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Archiv für den Monat November 2016

Freiwilligendienst #5-Kulturschock

Freiwilligendienst #5-Kulturschock

Dieses Wochenende habe ich einen ziemlich großen Kulturschock gehabt, jedoch hat dieser sich anders gestaltet als man es vielleicht erwarten mag. Denn er hat keineswegs daraus bestanden, dass ich etwas Neues und Unbekanntes entdeckt habe, sondern eher etwas, was in Europa alltäglich ist: Ich bin in den größten Supermarkt gegangen, den man in Benin finden kann und außerdem einer der einzigen wirklich großen Supermärkte. Dies war das erste Mal seit über 2 Monaten, dass ich in solch einem Supermarkt eingekauft habe und nach solch einer Zeitspanne, die man damit verbracht hat, bei den kleinen Straßenhändlern einzukaufen und auf vieles zu verzichten, hauen einen die vielen Regale, in denen man alles findet, was das Herz begehrt und noch viel mehr, sprichwörtlich um. Die vielen weißen  Leute, die man zudem vorfindet, geben einem das Gefühl geradewegs wieder in Europa gelandet zu sein. Doch damit nicht genug, der ganze Supermarkt war auch noch weihnachtlich dekoriert, was natürlich sehr authentisch ist. Man kommt also in leichten Kleidern aus 30 Grad in diese „wihnachtliche“ Welt hinein und um ehrlich zu sein, es kommt einem einfach nur lächerlich vor. Es handelt sich um eine artifizielle Welt des Scheins und es demaskiert den ganzen Rummel, den wir um Weihnachten veranstalten, als oberflächlich und das kommerzielle Geschäft, das er schlussendlich ist. Hier feiert man Weihnachten zwar, jedoch kommt es vom Herzen und aus wahrem Glauben heraus, ohne dieses Hektik, mit der es bei uns untrennbar verbunden ist. Somit waren wir uns defintiv alle einig, dass das ganze Spektakel einfach nur „insane“ war und ich glaube, ich habe die Hitze noch nie so genossen, als in dem Moment, in dem wir wieder herausgekommen sind. Es illustriert jedoch sehr gut eine Diskussion, die wir gestern geführt haben, darüber ob es als Weißer möglich ist, ein Leben in Benin zu führen, das wirklich authentisch ist mit dem Leben, das der Großteil der Bevölkerung führt, denn solche Orte wie dieser Supermarkt sind ein Sinnbild dafür, wie die meisten Leute aus der westlichen Welt hier leben: Sie wollen nicht auf den Luxus verzichten und führen somit ein Leben abgeschirmt von der Realität, wobei ich jedoch die Frage aufgeworfen habe, worin dann noch der Sinn besteht, hier zu leben. Schließlich sind wir zum Schluss gekommen, dass es möglich ist, nahe an das Leben der Durchschnittsbevölkerung ranzukommen, (wobei ich teilweise aus eigener Erfahrung spreche), aber ganz wird man nie ein Teil davon werden und doch immer der Iowo (Weißer) bleiben.

Einen Kulturschock einer leicht anderen Art habe ich am Samstag beobachtet, da wir von einer Gruppe Kanadiern in ein thailändisches Restaurant eingeladen wurden und ein Freund von mir aus Cotonou uns begleitet hat. Ich kann es nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, aber ich könnte mir vorstellen, dass es sein erster Besuch in einem richtigen Restaurant gewesen ist und es war zudem ein eher schickes Restaurant. Zudem hat man auch hier größtenteils Ausländer vorgefunden, es war also das erste Mal, dass er sozusagen der Fremde war und derjenige, der nicht ins Bild gepasst hat. Es klingt wahrscheinlich hart, wenn ich das so schreibe, aber dies ist das Gefühl, das einem als Weißen von vielen Leuten hier vermittelt wird. Somit hat er sich auch sichtlich unwohl gefühlt und keine Anstalten gemacht, am Gespräch teilzunehmen. Man hat ihm angemerkt, dass das Essen ihm ebenfalls nicht geschmeckt hat oder dass er auf jeden Fall sehr skeptisch war, auch wenn er alles gegessen hat. Er hat mir an diesem Abend ein bisschen leid getan, aber ich muss sagen, dass es trotz allem interessant war zu sehen, wie jemand von hier sich tatsächlich in dieser westlichen Welt zurechtfindet, die hier jeder als Paradies betrachtet und in der jeder leben will. Ich glaube, es hat ihm auch ein bisschen die Augen geöffnet, dass ein Kulturwechsel, egal wie reich die Welt, in die man eintaucht, auch ist, doch nicht immer so leicht ist und Luxus nicht alles im Leben ist.

 

Sophie

 

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„Mondscheinsonette” – Ein Eigenkommentar (Teil 2)

Dies ist der zweite Teil meines Eigenkommentars zu „Mondscheinsonette”. Falls ihr den ersten Teil verpasst habt, könnt ihr ihn hier nachlesen.

Mitternacht, dies ist laut symbolonline.de „[d]er Punkt des Umschlags […] die Stunde der Einweihung in den antiken Mysterien […], der tiefsten Dunkelheit, die Zeit der Geister und Dämonen, der tiefsten Schatten und des geringsten Lichts, aber auch der spirituellen und geistigen Erkenntnis”. Eine ambivalente Tageszeit also und genau aus diesem Grund erschien sie mir auch so passend für diesen Abschnitt in „Mondscheinsonette”. Denn die Sonette des Abschnittes „mitternacht” stellen die scheinbare Erfüllung der im ersten Teil geäußerten Erwartungen des lyrischen Ers dar. Die angerufene Nacht ist nun da („sie sprießt in tiefschwarzer pracht”), die Muse, antike Quelle der Inspiration, „küsst sein heißes herz” und oberflächlich gelesen scheint dieser Abschnitt tatsächlich die „glücklichste stunde” des lyrischen Ers zu beschreiben. Doch gibt es einige kleine Hinweise auf die folgenden Abschnitte und die Kurzlebigkeit dieses Zustandes der Euphorie. Im Gedicht „muse am meer” bleibt beispielsweise die Frage unbeantwortet: „wann wird er sie hören, die noten // gespielt vom ensemble der natur?”, ja man muss sich sogar die Frage stellen ob dieser Zustand der Euphorie überhaupt so wünschenswert ist wie er zunächst scheint: „nun lässt sie ihn endlich nicht mehr fliehn” heißt es etwa in „mondscheinmeditation”. Im Allgemeinen ist anzumerken, dass das lyrische Er sich zwar mehrmals in diesem Abschnitt in einem Zustand befindet, der ihm scheinbar eine Einweihung in die Geheimnisse der Natur ermöglicht, die eigentlichen Geheimnisse aber jedes Mal verborgen bleiben. Selbst der Vers „er findet sich selbst in der leere” wirkt in diesem Interpretationszusammenhang deutlich ambivalenter als während der ersten Lektüre. In diesem Zusammenhang ist auch ein alternativer Blick auf das Sonett „warmer novemberabend” lohnenswert. Oberflächlich und vor allem unabhängig von den anderen Gedichten betrachtet könnte man annehmen es handele sich um einen schlichten Lobgesang auf den Wein. Doch eigentlich beinhaltet dieses Gedicht ein Schlüsselelement zum Verständnis dieses ganzen Abschnitts: die Präsenz des antiken Gottes Dionysos und der Hinweis, dass der Klang der „dunklen melodie” eine Folge des Genusses dieser „rötliche[n] glut” ist, weist auf die rauschhafte Natur dieses Zustandes der Euphorie hin. Ein Rausch ist bekanntlich verbunden mit einem künstlich (künstlerisch?) herbeigeführten Zustand höchster Euphorie gefolgt allerdings durch einen oftmals doppelt so intensiven Absturz. Dieser folgt dann auch im nächsten Abschnitt, doch bevor ich mich diesem widme, muss ich noch kurz über das letzte Sonett dieses Abschnitts sprechen: „zwei eins”. Denn dieses Sonett unterscheidet sich grundsätzlich von den anderen, insbesondere dadurch da es in meinen Augen das einzige Gedicht ist, welches eine wahre Glückssituation des lyrischen Ers beschreibt. Das Glück in diesem Sonett ist kein rauschhaftes, durch Substanzen oder künstlerische Vorstellung herbeigeführtes, flüchtiges Glück, nein es ist weitaus realer und konkreter, weil es an eine andere Person gebunden ist. Das lyrische Er fühlt sich dieser anderen Person so verbunden, dass er sich fast schon mit ihr zu identifizieren beginnt: „getrennt im körper, vereint im geist”. Es ist diese „verbindung zweier seelen” die den einzigen Ausweg des lyrischen Ers aus seiner begrenzten Welt des Scheins darstellt, weil sie die Grenzen des eigenen Bewusstseins verwischt. Die Aneinanderreihung der Zahlwörter „zwei eins” im Titel stellt diese Verschmelzung optisch dar, auf semantischer Ebene verlieren sie dadurch ihre Bedeutung und werden praktisch austauschbar. Die physische Trennung wird fast schon zur Irrelevanz reduziert: „zwei hüllen für ein einziges herz”. Bis heute ist dieses Gedicht für mich persönlich das einzige im ganzen Band, welches eine wahre Glückssituation beschreibt. Doch zugleich ist es auch kein Zufall, dass es das letzte Gedicht des Abschnitts „mitternacht” ist. Denn nach diesem wahren Höhepunkt muss gezwungenerweise der Absturz folgen.

