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Archiv für den Monat August 2016

Kurze Gedanken zu Burka und Burkini

Eines der meistdiskutierten Themen der vergangenen Wochen war wohl das Burka-Verbot und das kürzlich für nichtig erklärte Burkini-Verbot an manchen Stränden in Südfrankreich. Während dieser Debatten ist wie immer viel Unsinn verbreitet worden und deshalb möchte ich heute nur ganz kurz meine persönliche Meinung zu beiden Verboten ausdrücken.

Erst einmal das Burka-Verbot. Im Prinzip bin ich für ein solches Verbot, aber ich finde es wichtig genau darzustellen, warum man es ist. Die Burka, wie in minimal geringerem Maß auch der Nikab, verdeckt das Gesicht vollständig. Dies stellt ein hohes Sicherhheitsrisiko dar und deshalb sollte das Tragen zumindest auf öffentlichen Plätzen verboten sein, da man ja auch nicht beispielsweise mit einer Skimaske herumlaufen darf. Dieses Verbot darf nicht religiös motiviert sein und Argumente dieser Art sind meiner Meinung nach auch komplett überflüssig. Ein mögliches Verbot würde einen minimalen Teil der muslimischen Bevölkerung betreffen, aber wenn man manchen Leuten zuhört könnte man meinen jede zweite Muslima würde mit einer Burka herumlaufen. Wir verschwenden wertvolle Zeit über ein Verbot mit lächerlich geringem Impakt zu diskutieren, während wichtigere Probleme dadurch zu kurz kommen.

So nun zum Burkini-Verbot in Frankreich. Erst einmal muss man klarstellen, dass der Burkini eigentlich wenig mit der Burka zu tun hat. Bei ersterem handelt es sich eher um einen Ganzkörperbadeanzug der das Gesicht sogar komplett freilässt. Ihn zu verbieten ist einfach nur lächerlich, da es hierfür wirklich überhaupt keine stichhaltigen Argumente gibt und die meisten die ich in Frankreich gehört und gelesen habe waren ganz klar islamophobisch geprägt. Ich erinnere an dieser Stelle sehr gerne daran, wie skandalös das Erscheinen des Bikinis im letzten Jahrhundert war und wie ein Großteil es als ein Affront gegenüber unseren Sitten aufgefasst hatte. Heute muss man dann in der Zeitung lesen, dass französische Polizisten eine Frau am Strand zwingen einen Teil ihres Badeanzugs abzulegen. Der Burkini verdeckt ungefähr gleich viel von einer Frau wie die Nonnentrachten es in der Kirche tun, aber ich sehe keine Proteste für eine Befreiung der Nonnen aus ihrem „textilen Gefängnis”. Müsste ein Burkini-Verbot eigentlich nicht auch sämtliche Ganzkörperbadeanzüge mit einbinden? Sollte man dann nicht auch Frauen, die einen solchen tragen, weil sie beispielsweise Verbrennungen erlitten haben zwingen diesen abzulegen? Natürlich nicht. Es ist gut, dass Frankreichs höchste juristische Instanz das Verbot gekippt hat, denn es basierte exklusiv auf irrationalen Ängsten und haltlosen Vorurteilen.

Erster Mann: Wir suchen nach Zeichen religiöser Ostentation…

Zweiter Mann: Hätten Sie vielleicht einen Burkini oder eine verhüllte Muslima gesehen?

Bildunterschrift: Scheinheiligkeit am Strand…

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Verfasst von - 28. August 2016 in Politik

 

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„A year of thoughts 15/16“ – jetzt verfügbar

Auch dieses Jahr präsentiere ich euch wieder A year of thoughts, die Chronik die alle Beiträge dieses Blogs des vergangenen Jahres zusammenfasst. Für treue Leser eine gute Methode um vergangene Beiträge wiederzufinden, für jeden der noch nicht mit dem Blog vertraut ist eine nützliche Art und Weise es zu entdecken!

