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Archiv für den Monat Mai 2018

English is cool, right ? #09

English is cool, right ? #09

The author as a word tamer. Words as the eternal, respected enemy.

Copyright for the photograph used: Catherine Thines (2016)

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Chamäleon

Chamäleon

Ein paar Aschen rieselten langsam in den Aschenbecher, als er die Zigarette antippte. Erneut nahm er einen tiefen Zug und behielt den Rauch kurz im Mund, bevor er ganz langsam wieder ausatmete. Er wollte keinen Moment vergeuden, jeden Zug voll und ganz auskosten, denn nichts würde je in der Form, wie es sich ihm in dem Moment offenbarte, zurückkommen. Während er zuschaute, wie der Rauch sich in der Luft kräuselte und sein kurzes Kunstwerk formte, bevor er langsam entschwand, fraß die Glut sich weiter zum Filter hin. In dem Aschenbecher auf dem Tisch vor ihm häuften sich die Zigarettenstummeln, abgebrannt, wie von der Glut langsam verzehrte Persönlichkeiten, aus denen man nichts mehr extrahieren konnte, ausgebrannt.

Er hatte die Zigarette nun fast zu Ende geraucht, ihm blieben nur noch ein paar kleine Züge. Er wusste nicht, ob er sie zu Ende rauchen sollte, denn gegen Ende nahmen Zigaretten für ihn stets einen bitteren Geschmack an. Dann konnte er sich dem, was der Filter nach außen hin versteckte, nicht mehr entziehen. Doch eine genaue Auseinandersetzung mit den Substanzen, die sich darunter verbargen, war ihm zuwider. Während er noch überlegte, ob es sich lohne, spürte er, wie das Verlangen in ihm hochstieg, die Zigarette auszudrücken, um den Gedanken, die ihn einholten, zu entfliehen. Er wollte nicht nachdenken, er wollte ihre Wahrheiten nicht, er wollte die Inhaltsstoffe nicht kennen, die drohten, ihn umzubringen. Also warf er die Zigarette zu den anderen und während sie sich mit deren aschenem Kunstwerk vermischte, hatte er schon die nächste Zigarette angesteckt, diesmal eine andere Marke. Er hatte viele verschiedene Marken, da er sich nicht gerne beschränken ließ in seiner Auswahl und die Vielfalt der Möglichkeiten liebte.

Diese schmeckte anders, frisch, befreiend und er spürte wie sich sein Kopf zu entleeren schien. Zufrieden nahm er einen tiefen Zug und schloss genüsslich die Augen, bevor er sich in den Rauch hüllte.  Ein Zitat Fernando Pessoas kam ihn in den Sinn: „Erste Regel: Alles auf alle Weisen zu fühlen. Abschaffung des Dogmas der Persönlichkeit; jeder von uns sollte viele sein.“ Erneut nahm er einen tiefen Zug und ein angenehmer Geschmack breitete sich in seinem Mund aus. Die Zigarette schmeckte nach dieser süßen Freiheit, sich nicht festzulegen auf ein Individuum, sich  nicht einkerkern zu lassen in den Erfahrungen und Gedanken einer Person, sondern ständig im Wandel begriffen zu sein. Doch er hatte kein Interesse daran, auf alle Weisen zu fühlen. Alles zu fühlen, das klang durchaus verlockend für ihn, doch auf alle Weisen, das bedeutete auch, sich dem bitteren Geschmack einer Zigarette auszusetzen. Er blies den Rauch in die Luft hinaus und beschloss, seine Gedanken mit ihm ziehen zu lassen. Andere strömten auf ihn ein, während er den nächsten Zug nahm, doch anstatt sie festzuhalten, ließ er sie vorbeifließen.

Er wollte keine Gedanken, denn Gedanken bedeuteten Ideen und Ideen formten sich stets unweigerlich zu Meinungen, die bedeuteten, sich auf etwas festzulegen. Er wollte flüchtige Momente der Sinneswahrnehmung, die ihn streifen würden wie ein vorüberziehender Windhauch, denn „Fühlen bedeutet

Denken ohne Ideen, und

Fühlen bedeutet daher Verstehen,

da das Universum schließlich             keine Vorstellungen hat. Das Fühlen öffnet die Türen des Gefängnisses,

in dem das Denken

die Seele einschließt.

In den Vorräumen des Fühlens

ist Deutlichkeit verboten.

 

Zu verstehen, was eine andere

Person fühlt,                               bedeutet, sie selbst zu sein.“

 

Zufrieden gab er sich dem Fluss der rasch vorüberziehenden Eindrücke hin, doch versuchte er keinen davon festzuhalten. Während er eine neue Zigarette anfing, schloss er erneut genüsslich die Augen. Er würde wohl noch die ganze Nacht durch rauchen. Er wollte das Universum noch als viele weitere fühlen.

„Das Paradox ist

die charakteristische Ausdrucksweise der Natur.            Insofern nimmt

die gesamte Wahrheit eine paradoxale

Form an.

Die Charakteristiken der Objektivität

sind die Vielfalt, da ich,                                                                      während ich mich selbst

 

als EINER fühle,

das Universum als viele fühle.(…)“

Copyright Sophie Modert 2018

Bildergebnis für zigaretten aschenbecher

 
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Verfasst von - 9. Mai 2018 in Literatur

 

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