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Der dritte Teil dieses Eigenkommentars wird in zwei Wochen, also am 11. Dezember, veröffentlicht.


 
 

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Freiwilligendienst #4

Freiwilligendienst #4

So langsam wage ich zu behaupten, dass ich alle Schichten kennengelernt habe, die dieses Land bevölkern. Ich habe Leute besucht, die in einer kleinen Lehmhütte irgendwo im Nirgendwo, nur durch ein Radio mit der Welt verbunden, leben, ich habe Leute aus der Mittelschicht kennengelernt und heute habe ich einige Ministerien in Cotonou von innen gesehen und die Gegensätze könnten nicht gravierender sein. Ich habe unter anderem das „Ministère des Affaires étrangères“ (das Außenministerium) besucht, das in einem imposanten, wunderschönen Gebäude untergebracht und innen unter anderem mit Marmor ausgestattet ist, von Armut also keine Spur. Für anständige Straßen und so viel andere notwendige Investitionen ist jedoch kein Geld vorhanden… Dazu muss man jedoch auch sagen, dass das Außenministerium das Land repräsentiert und viele andere Ministerien sich ebenfalls in einem heruntergekommenen Zustand befinden, doch ein bitterer Beigeschmack bleibt trotzdem, vor allem wenn man 5 Minuten später wieder die kleinen Hütten der Menschen sieht und all die Verkäufer, die sich mühsam ihr Überleben erarbeiten.

Doch mein Aufenthalt hier hält auch anderwärtig immer wieder Überraschungen für mich bereit. So habe ich zum Beispiel auf der Arbeit sozusagen ohne Vorwarnung eine neue Patientin bekommen, ein Mädchen das an motorischen Problemen in der rechten Hand leidet. Das muss man sich ungefähr so vorstellen, dass ich gerade mit einem Mädchen Gedächtnistraining mache und jemand rauskommt und sagt: „Wenn du hier fertig bist, kannst du mit Nicole anfangen.“ und wieder verschwindet, ohne jegliche Vorwarnung und ohne ein Wort der Erklärung, was denn mit Nicole los ist. Zudem spricht weder Nicole noch ihre Mutter ein Wort Französisch und ich war überhaupt nicht darauf vorbereitet und bin auch kein Experte was motorische Probleme betrifft. Das entspricht nicht unbedingt der Art von Situation, auf die man in Sprach-und Literaturkursen vorbereitet wird…

Aber in solch einem Fall heißt es improvisieren und kreativ sein, auch wenn ich befürchte, dass ich bei dieser Aufgabe nicht gerade geglänzt habe, aber für die nächsten Male kann ich mich ja nun vorbereiten. Aber es ist ein interessantes Beispiel um zu zeigen, wie vielseitig das Leben ist und dass die schulischen Entscheidungen, die man trifft, keineswegs endgültig sein müssen. Ich habe 3 Jahre Literaturkurse im Gymnasium besucht und nun sitze ich in einem Dorf in Benin und arbeite mit behinderten Kindern, die größtenteils kein Französisch sprechen und für die der Begriff Literatur ein absolutes Fremdwort darstellt. Zudem verdeutlicht es für mich, dass das Leben uns doch so viel mehr beibringt, als die Schule es je vermögen wird.

Somit kann ich solch einen Freiwilligendienst bis jetzt auch nur weiterempfehlen, denn meiner Meinung nach ist es eine einzigartige Erfahrung mehrere Monate allein in einer fremden Kultur zu verbringen und somit gezwungen zu sein, sich anzupassen und lokale Einwohner kennenzulernen. Es erweitert den Horizont auf eine Art und Weise, die man eigentlich nur schwer in Worte fassen kann und man wächst an den Herausforderungen, die man meistern muss und lernt somit auch sehr viel über sich selbst. Alles in allem also eine Erfahrung, die ich auf keine Fall in meinem Leben missen möchte und ich bin glücklich, dass ich beschlossen habe, diesen Schritt zu tun und die Chance erhalten habe, dieses Vorhaben auch tatsächlich in die Realität umzusetzen.

 

Sophie

 

 

 

 
Kurzmitteilung

Ce matin, j’ai partagé un nouveau poème sur ma page facebook, cette fois en français:

masque mortuaire

 
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Verfasst von - 22. November 2016 in Literatur, poèmes français

 

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Synästhesie des Nichtgelebten #2

Synästhesie des Nichtgelebten #2

Diese Woche veröffentliche ich den zweiten Teils meines Prosatextes.

In jenem Augenblick sah er, wie ein Mann sich auf ihn zubewegte. Ein vages Gefühl des Wiedererkennens stieg in ihm auf und das Gesicht des Mannes löste eine seltsame Vertrautheit in ihm aus, doch er konnte sich nicht entsinnen ihm bereits begegnet zu sein. Seine Bewegungen waren bedacht, ohne Eile, als ob er sich außerhalb der Gesetze der Zeit bewegen würde und diese somit auch nicht zu fürchten bräuchte. Der Mann kam näher und auf seinem Gesicht breitete sich ein freundliches Lächeln aus. Als er ihm zum Gruß die Hand hinhielt, ergriff er sie. Selbst der Händedruck des Mannes war ihm vertraut, doch immer noch konnte er ihn nicht mit einer spezifischen Begebenheit in Verbindung bringen.

„Darf ich fragen, mit wem ich die Ehre habe?“, brachte er schließlich hervor. „Ich bin nur ein Wanderer, der sich von seinen Füßen in dieser schönen Gegend herumtragen lässt“, antwortete der Mann fröhlich. „Schönheit? Ich weiß ja nicht, welche Schönheit Sie in dieser grauen Wüste entdecken wollen, aber meinen Augen entzieht sie sich offenbar.“, antwortete er entgeistert. Da schlich sich ein seltsamer Ausdruck in die Augen des Mannes und er sah ihn nachdenklich an. „Ich möchte dir etwas zeigen.“, sagte er schließlich bedächtig.

Ihm drängte sich die Frage auf, was sich in dieser Einöde denn schon an Vorzeigbarem befinden konnte, doch er folgte dem Mann, nun sicherer denn je, dass er ihm schon einmal begegnet war, da dieser ihn einfach ungefragt geduzt hatte. Doch obwohl selbst sein Gang ihm vertraut erschien, rief sein Anblick keine spezifische Erinnerung in ihm hervor, so sehr er sich auch das Hirn zermarterte. Doch etwas glaubte er mit Sicherheit sagen zu können: Entweder war dieser Mann ein hoffnungsloser Optimist oder er hatte es mit einem Verrückten zu tun. Diese nihilistische Verneinung des Lebens in Schönheit kleiden zu wollen, war eine einzige ästhetische Verspottung. Nichtsdestotrotz folgte er ihm, denn nun war es sowieso einerlei und ein bisschen Neugierde verspürte er nun doch, denn an der fröhlichen Einstellung des Mannes schien nichts Gezwungenes zu sein, sondern sie erschien durchwegs natürlich. Vielleicht würde ihm sich ja der Grund dafür offenbaren und er würde ebenfalls lernen die Schönheit unter diesem grauen Schleier zu sehen. Er spürte wie die Hoffnung in ihm aufkeimte, vielleicht war es doch noch nicht zu spät! Während er so in seinen Gedanken umherschweifte, hatte der Mann ihn zu einem Hügel mit einem kleinen Häuschen geführt und er wunderte sich, warum ihm dies nicht schon vorher aufgefallen war.

Sie stiegen den Hügel hinauf und traten hinein. Seltsamerweise erwies sich dies als große Anstrengung, so als ob es der erste Hügel sei, den er in seinem Leben erkletterte. Die Hütte schmiegte sich äußerlich perfekt in die farblose Umgebung hinein, doch er war überrascht von dem farbenfrohen Kontrast, der sich ihm im Inneren darbot und der durch den tristen Makrokosmos in den dieser Mikrokosmos gehüllt war, noch unterstrichen wurde. In der Luft tummelte sich eine Vielzahl von Lichtstrahlen, die tausendfach von Spiegeln an den Wänden zurückgeworfen wurden und ein einziges Farbenkonzert in der Luft spielten. Fasziniert von dieser harmonischen Vielfalt versuchte er, die Noten dieses Konzertes auszumachen, doch es gelang ihm nicht. Sie rannen durch seine Finger und lösten sich auf, um sich im gleichen Augenblick als ein neuer flüchtiger Farbton unter das schillernde Spiel zu mischen, doch greifbar wurden sie nicht für ihn. Zu seiner Verwunderung tanzten die Lichtstrahlen jedoch für einige Sekunden in den Händen des Mannes, bevor sie sich verflüchtigten. Er schien einen natürlichen Teil dieses Konzertes zu bilden, er war der Dirigent.

