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Archiv für den Monat April 2015

„Der Turm“ von Uwe Tellkamp: Romananalyse (2. Teil: Die Handlungsstränge von Meno Rohde und Richard Hoffmann)

„Der Turm“ von Uwe Tellkamp: Romananalyse (2. Teil: Die Handlungsstränge von Meno Rohde und Richard Hoffmann)

Dies ist der zweite Teil meiner Romananalyse von Uwe Tellkamps Roman „Der Turm“. Den ersten Teil könnt ihr hier nachlesen.

Der zweite Handlungsstrang befasst sich mit Meno Rohde, Christians Onkel und Richards Schwager. Er entstammt einer kommunistischen Familie und besuchte während der NS-Zeit eine Schule in Moskau. Er arbeitet als Lektor, da ihm seine eigentliche Wunschkarriere als Wissenschaftler aufgrund seiner Nähe zur evangelischen Kirche nicht möglich war. Dieser Handlungsstrang zeigt vor allem Menos inneren Zwist, da er sich einerseits an die Vorgaben des Systems was Literatur zu sein hat, halten muss, andererseits sich aber auch mit den Autoren, insbesondere mit der jungen Judith Schevola, verbunden fühlt. Er ist auch eine Art „Wanderer zwischen den Welten“ da er als Lektor Zugang zum Bezirk „Ostrom“ hat, wo die Nomenklatura residiert. Meno Rohde ist durch seine Beschäftigung mit der Literatur ein äußerst besonnener Mensch und erkennt, dass eine Flucht in eine Nischengesellschaft wie es die Bewohner der Turmstraße leben, keine Lösung ist. Dennoch bekennt er während des ganzen Handlungsverlaufs keine Farbe, weder zur klaren Resistenz, wie Judith Schevola, noch zu den Mitläufern wie den Autoren Eschloraque oder Paul Schade. Er gehört trotz seiner äußeren Neutralität auch zu jenen, die bei der Demonstration am 3. Oktober 1989 zusammengeschlagen werden.

Der dritte Hauptcharakter ist dann schließlich Richard Hoffmann. Zu Beginn der Handlung ein erfolgreicher Chirurg zeigt sein Handlungsstrang die Erpressung durch die Stasi besonders stark auf. Erpressbar macht ihn vor allem die Denunziation seines Freundes Manfred Weniger vor Jahrzehnten sowie seine Affäre mit der Chefsekretärin Josta Fischer, mit der er sogar schon ein kleines Mädchen namens Lucie hat. Durch eine weitere Affäre mit Christians Jugendliebe Reina, verschlechtert sich auch sein Verhältnis zu seinem Sohn. Richards Leben wird durch diese persönlichen Fehltritte aber vor allem auch durch die stetig wachsende Zermürbung seitens des Staates, der ihm selbst seine Kapitalanlage, einen Oldtimer, zerstört, weil er ihnen nichts über die geplante Flucht eines mit ihm befreundeten Ingenieurs und dessen Frau erzählt hatte, nach und nach zerstört. Dies führt soweit, dass er gegen Ende sogar psychisch krank wird und stationär behandelt werden muss. Sein Handlungsstrang endet damit, dass ihm seine Frau Anne seine Fehler verzeiht und er sich im Oktober 1989 den Protestierenden anschließt.

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Ein Kommentar

Verfasst von - 19. April 2015 in Literatur

 

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Meine Meinung zu: Haruki Murakamis „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“

Meine Meinung zu: Haruki Murakamis „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“

Über die Osterferien habe ich Haruki Murakamis „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ gelesen. Es war mein erster Roman von diesem Autor, jedoch nicht mein erstes Buch, vorher habe ich bereits die Sammlung von Kurzgeschichten „Von Männern die keine Frauen haben“ gelesen, welche mich schon sehr beeindruckt hat. Nun also dieser Roman von einem Autor der von vielen zu den besten momentan lebenden Autoren der Welt gezählt wird. Keine Angst ich werde kein Detail der Geschichte in diesem Artikel verraten. Dazu ist die Geschichte nämlich viel zu gut.

Also, die Geschichte. Ich überlasse erst einmal Amazon eine kurze Zusammenfassung:

„Mit 36 Jahren blickt Tsukuru Tazaki auf ein entgleistes Leben zurück. Freunde, Heimat, Liebe sind nur Worte für ihn. Die Menschen bleiben ihm fremd, allenfalls für Bahnhöfe und Züge bringt er ein vages Interesse auf. Als er Sara kennenlernt, die in einem Reisebüro arbeitet, öffnet er sich zum ersten Mal seit langem einer anderen Person die nicht glauben kann, was sie hört. Wenn ihre Beziehung eine Chance haben soll, beschwört sie Tsukuru, dann muss er in seine Vergangenheit reisen, auf der Spur einer Wunde, die niemals verheilt ist, und vier Farben, die sie ihm zugefügt haben. Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki folgt einem Mann ohne Eigenschaften und Leidenschaften beim Versuch, sein verlorenes Leben zurückzuerobern.“

