand leidet. Das muss man sich ungefähr so vorstellen, dass ich gerade mit einem Mädchen Gedächtnistraining mache und jemand rauskommt und sagt: „Wenn du hier fertig bist, kannst du mit Nicole anfangen.“ und wieder verschwindet, ohne jegliche Vorwarnung und ohne ein Wort der Erklärung, was denn mit Nicole los ist. Zudem spricht weder Nicole noch ihre Mutter ein Wort Französisch und ich war überhaupt nicht darauf vorbereitet und bin auch kein Experte was motorische Probleme betrifft. Das entspricht nicht unbedingt der Art von Situation, auf die man in Sprach-und Literaturkursen vorbereitet wird…

Aber in solch einem Fall heißt es improvisieren und kreativ sein, auch wenn ich befürchte, dass ich bei dieser Aufgabe nicht gerade geglänzt habe, aber für die nächsten Male kann ich mich ja nun vorbereiten. Aber es ist ein interessantes Beispiel um zu zeigen, wie vielseitig das Leben ist und dass die schulischen Entscheidungen, die man trifft, keineswegs endgültig sein müssen. Ich habe 3 Jahre Literaturkurse im Gymnasium besucht und nun sitze ich in einem Dorf in Benin und arbeite mit behinderten Kindern, die größtenteils kein Französisch sprechen und für die der Begriff Literatur ein absolutes Fremdwort darstellt. Zudem verdeutlicht es für mich, dass das Leben uns doch so viel mehr beibringt, als die Schule es je vermögen wird.

Somit kann ich solch einen Freiwilligendienst bis jetzt auch nur weiterempfehlen, denn meiner Meinung nach ist es eine einzigartige Erfahrung mehrere Monate allein in einer fremden Kultur zu verbringen und somit gezwungen zu sein, sich anzupassen und lokale Einwohner kennenzulernen. Es erweitert den Horizont auf eine Art und Weise, die man eigentlich nur schwer in Worte fassen kann und man wächst an den Herausforderungen, die man meistern muss und lernt somit auch sehr viel über sich selbst. Alles in allem also eine Erfahrung, die ich auf keine Fall in meinem Leben missen möchte und ich bin glücklich, dass ich beschlossen habe, diesen Schritt zu tun und die Chance erhalten habe, dieses Vorhaben auch tatsächlich in die Realität umzusetzen.

 

Sophie

 

 

 

 

Freiwilligendienst #3

Freiwilligendienst #3

Strom und fließendes Wasser, eine Selbstverständlichkeit, oder? Keineswegs! Ich habe diese Woche erfahren, was für viele Menschen auf diesem Kontinent alltägliche Realität ist. Es gab während 4 Tagen weder Strom noch fließendes Wasser, das Wasser bleibt sogar jetzt noch manchmal aus. An die Stromausfälle ist man ja gewöhnt, aber sie beschränken sich normalerweise auf einige Stunden. Der Hauptgenerator der Allada und die umliegenden Dörfer versorgt, hatte jedoch Probleme und so blieb der Strom für mehrere Tage aus und somit auch das Wasser. Nun hatten wir hier noch das Glück, dass stets Wasser in einem großen Bottich bereitstand und wir uns dieses nur zu zweit teilen müssen.Trotzdem merkt man erst in einer solchen Situation wie viel Wasser  wir wirklich brauchen und wie oft wir es im Alltag benötigen, sei es nur für Kleinigkeiten wie zum Beispiel Gemüse waschen oder zum Zähneputzen. Wenn man auf einmal dran denken muss, immer ein bisschen Wasser für solche Sachen bereitstehen zu haben, wird einem dies ganz schnell bewusst und auch wie viel Wasser eine Toilettenspülung benötigt, merkt man erst, wenn sie nicht mehr funktioniert. Obwohl es teilweise eine ärgerliche Situation war, bin ich doch froh darüber, denn so wird einem erst richtig bewusst, was es bedeutet tagtäglich ohne fließendes Wasser auskommen zu müssen, sowie ohne Strom. Doch die meisten Menschen, die ohne all dies auskommen müssen, haben nicht das Glück nur wenige Meter bis zu ihrer Wasserquelle zurücklegen zu müssen, sondern mehrere Kilometer, eine Situation, die für mich auch nach dieser Erfahrung unvorstellbar bleibt.