In diesem Augenblick zog jedoch das Fenster, das sich am Ende des Raumes befand, seine Aufmerksamkeit auf sich. Er durchquerte den Raum, in der Hoffnung, vom erhöhten Standpunkt der Hütte aus vielleicht das Ende der Wüste ermessen zu können. Doch der Anblick, der sich ihm offenbarte, raubte ihm den Atem. Anstatt der erwarteten öden Landschaft bot sich ihm ein überaus lebendiges Schauspiel dar, das von den unterschiedlichsten Kulissen umrahmt war und an dem eine Vielzahl von Akteuren teilnahm. Die Bühnenbilder reichten von einem belebten öffentlichen Platz bis hin zu einer Landschaft, in der er nur eine einzige Silhouette auszumachen vermochte. Doch diese Szenen, so unterschiedlich ihre äußeren Begebenheiten auch zu sein schienen,  wiesen alle eine Gemeinsamkeit auf: Sie waren durchwebt von Fröhlichkeit, Gemeinsinn und Hingabe an das Leben. Ein Kunstwerk, das in sämtlichen Farben schillerte und das äußerliche Gegenstück bildete zu dem innerlichen Farbenspiel, das er soeben bewundert hatte. Nun wusste er, welches Schauspiel sich den Augen des Mannes geboten hatte. Doch warum war er blind dafür gewesen? Er versuchte seine Hand auszustrecken, doch er vermochte das Glas des Fensters nicht zu durchdringen, er konnte die Bühne nicht betreten und die Bilder vor seinen Augen blieben ein Spiel der Illusionen. „Du kannst nicht hineintauchen.“, vernahm er auf einmal eine Stimme neben sich. Ohne, dass er es gemerkt hatte, war der Mann neben ihn getreten und schaute wie er zum Fenster hinaus, jedoch verschwamm für ihn die Grenze zwischen Schauspiel und Realität, denn wie er nun langsam zu verstehen begann, wurde ihm das Theaterstück des Lebens dieses Mannes vorgeführt. „Es ist zu spät“, fuhr der Mann fort, „das was du siehst, hätte sich als Synästhesie gestalten können, doch nun ist es auf das Visuelle beschränkt und auch zu der Musik des Konzertes vermagst du nicht zu tanzen, da sich dir ein elementarer Aspekt und somit die Schönheit des Lebens entzogen haben: Das Leben ist ein Gesamtkunstwerk, das du nicht in Stunden, Minuten oder Sekunden unterteilen kannst. Doch du hast es vorgezogen, der Zeit hinterherzulaufen, aus Angst, etwas zu verpassen und somit hast du alles verpasst, was es wert ist, erlebt zu werden und nun als das Stück aufgeführt wird, dessen Zuschauer du bist, anstatt dich in der Rolle des Protagonisten zu befinden.“

Verdutzt wendete er den Blick vom Fenster ab und richtete ihn stattdessen auf den Mann, der mit jedem Wort seltsamer und gleichzeitig vertrauter auf ihn wirkte. Er wusste nun, dass er die Wahrheit sprach, doch woher kannte dieser Mensch sein Innerstes so genau? Wie konnte dieser Fremde mit klarerem Blick in ihn hineinsehen, als er es selbst lange vermocht hatte? „Wer bist du?“, fragte er schließlich noch einmal, vergaß dieses Mal jedoch vor lauter Verwunderung, Wert auf seine Höflichkeit und seine Rhetorik zu legen. Der Mann antwortete nicht, sondern führte ihn vor das Orchester der Spiegel und bedeutete ihm, hineinzusehen. Anstatt des erwarteten Fremden blickte ihn seine eigene Silhouette aus dem Spiegel an, jedoch in doppelter Ausführung. Der Mann neben ihm war er selbst, er bildete den Teil von ihm, den er auf die Bühne der Illusionen verbannt hatte.

In diesem Augenblick legte sich von hinten eine Hand auf seine Schulter. Erschrocken fuhr er herum und blickte in das Gesicht eines fremden Mannes, der eine Wärteruniform trug und in freundlichem Ton sagte: „Es tut mir leid, mein Herr, aber das Spiegelkabinett schließt nun seine Türen, sie können gerne morgen wiederkommen, wenn sie möchten.“

 

Copyright 2016 Sophie Aduial

 
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Verfasst von - 20. November 2016 in Literatur

 

Warum ich nicht bereit bin Trump eine Chance zu geben

Donald Trump heißt er also, der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Ich weiß, mein Kommentar kommt mit ordentlicher Verspätung, aber ich nehme mir gerne Zeit um eine Situation genau zu bewerten. Während der letzten Tage habe ich dann auch viele unterschiedliche Reaktionen beobachtet, von Schock bis zu naivem Optimismus war da alles dabei. Der Sieg dieses Mannes hat auch mich tief erschüttert, doch ich habe mir inzwischen eine klare Meinung herausgebildet, die ich dann auch heute mit euch teilen möchte.

Trump, der Dilettant

Erst einmal will ich festhalten, dass mit Trump der wohl unqualifizierteste Kandidat aller Zeiten die Wahlen gewonnen hat. Mir ist im Gespräch mit und im Dialog der Trumpunterstützer aufgefallen, dass es neben jenen die Trump aus klar rassistischen oder sonstigen geistig beschränkten Ansichten unterstützt haben, auch einige gab, die wirklich glaubten respektive immer noch davon überzeugt sind, dass sie es bei Trump mit einer wahren politischen Alternative zu tun haben. Wer diesem Glauben anhängt, kann einem eigentlich nur noch Leid tun. Nehmen wir einmal an jemand unterstützt eine Präsidentschaft Trumps, nicht aufgrund irrationaler Angst vor Ausländern oder aus so lächerlichem „männlichen” Stolz, dass er es nicht ertragen hätte eine Frau in einer der wohl höchstem Machtpositionen der Welt zu sehen, sondern wirklich nur aus dem einfachen Grund, weil diese hypothetische Person glaubt, dass Trump ein fähiger Politiker sei, der Amerika und die Welt weiterbringen wird. Selbst ohne den ganzen Hass muss man, wenn man das ganze auch nur eine Sekunde rational betrachtet, einsehen, dass Trump schlicht und einfach ein absoluter Dilettant ist und seine Pläne, wenn er denn überhaupt welche hat, sogar eher das Potenzial haben großen Schaden anzurichten. So zeichnet Thomas Fricke auf SPIEGEL ONLINE ein eher düsteres Bild von Trumps Finanzplänen:

„Nach Berechnungen des Urban-Brookings Tax Policy Centers (TPC) würde Trumps großes Steuersenkungspaket bei den oberen 0,1 Prozent der Einkommensbezieher zu atemberaubenden 14 Prozent mehr Netto führen – was in der Oberklasse mal locker 1,1 Millionen Dollar pro Nase macht. Da gibt es am Monatsende bestimmt mal ein Klünkerchen extra.

Beim untersten Fünftel kämen 110 Dollar heraus. Im Jahr. Kein wirkliches Antiwut-Programm. Ähnliches gilt für Trumps Vorhaben, die Erbschaftsteuer zu streichen. Oder die Finanzbranche mal wieder zu deregulieren – was nach aller Erfahrung vor allem Vermögenden zugutekommt und den Abstand zu den Armen erhöht. Und die Chancen auf die nächste Finanzkrise erhöht.”

(Quelle: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/donald-trump-und-sein-wirtschaftskurs-arm-bleibt-arm-a-1121849.html)

Die Menschen die von diesem Szenario profitieren würden, wären wieder einmal die Reichen und eben nicht der Großteil derer die Trump gewählt haben. Aber gut, ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es Leute gibt die arrogant genug sind eine solche Politik zu befürworten und sich überhaupt nicht für die Probleme der Geringverdiener zu interessieren. Aber was ist mit Trumps Plan, mit dem Pariser Klimavertrag zu brechen? Solange man kein realitätsblinder Klimawandelleugner ist, kann man eine solch selbstdestruktive Politik doch unmöglich unterstützen. Doch nicht nur in unsinnigen oder undurchdachten Plänen offenbart sich Trumps Unfähigkeit das Amt des Präsidenten würdig zu vertreten. Vor seinem Treffen mit dem japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe glänzte Trumps Team nicht gerade mit Organisation:

„Die Vorbereitung des Termins läuft allerdings kompliziert: Noch am Tag vor dem Arbeitstreffen erklärten Abes Vertreter, es sei unklar, wann genau und an welchem Ort in New York die Begegnung stattfinde.

Es stehe zudem nicht fest, wer genau eingeladen ist und teilweise auch, wen die japanische Seite bei Fragen kontaktieren kann. „Es hat eine Menge Verwirrung gegeben“, verlautete aus Regierungskreisen.”

(Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/shinzo-abe-bei-donald-trump-es-hat-eine-menge-verwirrung-gegeben-a-1121711.html)

Dies ist eines zukünftigen Präsidentes der Vereinigten Staaten einfach nicht würdig. Donald Trump ist also auf sämtlichen Ebenen unfähig, ein Amt wie das des US-Präsidenten zu bekleiden. Aber an dieser Stelle müssen wir nun wieder auf den ganzen Hass, die Demagogie und den Populismus von seiner Kampagne zurückkommen, denn es sind diese Elemente die uns offenbaren, mit welcher Art von Politiker wir es hier wirklich zu tun haben und wie unsere Reaktion dementsprechend ausfallen sollte.

Trump, das Monster

Bevor ich irgendetwas sage, möchte ich euch bitten den folgenden Abschnitt einmal zu lesen. Ich habe ein einziges Wort durch den Begriff [Die Bewegung Trumps] ersetzt. Lest ihn euch in Ruhe durch und entscheidet erst einmal für euch selbst, ob ihr diese Aussagen so unterschreiben würdet:

„[Die Bewegung Trumps] duldet keine andere Weltanschauung neben sich. […] Die eigene Nation bzw. das eigene Volk steht an erster Stelle. Jede Entwicklung, auch im Ausland, wird ausschließlich danach bewertet, ob sie den Bedürfnissen der eigenen Nation dient. […] Unterfüttert wird diese Denkweise mit […] Rassismus […] Dies kann sich auf Behinderte oder Homosexuelle beziehen, aber auch auf Anhänger unliebsamer Weltanschauungen oder Immigranten und deren Nachkommen.”

Aus meiner Sicht ergibt dieser von mir veränderte Textabschnitt erstaunlich viel Sinn. Er beweist außerdem, dass Trump wie so viele Demagogen nichts neues erfunden hat, sondern lediglich altbekannte Maschen und Parolen aus der Besenkammer der Geschichte hervorgekramt hat, denn eigentlich beschreibt dieser Abschnitt im Original eine ganz bestimmte politische Bewegung, die wohl jedem alles andere als unbekannt sein dürfte:

„Der Faschismus duldet keine andere Weltanschauung neben sich. […] Die eigene Nation bzw. das eigene Volk steht an erster Stelle. Jede Entwicklung, auch im Ausland, wird ausschließlich danach bewertet, ob sie den Bedürfnissen der eigenen Nation dient. […] Unterfüttert wird diese Denkweise mit […] Rassismus […] Dies kann sich auf Behinderte oder Homosexuelle beziehen, aber auch auf Anhänger unliebsamer Weltanschauungen oder Immigranten und deren Nachkommen.”

(Quelle: http://www.dir-info.de/dokumente/def_faschisten.html)

Faschismus also, wieder einmal. Ich bin nicht der erste der mit diesem Vergleich daherkommt, während der letzten Wochen und sogar schon während der republikanischen Vorwahlen haben viele Trumps Kampagne als faschistisch bezeichnet. Doch mit Namen wirft man leicht um sich, fast jede Handlung eines Staates die auch nur im Geringsten gegen die „westlichen Werte” verstößt wird gerne und oft gleich mit jenen der Nazis im Dritten Reich verglichen. Der Vergleich mit Hitler wurde während der letzten Jahre so oft bemüht, dass er fast schon leer geworden ist. Genau deshalb rollen sehr viele die Augen, wenn die Kolumnisten und Schriftsteller heute vom Faschisten Trump sprechen. Genau diese Menschen will ich dann auch jetzt besonders ansprechen. Wer glaubt, Trump als Faschisten zu bezeichnen sei übertrieben oder „typisch linke Hysterie”, den lade ich herzlichst dazu ein zwei Listen mit mir zu studieren. Starten wir erst einmal mit einer kürzeren, die ich der Website der Bundeszentrale für politische Bildung entnommen habe. Die folgenden 5 Merkmale charakterisieren laut Website, eine faschistische Bewegung:

a) eine charismatische, autoritäre Führerfigur

Ein gewisses Charisma kann man dem ehemaligen Reality TV Star Trump wohl kaum absprechen. Ebenfalls propagierte er während seiner Kampagne mehrmals autoritäre Formen von Politik und pries auch des öfteren autoritäre Herrscher, wie etwa Putin, Sadam Hussein oder auch Kim Jong Un, für ihre Führungsstile. Dieses Merkmal ist ein definitives Check.

b) die strikte Unterwerfung unter das Führerprinzip

Vielleicht etwas zu stark ausgedrückt, aber Fakt ist, dass die Bewegung die Trump geschaffen hat, jeden der ihr Weltbild nicht teilt strikt ablehnt und teilweise offen ausgrenzt. Es existiert definitiv ein „Wer-nicht-mit-uns-ist-ist-gegen-uns” Gefühl, von daher würde ich dieses Merkmal zumindest im Ansatz als erfüllt betrachten.

c) der hierarchische Aufbau der politischen Organisation

Hier schweift Trump deutlicher ab. Er hat keine neue Partei gegründet und innerhalb seines Beraterteams herrscht absolutes Chaos. Er hat in diesem Sinne eigentlich weder irgendeine Art von Aufbau, noch eine Organisation vorzuweisen.

d) das rechtsextreme, offen rassistische und fremdenfeindliche Gedankengut

Dieser Punkt jedoch ist wieder deutlich klarer vertreten. Von Muslimen über Mexikaner hat Trump ziemlich klargestellt, dass er und damit auch ein Großteil seiner Anhänger, allem Fremden feindlich gegenüber stehen. Ein sicheres Check.

e) die (in Bezug auf andere politische Überzeugungen) negative Eigendefinition (als antidemokratisch, anti-parlamentarisch, antiliberal, anti-humanistisch etc.)

„Drain the swamp!”. Trumps Bewegung versteht sich hauptsächlich als eine Bewegung „gegen die da oben” oder anders ausgedrückt, als eine anti-establishment Bewegung. Sie definiert sich als eine Bewegung gegen eine bestehende Ordung. Also ist auch dieses Merkmal ein sicheres Check.

(Quelle: http://www.bpb.de/nachschlagen/lexika/17480/faschismus)

4 von 5 möglichen Merkmalen sind erfüllt. Sogar wenn man Trump jetzt noch großzügigerweise Merkmal b) abspricht, sind es immer noch 3 von 5 Merkmalen. Ich verstehe aber, wenn ich jetzt noch niemanden überzeugt habe. Diese 5 Merkmale sind offensichtlich stark reduziert und könnten sich bei allen möglichen Bewegungen manifestieren. Deswegen schauen wir uns jetzt noch eine andere Liste an. Diese stammt vom italienischen Schriftsteller, Journalisten und Kolumnisten Umberto Eco. In seiner Schrift „Cinque scritti morali” hat er 14 Merkmale des „Ur-Faschismus” definiert. Laut Eco selbst muss eine Bewegung nicht alle 14 erfüllen um als faschistisch zu gelten, bereits um ein einziges kann sich eine faschistische Bewegung kristallisieren. Ich habe die nachfolgende deutsche Übersetzung der Liste dem Blog „Roter Milan” entnommen, sie enthält auch bereits einen ersten Kommentar der Merkmale, den ich hier ebenfalls zitiere, weil ich ihn für informativ halte:

Die 14 Merkmale des Faschismus nach Umberto Eco

1. Traditionalismus

„Ein Kult der Überlieferung, der nicht nur für gegenrevolutionäre Kräfte in der Zeit der Aufklärung nach der Französischen Revolution, sondern auch schon in der Antike als Gegenposition zum klassisch-griechischen Rationalismus stand. Traditionalisten wollen die „guten alten“ Werte bewahren und verschließen sich vor neuem. Die Nazis propagandierten das Germanentum. Alte germanische Traditionen (Volksfeste etc.) wurden gepflegt und besonders eingefleischte Nazis, allen voran Hitler waren fasziniert vom Okkultismus.”

Wie oft hat Donald Trump während seiner Kampagne von der „guten alten Zeit” geschwärmt? Sein Slogan „Make America great again” fußt praktisch komplett auf der Idee, eine angebliche Größe Amerikas von früher wiederzubeleben. Es sind die Werte einer längst vergangenen Zeit, die Trumps Bewegung vertritt, aus diesem Grund würde ich dieses Merkmal als erfüllt betrachten.

2. Ablehnung der Moderne

„Dieser Traditionalismus führt zur Ablehnung der Moderne, da diese als Bedrohung für die eigene Kultur wahrgenommen wird. Die Nationalsozialisten waren zwar auf ihre militär-technischen Errungenschaften stolz, doch hielt sich die Begeisterung über jeglichen sonstigen Neuheiten in Grenzen. Solange es im Krieg nützte war es gut, andernfalls war es Verrat an den eigenen Traditionen. Zur Ablehnung der Moderne gehört auch die Kapitalismuskritik von rechts, unter dessen Deckmantel sich die Ablehnung vor allem auf die Werte der Aufklärung, auf Vernunft, Gleichheit und Freiheit richtet. Eine aktuellere Form dieser Ablehnung ist die Diffamierung der 68er-Bewegung.”