Ihr könnt es euch jetzt sofort bei Smashwords herunterladen, sowie bei weiteren Anbietern:

smashwords.com

https://www.smashwords.com/books/view/659451

Barnes& Noble

http://www.barnesandnoble.com/mobile/w/a-year-of-thoughts-15-16-vito-volpe/1124480505?ean=2940153697246

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https://store.kobobooks.com/de-de/ebook/a-year-of-thoughts-15-16

Auf Smashwords könnt ihr euch das ebook auch als .mobi Datei herunterladen, welche es euch erlaubt, das Buch auf einem Kindle zu lesen. Falls ihr Hilfe braucht, die Datei auf euer Kindle Gerät zu übertragen, könnt ihr hier nachlesen wie es geht (auf Englisch):

https://ebookpartnership.com/help-faq/open-mobi-file-kindle/

A year of thoughts 15%2F16

 
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Verfasst von - 23. August 2016 in Gemischtes, Literatur

 

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Die Reisen des Herrn Nimo – Vacuustan

Herr Nimo ist ein Reisender den es immer wieder an recht sonderbare Orte verschlägt. Doch dem aufmerksamen Leser wird es nicht verborgen bleiben, wie bekannt uns diese Städte und ihre Bewohner eigentlich sind.

Herrn Nimos Reise führte ihn in eine Stadt namens Vacuustan. Überrascht stellte Herr Nimo fest, dass die Stadt sich in einem erbärmlichen Zustand befand. Die Straßen waren voller Schlaglöcher, die Fenster der Häuser teilweise zerschlagen und viele Türen aus den Angeln. Doch die Stadt war nicht etwa verlassen, im Gegenteil. Herr Nimo begegnete vielen Leuten, die ihn sogar freundlich grüßten. Als er schließlich fast von einem herabfallenden Dachziegel erschlagen wurde, hielt Herr Nimo den nächsten Passanten an und fragte:

„Entschuldigen Sie bitte mein Herr, ich bin ein Reisender und gerade in ihrer Stadt angekommen. Könnten Sie mir vielleicht erklären warum sie so baufällig ist?”

„Ach das würde ich wirklich gerne, aber leider habe ich gerade überhaupt keine Zeit. Ich bin auf dem Weg zum Stadtpark um einen Stein zu fotografieren, sie verstehen also bestimmt, dass ich es eilig habe.”

Ohne Herrn Nimo eine Antwortmöglichkeit zu bieten, stürmte der Vacuustaner bereits davon. Etwas verwirrt versuchte er sein Glück beim nächsten Passanten:

„Entschuldigen Sie bitte mein Herr, ich bin ein Reisender und gerade in ihrer Stadt angekommen. Könnten Sie mir vielleicht erklären warum sie so baufällig ist?”

„Eigentlich liebend gerne, aber ich muss unbedingt zum Stadtplatz um die Treppe zum Rathaus hinaufzuspringen, Sie verstehen also bestimmt meine Eile!”

Auch dieser Passant ließ Herrn Nimo ohne weitere Worte stehen. Immer ratloser, angesichts dieses seltsamen Verhaltens der Bewohner, änderte er seine Taktik. Er hielt Ausschau nach einem Geschäft oder Lokal, ein Unterfangen welches sich als Äußerst schwierig herausstellte. Die meisten Häuser waren bloß noch Ruinen und die meisten Bewohner Vacuustans schienen auf den Straßen herumzuwuseln. Schließlich fand Herr Nimo jedoch eine kleinere Drogerie in welcher sich tatsächlich auch noch ein Händler befand. Dieser saß hinter seinem Tresen und schien vertieft in irgendeine Aktivität zu sein. Als Herr Nimo, den der Händler scheinbar noch nicht bemerkt hatte, sich ihm näherte, sah er, dass der Händler eine einzelne grüne Erbse anstarrte. In seiner rechten Hand hielt er dabei einen Zahnstocher, den er immer mal wieder über der Erbse kreisen ließ, nur um ihn dann doch wieder für einen Moment wegzulegen.

„Entschuldigung?”, fragte Herr Nimo um die Aufmerksamkeit des Händlers zu erlangen.