Doch der Stromausfall hat auch teilweise Vorteile geboten. Obwohl während diesen 4 Tagen weder der Kühlschrank noch die Klimaanlage funktioniert haben (was das Schlafen beträchtlich erschwert) hatten wir auch kein Internet, was dazu geführt hat, dass man wieder viel mehr Zeit draußen und mit den Menschen verbracht hat, das Leben wurde also viel geselliger. Nicht dass dies jetzt nicht der Fall ist, aber man bemerkt doch einen gewissen Unterschied.

Doch auch heute habe ich Sachen gesehen, die man sich in der westlichen Welt nur schwerlich vorstellen kann.Ich habe heute Menschen getroffen, deren Beine gelähmt oder völlig deformiert sind. Bei uns würde man sich einer Operation unterziehen oder sich einen Rollstuhl anschaffen, doch dafür fehlt hier an allen Ecken und Enden das Geld. Ich habe zum Beispiel eine alte Frau gesehen, die gelähmt ist und die ihr ganzes Leben lang entweder kriechen oder getragen werden musste. Stellt euch diese Entwürdigung und ständige Abhängigkeit vor! Doch jetzt hat eine Organisation in ganz Benin Rollstühle verteilt und auch hier in Allada wurden 20 Stück geliefert, die diesen Menschen ein einigermaßen würdevolles und unabhängiges Leben ermöglichen. Da die Leute dafür sozusagen vermessen werden müssen, sind wir heute in ein kleines Dorf gefahren, dass dem Bilderbuch der Klischees entsprungen sein könnte. Es bestand größtenteils aus Lehmhütten mit Strohdächern die um einen großen Platz gruppiert waren. In dem Moment schien es mir nur schwer vorstellbar, dass sich weniger als eine Stunde Autofahrt entfernt eine Stadt befindet mit Strom, Internet, Geschäften, Autos etc. In diesem Moment hat sich mir die Frage aufgedrängt wie diese beiden Welten so nah nebeneinander funktionieren können…

Ich habe jedoch auch einige Erfolge zu verzeichnen. So mögen die Kinder mit denen ich arbeite, mich zum Beispiel immer mehr und sind ganz traurig, wenn ich nicht mit ihnen arbeite und auch mir sind sie richtig ans Herz gewachsen. Zudem habe ich gestern mit dem Jungen, mit dem ich Gedächtnistraining mache, innerhalb von nur 90 Minuten einen großen Fortschritt erzielen können, was mich mit Stolz und Freude erfüllt hat. Ich fühle mich immer mehr als ein integraler Teil des Zentrums und jedesmal, wenn die Kinder mir winken oder fragen, warum ich heute nicht zu ihnen komme (an den Tagen an denen ich mit behinderten Menschen arbeite), freut mich dies sehr, da es zeigt, dass  ich meine Arbeit gut mache. Zudem hoffe ich, dass ich es schaffen werde, ihnen etwas mit auf den Weg zu geben, wie zum Beispiel, dass man etwas gegenseitig teilen kann und nicht alles für sich beanspruchen muss.

Leider werde ich die Kinder auf ihrem weiteren Weg nicht begleiten können und ich werde wahrscheinlich nie wissen, zu welchen Menschen sie sich einmal entwickeln werden, doch  ich hoffe, dass sie späterhin einmal die Menschen sein werden, die keinen Unterscheid anhand der Hautfarbe machen und jeden Menschen, ganz gleich von welchem Kontinent er kommen mag, gleich behandeln werden.

Zum Abschluss noch ein Gedicht, dass an das Gedicht „Bubbles“ anknüpft und vom afrikanischen Sternenhimmel inspiriert wurde.

Night bubbles

Millions of bubbles

are hanging in the sky,

their stories of the wind

wrapped into light

and illuminating the night.

They are dropping down

into an obscure reality,

where they are collected

by the delighted spectator

to chase the darkness away

and enlighten other bubbles` way.

Copyright 2016 Sophie Aduial

 

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