Hier wird wohl so mancher argumentieren, dass dieser Punkt nicht zutrifft, weil Trump gerade über die sozialen Medien eine neue Art von Wahlkampf geführt hat und deshalb wohl kaum als ablehnend gegenüber der Moderne bezeichnet werden kann. Man kann aber gleichzeitig wohl kaum verneinen, dass Trump und seine Anhänger die liberalen Werte der 68er-Bewegung ablehnen. Der Faschismus ist eine äußerst selbstzentrierte Bewegung und der Kommentar des „Roten Milan” bringt es gut auf den Punkt: solange es der Bewegung nützt ist es gut, alles andere ist „Verrat an den eigenen Traditionen”. Trump hat bereits angekündigt den freien Posten des Supreme Court mit einem konservativen Richter zu besetzen, der beispielsweise gegen ein liberales Abtreibungsgesetz stimmen würde. Ich würde deshalb auch dieses Merkmal als erfüllt betrachten.

3.Irrationalismus

„„Aktion um der Aktion willen“ – das heißt, dass gehandelt wird ohne nachzudenken. Denn denken impliziert immer eine differenzierte Herangehensweise und Abwägung verschiedener Positionen, was dem Irrationalismus aber fremd ist. Misstrauen gegenüber jener die nachdenken und vor allem gegenüber der Intellektuellen und Akademiker, ist in jeder faschistischen Theorie zu finden. Goebbels hetzte immer wieder in Hassreden über diese gebildeten Menschen. „Degeneriertes Intellektuellenpack“, „Eierköpfe“, „radikale Snobs“ oder „Ratten und Schmeißfliegen“ nannte sie der Propagandaminister und sagte „wenn ich von Kultur reden höre, ziehe ich den Revolver“.”

Hier erübrigt sich eigentlich jede Diskussion. Trump hat seinen Wahlkampf unter das Zeichen des Irrationalismus gesetzt wie selten ein Politiker vor ihm. Fakten waren in diesem Wahlkampf komplett unerheblich, alles was zählte war das Gefühl. Trump und seine Bewegung kritisierten auch bei jeder Gelegenheit die „Experten”, die mit ihren „Theorien” doch nur die Bevölkerung beeinflussen wollten. So antwortete beispielsweise Newt Gingrich, als er mit dem Fakt konfrontiert wurde, dass die Kriminalitätsraten insgesamt rückläufig sind (nach einer offiziellen Statistik des FBI!), dass er das aber nicht so empfinde. Irrationalismus in seiner gefährlichsten Ausprägung und deshalb ein klares Check.

4. Fehlende Kritikfähigkeit

„Andersgläubige und Dissidenten werden gehasst und verfolgt, in den Augen des Ur-Faschismus, die eigenen Ziele und Werte verraten. Wer kritisch denkt, kann selbstständig Entscheidungen treffen und vermehrt sein Wissen, doch genau das will der Ur-Faschismus nicht. Die Leute sollen denken, was man ihnen zu denken gibt. Ansonsten sollen sie dumm gehalten werden. Denn Dumme sind leicht zu kontrollieren.”

Der Faschismus als Bewegung hat immer von den Massen profitiert. Trump führt seine Kommunikation hauptsächlich über Twitter, ein soziales Netzwerk, dass sich durch schnelle und vor allem kurze Reaktionen definiert. Nachdenken und sich Zeit für eine gründliche Analyse zu nehmen, so wie wir es hier gerade machen, ist dem Faschismus fremd. Auch dieses Merkmal beschreibt Trumps Bewegung vortrefflich.

5. Rassismus

„Kritisches Denken ist außerdem ein Zeichen für Vielfalt. Der Ur-Faschismus schürt die Angst vor allem was anders und fremd ist, daher sucht sich eine faschistische oder vorfaschistische Bewegung immer einen Sündenbock. Zu diesem Sündenbock wird meist eine Minderheit – Asylanten, Juden, Andersdenkende, Schwarze oder Homosexuelle- die als Eindringling empfunden wird.”

Wer ist der Sündenbock für Trumps Bewegung? Wahlweise die Muslime, Mexikaner oder auch gerne mal die „korrupten Medien”. Trumps Kampagne hat sich nicht gerade mit Diversität ausgezeichnet, wenn es nach vielen seiner Anhänger gehen würde, würde Amerika wohl nur aus Weißen bestehen. Der Rassismus war entscheidend für Trumps Sieg und deshalb ist auch dieses Merkmal erfüllt.

6. Existenzangst der Bevölkerung

„Arbeitslosigkeit, Armut oder sozialer Abstieg sind alles Teile der Existenzangst, die viele Menschen in Zeiten von Krisen plagt. Nach dem 1. Weltkrieg litt Deutschland unter der Inflation, was die Menschen den Nazis in die Arme trieb. Zu Zeiten der Wirtschaftskrise haben die Leute wieder Angst um ihre Existenz und wieder hören sie den Faschisten zu.”

Dieses Merkmal beschreibt eigentlich eher den gesellschaftlichen Kontext in dem sich faschistische Bewegungen üblicherweise entfalten. Doch auch in diesem Punkt trifft alles auf Trump und seine Bewegung zu, sie erstarkte, weil sie sich an die „Abgehängten”, die „Verlierer” wandte und deren Existenzangst für sich nutzte.

7. Nationalismus

„Wer selber keine soziale Identität hat und sich dieser beraubt fühlt, dem gibt der Ur-Faschismus als einziges Privileg das häufigste: Die Herkunft. Das ist der Ursprung des Nationalismus. Der Nation eine Identität geben können allerdings nur die Feinde, da der Ur-Faschismus psychologisch eine „Obsession einer Verschwörung“ aufweist. Die Anhänger müssen sich bedroht fühlen. Besonders leicht ist eine Verschwörung, die durch Fremdenfeindlichkeit kreiert wird. Jedoch muss so eine Verschwörung auch von innen kommen. Daher waren die Juden schon immer bevorzugtes Ziel solcher Verschwörungstheorien. Stolz auf die Herkunft, das Gefühl einer vereinenden Identität und der Wahn, dass diese durch Einflüsse von außen und innen bedroht sei, ist typisch für den Ur-Faschismus.”

Wieder ein Check. Trump hat den Nationalismus seiner Anhänger geschürt und ihnen bewusst das Gefühl vermittelt nur er könne das „wahre” Amerika noch retten. Eine Portion Antisemitismus war da auch dabei, man erinnere sich lediglich an das Bild von Hillary Clinton vor einem Haufen Geld und dem Schriftzug „korrupteste Kandidatin aller Zeiten” auf einem roten Davidstern, den Trump auf Twitter geteilt hat.

8. Gefühl der Demütigung

„„Wir hier unten gegen die da oben“ – die Anhänger müssen sich vom Reichtum, der Stärke und der Macht der Feinde gedemütigt fühlen, sie müssen sich schwach fühlen. So kommt man in eine Opferrolle. Warum haben Rechte was gegen Asylanten? Weil die angeblich den Deutschen alles wegnehmen. Das ist simpler Futterneid. Gleichzeitig müssen die Anhänger aber davon überzeugt sein, dass man den Feind besiegen kann, daher kommt es immer wieder zu einer Verlagerung des rhetorischen Brennpunkts, da der Feind gleichzeitig zu stark und zu schwach sein soll.”

Das Establishment war das anderer beliebte Angriffsziel Trumps. Wieder kann man an seinen Ausruf „Drain the swamp!” erinnern, wie viele seiner Anhänger haben ihn gewählt, weil sie davon überzeugt waren und wahrscheinlich immer noch sind, dass Trump der Präsident ist, der es „denen da oben” schon zeigen wird. Es ist eine der größten Errungeschaften Trumps, sich als Anti-Establishment Kandidat verlauft zu haben, obwohl kaum ein anderer so sehr in diesem Establishment verankert ist und davon profitiert wie er.

9. Anti-Pazifismus

„Wahlsprüche von neuen und alten Nazis wie „Blut und Ehre“, „Blut und Boden“ oder auch Soldatenkult, zeugen von einem Leben für den Kampf. Denn der Ur-Faschismus will seine Feinde besiegen und das geht nur im Kampf. Allerdings muss es, um die Feinde endgültig zu besiegen, eine Art Endkampf geben, was aber nicht sein kann, weil dann ja keine Feinde mehr zum bekämpfen da wären. Das ist ein ideologischer Widerspruch, den kein faschistischer Führer je lösen konnte. Man identifiziert und legitimiert sich durch den permanenten Krieg, durch den totalen Krieg (wie ihn Goebbels nannte) und eine lange Zeit des Friedens ist nicht vorgesehen. Denn wenn dieser Krieg beendet wäre, wie soll man den Faschismus dann noch legitimieren?”

Vielleicht ist Trump noch nicht soweit einen wahren Krieg gegen seine inneren Feinde zu führen, aber anti-pazifistisch ist er ganz sicher. Regelmäßig verherrlichte er Gewalt auf seinen Veranstaltungen, Zitate wie „I’d like to punch him in the face” oder „If you see someone getting ready to throw a tomato, knock the crap out of them, would you?” zeugen von einer Ideologie die Gewalt als die vorzuziehende Lösung von Problemen betrachtet. Genau wie der Faschismus.