„Hmm?”

Der Händler blickte die Erbse vor ihm weiter konzentriert an.

„Entschuldigen Sie mein Herr, ich bin Reisender und erst seit Kurzem in ihrer Stadt. Ich wollte mich nur erkundigen warum ihre Stadt so baufällig ist? Ich habe bereits zwei Passanten befragt, aber diese hatten… wichtigere Dinge zu tun. Könnten Sie mir vielleicht helfen?”

Der Händler antwortete ihm ohne den Blick von der Erbse zu lassen:

„Mein Herr, wie Sie sicher erkennen, bin ich im Moment leider sehr beschäftigt. Ich versuche gerade zu entscheiden, durch welche Stelle ich diesen Zahnstocher in die Erbse stechen soll. Ich kann ihnen also im Moment nicht helfen.”

„Glauben Sie denn nicht, dass Sie diese Entscheidung auch später treffen können? Wenn Sie mich fragen ist sie sowieso nicht von allzu großer Relevanz.”

„Mein Herr ich kann ganz gut selbst beurteilen was relevant ist und was nicht, vielen Dank. Wenn Sie jetzt bitte gehen könnten, Sie stören meine Konzentration.”

Da Herr Nimo bemerkte, dass er auch hier keine Antwort auf seine Frage erhalten würde, entschied er sich das Geschäft zu verlassen. Kurz vor dem Ausgang der Stadt, bemerkte er den Bürgermeister derselben, leicht erkennbar an seiner Schärpe. Ein letztes Mal wollte Herr Nimo versuchen, seine Neugierde zu befriedigen. Er näherte sich dem Bürgermeister und fragte:

„Entschuldigen Sie bitte mein Herr, aber sind Sie zufällig der Bürgermeister dieser Stadt?”

„Der bin ich in der Tat. Kann ich ihnen helfen?”

„Nun das hoffe ich. Ich bin ein Reisender und seit ich in ihrer Stadt angekommen bin, frage ich mich warum sie so baufällig ist? Gibt es nicht genug Geld für Reparaturen?”

„Oh nein, nein mein Herr, Geld ist genügend da. Die Reparaturen werden auch kommen, doch Sie werden schon verstehen, dass die wirklich wichtigen Dinge natürlich Vorrang haben!”

„Nein, ehrlich gesagt verstehe ich nicht. Was ist denn bitte schön wichtiger als die Instandhaltung der Stadt?”

Der Bürgermeister sah Herrn Nimo verwundert an:

„Na Sie haben vielleicht Fragen! Ich muss mich um viele wichtige Dinge kümmern. Im Moment versuche ich zum Beispiel herauszufinden ob ich für 3 Minuten auf einem Bein stehen soll oder für 5 Minuten im Kreis um diesen Baum dort gehen soll!”

 
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Verfasst von - 21. August 2016 in Allgemein, Literatur

 

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The dance of humanity

The dance of humanity

Heute möchte ich euch in eine experimentelle Form der Lyrik einführen, die in vier verschiedenen Sprachen verfasst ist und mit der ich zeigen möchte, dass die Literatur keinen Grenzen unterliegt und somit auch linguale Unterschiede überwindet. Die Kunst ist keine Errungenschaft der Nationen, sondern der Menschheit.

The dance of humanity

We all breathe in the same sunset,
nur an unterschiedlichen Orten in der Welt.
The colours of the bright horizon,
elles dansent avec nous tous.
Il vento ci abbraccia tutti
und wird zu unserem stillen Gefährten
qui se mêle à cette danse.
Eine Tanzfläche für uns alle
that doesn`t distinguish between
les différentes techniques de danse,
illuminated by the stars
der hereinbrechenden Nacht
qui offrent leur lumière à tous les hommes
e li fa ballare tutti
the dance of humanity.