Wer vorher noch nie Murakami gelesen hat, wird erst einmal den reichlich sonderbaren Stil dieses brillanten Autors bemerken. Sonderbar aber auch überhaupt nicht schwierig zu lesen wie ich fand. Klar strukturierte Sätze die einem, anders als beispielsweise bei Mann oder Tellkamp, nicht abverlangen denselben Satz zwei- bis dreimal zu lesen um ihn zu verstehen. Es sind jedoch auch nicht irgendwelche technischen Besonderheiten, die Murakamis Stil so besonders machen, es ist vielmehr die Art wie er das Geschehen beschreibt. Murakami ist bekannt dafür, Realität auf einzigartige Weise mit fantastischen Elementen zu vermischen, eine Besonderheit die er anscheinend in seiner Trilogie „1Q84“ auf die Spitze treibt (Ich werde auf dieses Buch bzw. diese Bücher zurückkommen sobald ich sie gelesen habe). Murakami beweist sein Können jedoch bereits in diesem Roman und so ist die Geschichte des Tsukuru Tazaki eine Geschichte auf die man sich einlassen muss. Wie ich bereits sagte, ist das Buch alles andere als schwierig zu lesen, jedoch hatte ich vor allem zu Anfang der Geschichte oftmals den Eindruck, dass dieser besondere Stil vielleicht einige Leser nach den ersten Kapiteln verschrecken könnte. Dies aus dem einfachen Grund, weil man am Anfang nicht genau weiß wohin einen die Geschichte führen will und auch weil man aus dem Protagonisten Tsukuru Tazaki nicht wirklich schlau wird.

Lässt man sich jedoch auf die Geschichte ein, so bereut man es auf keinen Fall. Spätestens nach der ersten Hälfte hatte mich der Roman in seinem Bann. Man gewöhnt sich an die Surrealität, welche Murakami vor dem geistigen Auge seines Lesers entstehen lässt, ohne sich jedoch je wirklich wohl in ihr zu fühlen. Dabei entsteht ein auf seltsame Weise äußerst angenehmes Gefühl von Beklommenheit, welche einen nicht mehr loslässt. Es ist auch dieses Gefühl, was mich wohl am Meisten an diesem Buch fasziniert hat. Zwar ist die Geschichte selbst ebenfalls meisterlich und auch enorm spannend, besonders gegen Ende und Murakami versteht es auch die Höhepunkte genau an die richtigen Stellen zu setzen, doch diese faszinierende Art des „Teilhabens“ an der Geschichte, wie Murakami sie in diesem Roman bewerkstelligt, ist es die mir im Gedächtnis bleiben wird.

Haruki Murakamis „Die Pilgerjahre des farblosen Herrn Tazaki“ ist ein Roman der mir im Gedächtnis bleiben wird. Er ist etwas ganz besonderes und bietet neben einer guten Story auch noch ein Leseerlebnis wie ich es bisher nur selten, wenn überhaupt, erlebt habe.

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Verfasst von - 13. April 2015 in Literatur

 

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L’uovo di Pasqua

L’uovo di Pasqua

If you follow me on my facebook page (if you don’t but would like to do so click here to get there) you might have seen that yesterday I posted a little Italian poem by Gianni Rodari. If you’ve missed it here it is:

Dall’uovo di Pasqua è uscito un pulcino
di gesso arancione col becco turchino
Ha detto: „Vado, mi metto in viaggio
e porto da tutti un grande messaggio“.
E volteggiando di qua e di là
attraversando paesi e città
ha scritto sui muri, nel cielo e per terra:
„Viva la pace, abbasso la guerra“.

Now I promised to come up with a translation for those of you that don’t speak Italian. I did my very best so here you have an English as well as a German translation for this beautiful poem:

English:

Out of the egg of Easter came a chick
with orange plumage and a turquoise beak
It said: „I am going to travel
and bring everyone an important message“.
It flew hither and thither
across countries and cities
wrote on the walls, in the sky and on the ground:
„Long live peace, down with the war“.

Deutsch:

Aus dem Osterei kam ein Küken
mit orangenem Federkleid und blauem Schnabel
Es hat gesagt: „Ich mache mich auf die Reise
und bringe jedem eine wichtige Botschaft“.
Es flog hier und dort
über Länder und Städte
schrieb auf die Mauern, in den Himmel und auf den Boden:
„Es lebe der Frieden, nieder mit dem Krieg“.

I am aware that these aren’t the best translations and I welcome every hint for a better translation if maybe your Italian is better than mine. I still hope the message comes across and again I hope you had a very pleasant Easter!

 
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Verfasst von - 7. April 2015 in Gemischtes, Literatur

 

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Kunst trifft Poesie

Malerei ist Sprache für die Augen, Sprache ist Malerei für das Ohr.

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