10. Elitedenken

„Der Ur-Faschismus hat ein aristokratisches und militärisches Elitedenken, das alles Schwache verachtet. Demnach gehört jeder Bürger zum besten Volk der Welt, die besten Bürger sind Parteimitglieder, weswegen jeder in selbige Partei eintreten sollte. Die Stärke des Führers beruht allerdings auf der Schwäche der Masse, daher braucht es eine Hierarchie an dessen Spitze er steht. Dabei verachtet er seine Untergebenen und jeder Unterführer verachtet seine Untergebenen, was insgesamt das Gefühl der Massenelite stärkt.”

Dieses Merkmal trifft weniger auf Trump zu, was vor allem an der bereits thematisierten Desorganisation seiner Bewegung liegt. Es wäre also das erste, welches ich persönlich nicht auf Trumps Bewegung beziehen würde.

11. Heldentum

„Der Held ist immer eine herausragende Persönlichkeit, eine absolute Ausnahme unter den Menschen. Im Ur-Faschismus zeigt sich eine besondere Heldenverehrung mit einem Totenkult. „Sieg oder Tod“ war Hitlers Devise im Krieg. Das heißt entweder man wird durch den erfolgreichen Kampf zum Helden oder man stirbt dabei und wird zum Märtyrer, also auch zu einem Helden. Für den Faschisten ist der heroische Tod die höchste Belohnung, die er erreichen kann.”

Auch dieses Merkmal findet sich eigentlich nicht in Trumps Bewegung wieder. Sie ist weitaus primitiver und eben nicht organisiert genug um solche pathetischen Traditionen hervorzubringen.

12. Machismo

„So ein permanenter Krieg oder Heldenverehrung sind mitunter schwierig, daher braucht es noch einen anderen Weg um Macht und Überlegenheit auszudrücken. Dieser Weg überträgt das Ganze auf das sexuelle Gebiet. Das Wort „Macho“ kommt aus dem spanischen und ist die Bezeichnung für männliche Tiere, ohne negative Konnotation. Diese bekommt das Wort erst wenn es „Machismo“ (deutsch: Machismus) heißt. Dieser Machismo beinhaltet nicht nur Frauenverachtung und klare Geschlechterrollen, sondern auch Ablehnung und Verurteilung aller nicht zum Standard gehörender Sexualgewohnheiten, wie Keuschheit oder Homosexualität. Doch auch den ganzen Tag den auf seine Männlichkeit zu pochen ist nicht unbedingt einfach, weswegen der urfaschistische Held das Spiel mit Waffen sucht, um einen Phallusersatz zu haben.”

Waffen und Sexismus? Bei diesem Merkmal wird es uns wieder einfach gemacht. „Grab them by the p***y” ist traurigerweise das bekannteste Zitat des zukünftigen US-Präsidenten und auch sonst hat Trump regelmäßig einen widerlichen Machismo an den Tag gelegt. Doch so anachronistisch und rückständig wie er und vielleicht auch erscheinen mag, so entscheidend war doch auch dieser Punkt für Trumps Sieg.

13. Populismus

„In Demokratien haben die Bürger individuelle Rechte zur Mitbestimmung, können jedoch nur gemeinsam Macht ausüben um etwas zu verändern, da die Mehrheit entscheidet. Im Ur-Faschismus haben die Bürger keine individuellen Rechte und dürfen nicht mitbestimmen. Das ganze Volk hat eine Meinung, die überraschenderweise mit der Meinung des Führers übereinstimmt. Dieser hat den Menschen die Last des Nachdenkens und Entscheidens abgenommen und wirkt als der Interpret des Volkes. Die Leute [werden] zwar immer noch zusammengerufen zu politischen Veranstaltungen, aber das dient nur der Inszenierung. Um diesen Populismus zu verbreiten, braucht man keine großen Plätze mehr wie die Piazza Venezia in Rom, wo Mussolini seine Reden hielt, oder das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg auf dem Hitler zu den Massen sprach. Heute geht sowas ganz einfach im Fernsehen oder im Internet.”

Selbst wer Trump (noch) nicht als Faschisten bezeichen will, kann nicht dementieren, dass er ein Populist ist. Das Internet, und besonders die bereits erwähnte Plattform Twitter, war und ist seine Piazza Venezia, doch im Gegensatz zu Mussolini benötigt Trump gerade einmal 140 Zeichen um sein populistisches Gift den Massen einzuimpfen.

14. Newspeak

„„Newspeak“ stammt aus dem Roman“1984″ von George Orwell und ist eine aus politische Gründen vereinfachte Form der Sprache. Zur Zeit der Nazi-Diktatur waren alle Schulbücher in einer vereinfachten Sprache geschrieben, das heißt das Vokabular ist begrenzt und die Syntax recht simpel gehalten. Das hindert die Schüler (und späteren Erwachsenen) daran komplex und vor allem kritisch zu denken. […]”

Während des Wahlkampfs hieß es einmal, Donald Trump habe das Vokabular eines Viertklässlers. Ob das jetzt richtig ist oder nicht, was auf jeden Fall auffällt, ist die extrem einfache Sprache Trumps, die im starken Kontrast zur teilweise ins fachliche abgleitenden Sprache Hillary Clintons stand. Seine Anhänger verehrten Donald Trump unter anderem wegen seiner einfachen Sprache als „Mann des Volkes”, ohne auch nur im geringsten die Kompetenz eines Politikers in Frage zu stellen der Sätze von sich gibt wie „We will have so much winning, if I get elected, that you may get bored with winning”.

(Quelle: https://rotermilan.wordpress.com/2015/07/03/was-ist-faschismus-eine-definition-nach-umberto-eco/)

Es ist erschreckend: von den 14 Merkmalen des Faschismus, die Umberto Eco definiert hat, treffen 12 auf Trump und seine Bewegung zu. Ich will an dieser Stelle noch einmal daran erinnern, dass Eco bereits ein Merkmal für ausreichend hielt um eine Bewegung als faschistisch identifizieren zu können. Anhand von 3 Beispielen haben wir jedes einzelne Mal erschreckend deutliche Parallelen bemerken können und ich könnte noch weiterfahren, wir könnten uns noch andere Definitionen des Faschismus ansehen, doch ich glaube, dass sich das Resultat nicht mehr dementieren lässt. Donald Trump ist kein einfacher Rechtspopulist und seine Bewegung nicht einfach eine Ansammlung von „besorgten Bürgern” oder „Protestwählern”. Wir haben es hier mit einem Faschisten zu tun, der wieder einmal demokratisch in eine Führungsposition gewählt worden ist. Von Trump als Faschisten zu sprechen ist also keineswegs bloße „linke Hysterie”, es ist ganz einfach die schreckliche Realität.

Warum ist das wichtig? Warum habe ich soviel Zeit damit verbracht, die Legitimität einer banalen Terminologie zu beweisen? Es ist wichtig, weil es uns eine Richtlinie für unsere Reaktion auf einen Präsidenten Trump vorgibt.

Die angebrachte Reaktion

Der allgemeine Tenor auf Trumps kommende Präsidentschaft zeichnet sich immer deutlicher ab. Jetzt mal Schluss mit Panik, das wird schon nicht so schlimm. Vergessen scheinen plötzlich all die Skandale der letzten Monate, vergessen der ganze Rassismus, der Sexismus, der unerträgliche Hass gegen alles Fremde. Auf einmal ist Trump eben ein Politiker wie jeder andere, jemand mit dem man jetzt eben klar kommen muss. Es sind Reaktionen dieser Art, die mich teilweise richtig wütend gemacht haben und die ich einfach nicht für mich akzeptieren kann. Ein Faschist wurde gerade zum US-Präsidenten gewählt und alles was uns dazu einfällt ist „wird schon werden”? Das ist einfach traurig und zeugt von einer Arroganz und Bequemlichkeit die genau zu den Problemen geführt hat die wir heute haben. Eine Politik in der Ideale und Werte keine Rolle mehr spielen, in der es nur noch um leere Wirtschaftsinteressen geht, um das „Geschäft” der Politik. Eine Politik, aber übrigens auch eine öffentliche Meinung, die so scheinheilig geworden ist, dass sie allen Ernstes vorschlägt einem frauenverachtenden Rassisten, der andere Menschen wie den letzten Dreck behandelt und keinen Hehl daraus macht, bei zukünftigen Bombardementen im Orient nicht die geringste Rücksicht auf die Zivilbevölkerung zu nehmen, eine Chance zu geben? Sind wir als Gesellschaft wirklich so verkommen, sind wir so in dieser unerträglichen Silicon-Valley-Optimismusblase gefangen, dass wir sämtliche Werte die sich über hunderte von Jahren entwickelt haben, einfach so über Bord werfen nur um unsere Geschäftsinteressen zu wahren? Was ich hier versuche auszudrücken, hat eigentlich der irische Politiker Aodhán Ó Ríordaín längst auf den Punkt gebracht:

„When are we going to have the moral courage to speak in terms other than economy all the time?“

(dt. : „Wann werden wir den moralischen Mut haben, um auf einer anderen Ebene als auf einer ökonomischen zu sprechen?”)