 

Sophie Aduial

 
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Verfasst von - 16. August 2016 in Literatur

 

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Kurzmitteilung

Liebe Freunde,
viele von euch begleiten meinen literarischen Weg nun schon eine ganze Zeit. Aus ein paar Gedichten ist vor einigen Jahren ein erster Gedichtband entstanden, veröffentlicht als ebook im Selbstverlag. Aus diesem Buch ist die Idee für ein literarisches Blog entstanden und „just thoughts” erblickte im Juli 2014 das Licht der Welt. Weitere ebooks folgten und inzwischen hat mein Blog einige treue Leser gefunden. Doch nun folgt für mich der größte Meilenstein bisher. Liebe Freunde, mit großem Stolz kann ich euch heute verkünden, dass mein nächster Gedichtband „Mondscheinsonette” im Münchener Georg von Toyberg Verlag erscheinen wird! 
Mit dieser Veröffentlichung geht für mich ein großer Traum in Erfüllung und ich kann es kaum erwarten bis ihr das Resultat monatelanger Arbeit endlich selbst in den Händen halten könnt! Kurz zum Band selbst: „Mondscheinsonette” beinhaltet 23 Sonette welche in 4 Teilen regruppiert sind „früher abend”, „mitternacht”, „tiefste nacht” und „morgengrauen”, welche von 2 isolierten Gedichten umrahmt sind. Wer meinen Blog liest, kennt bereits einige der Gedichte, weil ich nämlich 6 von ihnen vor einigen Monaten unter dem Titel „Sonntagssonette” veröffentlicht habe. Wem diese gefallen haben, kann sich auf 17 weitere Gedichte ähnlicher Art freuen.
Erhältlich ist das Buch ab heute und zwar beim Verlag selbst (bestellbar unter toyberg-verlag@web.de) und im regulären Buchhandel. Ich bedanke mich bereits jetzt bei jedem der es auch nur in Betracht zieht, ein Buch zu erwerben! 
Vielen Dank für eure Unterstützung bisher, ich blicke mit frohem Blick in die Zukunft und hoffe euch weiterhin gut unterhalten zu können!

Veröffentlichung von „Mondscheinsonette”

 

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Die Reisen des Herrn Nimo – Speciestan

Herr Nimo ist ein Reisender den es immer wieder an recht sonderbare Orte verschlägt. Doch dem aufmerksamen Leser wird es nicht verborgen bleiben, wie bekannt uns diese Städte und ihre Bewohner eigentlich sind.

Herrn Nimos Reise führte ihn in eine Stadt namens Speciestan. Kaum hatte er diesen Ort betreten, fiel ihm auf, dass seine Bewohner seltsame schwarze Kisten um ihren Kopf geschnallt hatten. Die Kisten bedeckten die Augen und einen Teil der Stirn komplett und waren undurchsichtig, was Herrn Nimo zu der Frage führte, wie die Bewohner dieser Stadt sich orientierten. Ihr Verhalten war darüber hinaus äußerst bizarr, sie schienen mit Objekten oder Personen zu interagieren die nicht wirklich da waren, jedenfalls schloss Herr Nimo dies aus der Art wie manche wild vor einem Baum herum gestikulierten oder die Arme ausbreiteten und einen Fuß vorsichtig vor den anderen setzten, so als ob sie über einen schmalen Grad balancieren würden. Manchmal standen auch Gruppen dieser Bewohner in einem Kreis zusammen und schrien auf etwas Undefinierbares in ihrer Mitte. Jedes Mal wenn Herr Nimo versuchte mit einem von ihnen zu sprechen, ignorierten sie ihn einfach, ganz so als ob er für sie nicht existieren würde. Herr Nimo irrte weiter durch diesen seltsamen Ort und kam schließlich auf einen großen Platz. Dort sah er eine Gruppe Leute in einer geraden Linie nebeneinander stehen die neben den schwarzen Kisten auf ihren Gesichtern noch seltsame Fernbedienungen in ihren Händen hielten. Ihrer Haltung und Armbewegungen nach zu urteilen schienen sie Pfeile mit Bogen auf Ziele zu schießen. Rund um sie war eine große Menschenmenge versammelt, alle mit schwarzen Kisten auf ihren Nasen, die sie lautstark anfeuerten. Doch alles was Herr Nimo sah war eine sonderbare Pantomimshow die auf den unbeteiligten Außenstehenden absurd und fast schon etwas unheimlich wirkte. Dann aber wurde Herrn Nimos Blick auf den Himmel gelenkt. Ein riesiger Schwarm Vögel war dort erschienen, so viele, dass sie fast schon die Sonne verdunkelten. Die Vögel schwebten grazil über die Stadt und fingen an die verrücktesten Kunststücke zu vollführen, sie flogen in sonderbaren Formationen, formten Blumen und Tierköpfe. Es war ein Naturschauspiel wie Herr Nimo es noch nie gesehen hatte und er beobachtete es mit größtem Eifer. Noch während er gebannt den Himmel beobachtete, stürmte auf einmal eine Horde von Bewohnern den großen Platz. Einen Moment lang hatte Herr Nimo geglaubt, sie wären gekommen um sich dieses außergewöhnliche Ereignis mit ihm anzuschauen, doch sie stürmten alle an ihm vorbei auf einen ganz bestimmten Punkt auf dem Platz zu und begannen seltsame Armbewegungen auszuführen, fast als ob sie Bälle nach irgendetwas werfen würden. Die Vögel hatten sich inzwischen in alle Richtungen zerstreut und außer Herrn Nimo hat kein einziger der Bewohner dieses Wunder miterlebt.