(Quelle: https://youtu.be/pabjqmYWGkM)

Wie oft musste ich mir in letzter Zeit das Argument anhören, Trump sei ja aber demokratisch gewählt, das müsse man respektieren. Natürlich muss man das. Aber das Wahlresultat anzuerkennen bedeutet nicht Trump anzuerkennen. Es ist unsere moralische Pflicht diesen Mann zu boykottieren, ihm von Anfang an klar zu machen, dass wir seine Weltanschauung nicht teilen. Zu Anfang dieses Kommentars habe ich kritisiert, dass der Vergleich zu Hitler in letzter Zeit zu oft bemüht wurde. Nun aber, da wir jeden Zweifel beseitigt haben, dass es sich bei Trump um einen Faschisten handelt, gewinnt er wieder an Bedeutung. Denn haben denn nicht auch schon solche rückgratlosen Feiglinge wie Chamberlain oder Daladier einen Mann wie Hitler zu beschwichtigen versucht? Haben sie nicht auch damals geglaubt „das wird schon werden”, haben sie nicht damals schon den Fehler gemacht einen Misanthropen wie ihn als einen Politiker wie jeden anderen zu behandeln? Wer jetzt argumentieren will, wir würden ja aber nicht mehr in den Dreißiger Jahren leben, dem empfehle ich die Lektüre dieses Artikels.

Was sollten wir also tun? John Oliver hat es in seiner letzten Folge von „Last Week Tonight” für dieses Jahr eigentlich sehr gut beschrieben. Wir sollten uns nicht darauf beschränken jedes einzelne unserer irrelevanten Instagram Fotos mit #notmypresident zu versehen, sondern aktiv etwas gegen Trump unternehmen. Proteste, wie sie gerade stattfinden, sind schön und gut, helfen aber den eigentlich von dieser Gefahr Betroffenen nicht. Stattdessen sollten wir Organisationen unterstützen, die genau das tun. Wir müssen wieder deutlich stärker den seriösen Journalismus unterstützen und nicht immer nur unsere Nachrichten kostenlos aus dem Internet beziehen. Ein, zwei Tageszeitungen zu abonnieren kann schon helfen. Desweiteren sollten wir Organisationen unterstützen die für die Rechte von Minderheiten eintreten, ich verlinke euch einige am Ende dieses Artikels. Das vielleicht wichtigste: wenn jemand von euch in einem Land lebt, wo keine Wahlpflicht herrscht, dann bitte: geht wählen! Und wenn ihr wählen geht, dann wählt nicht gegen eure Regierung oder gegen eine bestimmte Partei, wählt für die Menschen oder für die Partei die eine Politik vertritt die ihr gerne in eurem Land verwirklicht sehen wollt! Rechtspopulistische Parteien vertreten keine Werte, sie vertreten lediglich sich selbst und ihre leere Versprechungen, lasst euch nicht auf dieses Niveau herunter!

Für den Umgang mit Trump und seinen Anhängern bedeutet dies dann auch, dass wir endlich die Dinge beim Namen nennen sollten. Donald Trump ist ein Faschist, wenn also jemand auch nach der Lektüre dieses Artikels Trump noch immer unterstützt, dann soll er mir beim nächsten Mal auch bitte sagen, dass er einen Faschisten unterstützt, damit ich Bescheid weiß, den Kontakt zu einem solchen Individuum abzubrechen. Was seine Anhänger betrifft, so wurde oft davon gesprochen wie falsch es wäre diese gerade jetzt pauschal als „Idioten” abzustempeln und auszugrenzen. Stimmt, aber gleichzeitig sollten wir sie auch nicht besser darstellen als sie sind. Wer Trump gewählt hat, hat Rassismus, Frauenfeindlichkeit und Fremdenhass gewählt, wer Trump gewählt hat, hat einen Faschisten gewählt. Dies müssen wir uns jeden Tag aufs Neue vor Augen halten und mit jedem Satz den wir an einen seiner Sympathisanten richten bedenken:

Trump ist ein Faschist.

Oder wie John Oliver es gesagt hat, wir müssen uns von nun an jeden Tag daran erinnern, dass ein Präsident Trump eben nicht normal ist.

Trump ist ein Faschist.

Es ist nicht normal, dass er Präsident ist.

Trump eine Chance zu geben, bedeutet dem Faschismus eine Chance zu geben. Es bedeutet Hass und Ausgrenzung wieder salonfähig zu machen.

Trump ist ein Faschist.

Es ist nicht normal, dass er Präsident ist.

Ich lehne es ab, ihm eine Chance zu geben.

Aktiv Stellung gegen Trump zu beziehen, bedeutet wahre moralische Werte zu vertreten. Es bedeutet Politik endlich wieder als eine Diskussion um Werte und nicht um Wirtschaft zu sehen.

Trump ist ein Faschist.

Es ist nicht normal, dass er Präsident ist.

Ich lehne es ab, ihm eine Chance zu geben.

Ich werde die Rechte aller Menschen mit allen mir gegebenen Möglichkeiten verteidigen.

Zwei Sachen dann noch zum Schluss. Wir dürfen auf keinen Fall der Gefahr erliegen, auf gleiche Weisen mit Anhängern rechter Gesinnungen umzugehen wie viele von ihnen mit uns. Wenn jemand solche Ansichten äußert sollte man ihn nicht einfach beleidigen oder in sonstige sinnlose Vulgarität verfallen. Ruhig bleiben, sachlich argumentieren und höflich aber bestimmt antworten sind angemessene Formen des Dialogs. Dabei ist es aber zugleich wichtig, klare Grenzen der Diskussion zu definieren. Gerne darf über politische Programme gesprochen werden, aber Werte wie Menschlichkeit und Respekt gegenüber anderen stehen niemals zur Diskussion.

Schlussendlich dann noch kurz zu dem Argument, dass Trump schon seine Grenzen bemerken wird, wenn er bis richtig im Amt des Präsidenten ist. Genau dieses Argument hat man schon einmal bemüht, um sich selbst zu beruhigen. Genauso hat man über Adolf Hitler gesprochen. Sagt ihr mir wie es ausgegangen ist.

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Im folgenden liste ich euch alle Organisationen auf, die John Oliver in seinem Video genannt hat. Viele von ihnen arbeiten in den USA und da die meisten Minderheiten dort wohl von einer Präsidentschaft Trumps betroffen sein werden, bietet sich eine Spende an sie auch besonders an. Informiert euch trotzdem auch selber über Organisationen in euren jeweiligen Ländern und unterstützt sie, wenn möglich, regelmäßig. Ich persönlich werde euch in einigen Wochen das International Refugee Assistance Project genauer vorstellen, die Organisation an die ich dieses Jahr zu Weihnachten spenden werde.

The Trevor Project

Wollt ihr die LGBTQ Community unterstützen, weil ihr findet, dass sich Menschsein nicht durch sexuelle Identität oder Orientierung definiert? Dann spendet an das Trevor Project, dass herrvoragende Arbeit besonders im Umgang mit jungen Menschen leistet:

http://www.thetrevorproject.org/

Propublica

Wollt ihr guten und sorgfältigen Journalismus unterstützen, der Trumps Präsidentschaft kritisch verfolgen wird? Dann spendet an Propublica:

https://www.propublica.org/

Planned Parenthood

Wollt ihr Frauen unterstützen, insbesondere auch im Hinsicht auf das Recht auf Abtreibung? Dann spendet an Planned Parenthood:

https://www.plannedparenthood.org/#

Reproductive Rights

Gleiches gilt für Reproductive Rights. Diese Organisationen werden besonders auf Hilfe angewiesen sein, da Trump bereits angekündigt hat einen Richter für den Supreme Court zu nominieren, der gegen das Recht auf Abtreibung votieren wird:

https://www.reproductiverights.org/

NRDC

Ihr haltet globale Erwärumung nicht nur für eine „Erfindung der Chinesen” wie der zukünftige US-Präsident? Dann unterstützt das Natural Ressources Defense Council:

https://www.nrdc.org/

International Refugee Assistance Project

Ihr pauschalisiert Flüchtlinge nicht als eine verdeckte Terrorarmee und findet, dass diesen Menschen mit allen möglichen Mitteln geholfen werden sollte? Dann unterstützt das International Refugee Assistance Project:

http://www.refugeerights.org/

LDF

Ihr wollt den bedrohten Minderheiten in Amerika helfen ihre Bürgerrechte zu verteidigen? Dann unterstützt den Legal Defense and Educational Fund:

http://www.naacpldf.org/

Maldef

Latinos und Mexikaner werden unter Trump ganz besonders auf rechtlichen Beistand angewiesen sein. Wenn ihr ihnen helfen wollt, dann spendet an den Mexican American Legal Defense and Educational Fund:

http://maldef.org/

 
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Verfasst von - 20. November 2016 in Politik

 

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„Mondscheinsonette” – Ein Eigenkommentar (Teil 1)