 
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Verfasst von - 14. August 2016 in Literatur

 

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Der stille Held von Osijek

Der stille Held von Osijek

Mitten im größten Konflikt gibt es manchmal Menschen die es fertig bringen über sich hinaus zu wachsen und sich der Gewalt mit uneingeschränkter Güte entgegenzustellen. Heute möchte ich einen dieser stillen Helden, über die leider viel zu wenig gesprochen und geschrieben wird, hier auf meinem Blog besonders hervorheben.

Josip Reihl-Kir war kroatischer Polizeichef in Osijek während den Anfangsjahren der Separationskriege auf dem Balkan Ende des 20. Jahrhunderts. Seine Aufgabe war es, aufkommende Konflikte zwischen Serben und Kroaten zu verhindern. Um diese zu erfüllen, standen ihm rund 1000 Mann zur Verfügung, doch Reihl-Kir wollte die direkte Konfrontation um jeden Preis vermeiden. Seine Taktik war die der Verhandlung, seine einzige Waffe das Wort. Der serbische Journalist Milos Vasic begleitete Reihl-Kir oft in dessen Fahrzeug und beschrieb in der Dokumentation „Bruderkrieg: Der Kampf um Titos Erbe“ wie dieser vorging: richteten Serben eine Straßensperre auf, fuhr Reihl-Kir dorthin und ging auf sie zu. Er öffnete dabei seine Jacke um ihnen zu beweisen, dass er unbewaffnet war, redete mit ihnen und meistens wurden die Barrikaden daraufhin wieder abgebaut, weil die Serben Reihl-Kir vertrauten. Er versprach ihnen im Gegenzug kroatische Milizen davon abzuhalten von Serben bewohnte Gebiete zu betreten und verwirklichte dies, indem er seine Agenten die Milizen infiltrieren ließ.

Josip Reihl-Kir zog friedliche Lösungen vor, doch dadurch zog er auch den Zorn des örtlichen Parteichefs auf sich, der mindestens ebenso radikal war wie die nationalistischen Serben. Im April 1991 bat er Reihl-Kir eine Gruppe von 3 Parteimitgliedern nach Borovo Selo zu bringen, eine mehrheitlich von Serben bewohnte kroatische Stadt. Obwohl er zunächst ablehnte, stimmte er schlussendlich zu. Einmal dort angekommen musste er zu seinem Schock mitansehen wie die 3 Männer einen Raketenwerfer zusammensetzten und 3 Raketen auf Borovo Selo abfeuerten. Es war eine durchgeplante Propagandaaktion, denn am nächsten Tag wurde der Vorfall im serbischen Fernsehen als Beweis für unprovozierte kroatische Gewalt gegenüber Serben dargestellt. Doch Reihl-Kir gab sich nicht geschlagen und setzte seine Verhandlungen mit den Serben fort, sehr zum Ärgernis des örtlichen Parteichefs der kroatischen HDZ. Einer der drei Angreifer auf Borovo Selo war Gojko Šušak der noch bis 1998 Verteidigungsminister von Kroatien bleiben sollte.