Fast 3 Monate ist es nun schon her, dass mein erster Gedichtband im regulären Buchhandel erschienen ist. Mondscheinsonette stellt von daher ohne Zweifel für mich einen Einschnitt dar, der sich allerdings nicht nur auf die Veröffentlichung in Druckform durch einen Verlag auszeichnet. Nein, dieser Gedichtband hat für mich auch einen Wechsel in meiner Art Lyrik zu schreiben bedeutet. Ich habe lange überlegt, ob ich diesen Eigenkommentar überhaupt schreiben sollte, da ich mich doch grundsätzlich den Ansätzen des großen Marcel Proust anschließe, welcher diese in seinem berühmten Essai «Contre Sainte-Beuve» herausgearbeitet hat; nämlich vor allem, dass die literarische Produktion unabhängig von der Biographie des Autors behandelt und interpretiert werden sollte. Denn wahre literarische Werke existieren für sich, außerhalb der individuellen Sphäre ihres Schaffers. Ich will deshalb für den nun folgenden Kommentar auch keine Allgemeingültigkeit beanspruchen. Er soll vielmehr meinen Gedankengang bei der Schaffung dieses Gedichtbandes beschreiben, was ich mir gedacht habe und wie ich persönlich den von mir verfassten Sonettzyklus sehe und interpretiere. Es wäre nämlich auch falsch den Autor komplett von seinem Werk zu trennen. Auch wenn es ihn zum leben nicht braucht, so ist der Autor doch in jedem Vers präsent und zu finden, ist die Interpretation des Autors dann doch eine welche ausgedrückt werden sollte. Mit diesen Gedanken will ich mich dann nun der Betrachtung meines neuesten Gedichtbandes Mondscheinsonette widmen.

Zu Anfang gilt es erst einmal festzustellen, was bereits im Titel enthalten ist: dieser Gedichtband beinhaltet Sonette. Was dem Literaturfreund und Vielleser vielleicht selbstverständlich ist, stößt bei vielen Gelegenheitsleser zuweilen auf Stutzigkeit. Ich möchte deshalb an dieser Stelle nochmals kurz auf Definition und Geschichte dieser Gedichtform eingehen:

Als Sonett bezeichnet man laut Wikipedia eine Gedichtform bestehend „aus 14 metrisch gegliederten Verszeilen”. Im Kern ist dies dann auch die einzige Voraussetzung, jedes Gedicht welches sich aus genau 14 Versen zusammensetzt, kann also im Prinzip als Sonett bezeichnet werden. Entstanden ist diese Form in Italien, noch heute gilt vielen fälschlicherweise der große fiorentinische Dichter Francesco Petrarca als der Erfinder des Sonetts, dabei reichen seine Ursprünge bis in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts zurück. Nicht von der Hand zu weisen ist natürlich die Tatsache, dass Petrarca dem Sonett zu seiner Bekanntheit verholfen hat, unter anderem mit dem monumentalen Canzoniere. Die Bewegung hielt bald Einzug in anderen europäischen Ländern, so etwa in Frankreich, Spanien, Portugal oder auch England, wo es mit Spencer und natürlich Shakespeare unter einer neuen Form, dem „elisabethan sonnet” neue Berühmtheit erlangte. Nach dieser ersten Blütezeit geriet das Sonett erst einmal in Vergessenheit, bis es im späten 18. und dann vor allem im 19. Jahrhundert eine Wiedergeburt erlebte. Die besonders für mich, und damit auch für meinen Gedichtband, entscheidende Phase des Sonetts ereignete sich dabei in Frankreich. Mit dem Erscheinen von Les Fleurs du Mal revolutionierte Charles Baudelaire nicht nur die Lyrik seiner Zeit, er erfand auch das Sonett neu. Klassisch zwar noch immer in der Erscheinung, wurde das Sonett dennoch von ihm, und dann etwas später vor allem auch von Paul Verlaine, „befreit”. Seit dieser Zeit tauchte das Sonett immer mal wieder auf und erweist sich so als eine der langlebigsten Gedichtformen überhaupt, doch für diesen Kommentar genügt es, bei diesen französischen Symbolisten inne zu halten, denn sie sollten mir den kreativen Anstoss zur Schaffung meiner Mondscheinsonette geben.

Sonette also sollten es sein, so viel stand für mich spätestens im Dezember letzten Jahres fest. Eine bewährte Form die ich aber dennoch auf eine bestimmte Art und Weise an unsere Zeit anpassen wollte. Mir kam eine Idee, welche ich zu Anfang jedoch nur bei einem einzigen Gedicht ausprobierte, nämlich bei meinem Sonett „inanitas”: ich bediente mich der in der deutschen zeitgenössischen Lyrik inzwischen etablierten konsequenten Kleinschreibung. Während dies natürlich schon lange keinen mehr schockt, war es für mich ein wichtiger Schritt und sollte dann später, auf Anraten meines Französischlehrers, zum Standart für diesen Gedichtband werden. Doch gehen wir Schritt für Schritt vor.

Der Band öffnet sich mit einem isolierten Gedicht: „musengesang”. Dieses, wie auch das Schlusssonett, unterscheidet sich von den anderen Gedichten, durch seine Form aber auch durch seinen Inhalt. Die Alexandriner dieses Sonetts beinhalten eine euphorische Stimmung, der Dichter, der „Sohn des Apoll” fühlt sich endlich wieder inspiriert und ruft in höchster Freude die Götter des alten Griechenland an, jene welche schon Goethe zu einigen seiner schönsten klassischen Werke inspiriert haben. Trotz der konsequenten Kleinschreibung, welche das Sonett in den Zyklus eingliedert, wirkt es von allen am „klassischsten” und markiert den Anfang einer künstlerischen Schöpfungsphase. Es ist dabei bewusst klassisch gehalten, da es als Anfangsgedicht auch eine Art Hommage an ältere Sonette darstellen soll, dieser wie bereits erwähnt doch sehr langlebigen Gedichtform. Nachfolgend soll sich diese Schöpfungsphase dann in vier Teilen abspielen:

1. früher abend

2. mitternacht

3. tiefste nacht

4. morgengrauen

Die Titel der einzelnen Abschnitte stehen weniger für den realen Verlauf einer einzigen Nacht, als sie vielmehr für lyrische Stimmungsphasen stehen. Ich werde dies nun im Detail für jeden Abschnitt herausarbeiten.

Die Sonette des Abschnitts „früher abend” verbindet eine Aufbruchstimmung. Es ist das Ende des Alltags, die Nacht ist noch nicht hier doch ist sie bereits zum greifen nah. Voll Vorfreude wird in diesen Gedichten einerseits die Befreiung vom Tag (cf. „die nacht ertränkt den verhassten Tag”) und andererseits der Beginn der künstlerisch fruchtbaren Nacht (cf. „seinen dunklen willen, // der zu lange schon im tiefschlaf lag” sowie die „stille macht” und die „stille schönheit”) gefeiert. Der Dichter wie er in diesen Gedichten auftritt ist ein marginalisierter Einzelgänger der sich der großen Masse nicht zugehörig fühlt (cf. das Empfinden als „geisel” der „verlogene[n] stadt”). So wird dann auch in mehreren Gedichten vor allem die Zusammengehörigkeit des lyrischen Ers (zu dieser Besonderheit am Ende mehr) mit der oftmals personifizierten Nacht (cf. besonders „schwarze göttin”, „schwarze schwester”) hervorgehoben. Der Dichter als Teil einer kleinen, ja oftmals sogar auf ein Dreiecksverhältnis zwischen Dichter, Nacht und einer ungenannten dritten Person (lediglich als „sie” einzeln und in der Inklusion mit dem lyrischen Er als „schattenkinder” erwähnt) reduzierten, Gemeinschaft. In diesem Eröffnungsteil stellt die Nacht die kommende Erlösung vom Alltag und seinen Illusionen dar, als Zustand der sehnlichst vom Dichter herbeigesehnt wird.

Doch auch wenn die Nacht diesen Teil definitiv dominiert, ist doch noch ein weiteres Element Ziel einer Bewunderung des lyrischen Ers. Im Sonett „die schwarze perle” ist von der Lagunenstadt Venedig die Rede, leicht erkennbar an den bekannten Verweisen wie etwa der „märchentempel”, die „gondel”, das „acqua alta” oder auch der „kanal”. Die Serenissima erhält in diesem Sonett ähnlich befreiende Eigenschaften wie die Nacht, wird sogar durch den „mond” am Ende mit ihr kombiniert. Deutlich wird in diesem Sonett auch die offenbarende, die Wahrheit offenlegende Kraft sowohl Venedigs als auch der Nacht, betont:

„ein kanal, die ader zur wahrheit

der mond legt das geheime offen.”

So ist denn dieser erste Teil eine Kondensation künstlerischer Vorfreude. Dominierend sind die Gefühle der Hoffnung, der Vorfreude und vor allem auch der Befreiung. Die Gesellschaft wird lediglich am Rande erwähnt und wenn sie genannt wird, dann als ein Ort der Gefangenschaft des lyrischen Ers. Die bis jetzt nur angekündigte künstlerische Befreiung durch die Nacht, setzt dann definitiv mit dem nun folgenden Teil „mitternacht” ein.

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Dies schließt den ersten Teil meines Eigenkommentars. Die Fortsetzung wird nächsten Sonntag erfolgen.


 

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