Nach dem Eindringen kroatischer Polizisten in Borovo Selo im Mai 1991 kontaktierte Reihl-Kir den Kommandanten der serbischen Milizen im Dorf, Vukašin Šoškoćanin und erfuhr von ihm, dass die Polizisten tatsächlich auf Mitglieder der Bevölkerung geschossen hätten und dabei eine Person verletzt wurde. Nachdem ein Kampf um die Stadt entbrannt war, protestierte Reihl-Kir öffentlich gegen die Bemühungen führender HDZ Politiker seine Friedensgespräche mit den Serben zu unterbinden.

Reihl-Kir wurde den Extremisten um Kroatiens Präsidenten Franjo Tuđman immer mehr ein Dorn im Auge. Ihm war bald schon klar, dass er sich in Osijek seines Lebens nicht mehr sicher sein konnte. Er bat den Polizeiminister Josip Boljkovac ihn „irgendwo hin” zu versetzen. Dieser antwortete ihm nach eigenen Aussagen mit der Bemerkung: „Kir, seien Sie nicht kindisch, nichts wird passieren. Nehmen Sie einen Whisky!”. Doch nach weiteren eindringlichen Bitten um Hilfe, versprach er seinem Polizeichef ihn nach Zagreb zu holen. Am Tag seiner Versetzung gab es erneut einen Zwischenfall. Reihl-Kir wollte sich ein letztes Mal um Frieden bemühen und fuhr hinaus. Man lockte ihn zu einer seiner eigenen Polizeisperren. Dort erwartete ihn ein Mitglied der Regierungspartei, ein gewisser Antun Gudelj, und schoss ein volles Magazin seiner AK-47 auf Reihl-Kir. 16 Kugeln trafen den Polizeichef und töteten ihn auf der Stelle. Gudelj war Polizeireservist und nur wenige Tage zuvor war er noch bei Reihl-Kir um seine Waffe abzuholen. Dieser gab ihm eine Kalaschnikow. Es war die gleiche Waffe mit der Gudelj ihn am 1. Juli 1991 erschoss.

Antun Gudelj floh nach dem Attentat nach Australien, da er neben der kroatischen auch die australische Staatsbürgerschaft besaß. Reihl-Kirs Witwe Jadranka setzte sich über viele Jahre für die Auslieferung des Mörders ihres Mannes ein. Australien lieferte Gudelj schließlich im Jahr 2007 an Kroatien aus, wo er sich nicht nur für den Mord an Reihl-Kir sondern auch an 2 seiner Verbündeten, Milan Knežević und Goran Zobundžija, verantworten musste. Gudelj wurde in dritter Instanz im Jahr 2008 zu insgesamt 70 Jahren Haft für die drei Morde verurteilt.

Josip Reihl-Kir hat sich in einer Zeit der ausufernden Gewalt für friedliche Lösungen von Konflikten eingesetzt. Seine unermüdliche Ausdauer und fortwährende Gespräche mit beiden Konfliktparteien haben viele Menschenleben gerettet und Vertrauen geschaffen in einer Zeit in der viele Menschen nicht einmal mehr ihren eigenen Nachbarn über den Weg getraut haben. Er bezahlte seine Bemühungen um Frieden mit seinem Leben und wird leider bis heute viel zu selten im Zusammenhang mit den Balkankriegen der 90er Jahre erwähnt. Er ist ein stiller Held der unseren Respekt verdient und dessen Kraft und Überzeugung uns leiten sollte.

 
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Verfasst von - 7. August 2016 in Gemischtes, Politik

 

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Kunst trifft Poesie

Malerei ist Sprache für die Augen, Sprache ist Malerei für das Ohr.

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